Band Filter

PAATOS - Silence of another Kind

VN:F [1.9.22_1171]
Artist PAATOS
Title Silence of another Kind
Homepage PAATOS
Label INSIDEOUT MUSIC
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

Ob die Skandinavier vielleicht doch zu wenig Sonnenlicht bekommen und deshalb zur Schwermütigkeit neigen? Dank der modernen Elektrizität soll die vermehrte Melatonin-Produktion und damit verbundene Winterdepression ja eigentlich kein so großes Thema mehr sein, aber PAATOS treten mit ihrem aktuellen Werk „Silence of Another Kind“ ganz eindeutig den Gegenbeweis an. Anders ist kaum zu erklären, wie man ein so melancholisches Album hinbekommt. Schon der Bandname zeigt den Weg: Das schwedische Wort „Patos“ meint nichts anderes als „Pathos“, und da die Band zwei A irgendwie schöner fand, hat man sich erlaubt, die muttersprachliche Rechtschreibung künstlerisch ein wenig weiter auszulegen. Die einzelnen Bandmitglieder kennen sich bereits seit 1993, nach verschiedenen Umwegen fand man Anfang des neuen Jahrtausends zu PAATOS zusammen und nahm 2002 das Debüt „Timeloss“ auf, 2004 folgten „Kallocain“ und eine Tour mit den Holländern von THE GATHERING.

Die gemeinsame Zeit mit den Käsehäppchen scheint Eindruck hinterlassen zu haben, im Vergleich zu den Vorgängern klingt „Silence of Another Kind“ ein wenig härter. Nachdem 2004 vor allem moderne Technik und digitale Soundschleifen zum Einsatz kamen, haben die fünf Schweden diesmal mehr auf handgemachte Musik gesetzt und sich zu diesem Zweck mit Anders Nygards (Geige und Viola) und Jonas Wall (Saxofon) noch zwei Gastmusiker ins Studio geholt. Als erstes dringt beim Hören jedoch die Stimme von Petronella Nettermalm ins Bewusstsein. Vergleiche mit BJÖRK drängen sich auf, und den Vergleich braucht die dunkelhaarige Frontfrau keinesfalls zu scheuen. Mal geheimnisvoll, dann wieder feenhaft oder auch lasziv-sexy führt sie den Zuhörer durch die neun Songs und spannt mit Hilfe ihrer Kollegen an den Instrumenten den Bogen vom düsteren Spheric Rock über Mellotron-Symphonik und nordische Folklore. Mit Drummer Ricard Huxflux Nettermalm verbindet sie übrigens nicht nur PAATOS, sondern, wie der gemeinsame Nachname schon vermuten lässt, auch eine Ehe. Die einzelnen Stücke lassen sich kaum separat beschreiben, so sehr scheinen sie miteinander verbunden zu sein und eine Geschichte zu erzählen. Fast hat man gerade beim wiederholten Hören das Gefühl, von Petronella an die Hand genommen zu werden, damit sie diese Geschichte aus ihrer Sicht erzählen kann. Und die Musik kommt dabei so atmosphärisch dicht daher, dass man den Eindruck gewinnt, Teil dieser Geschichte zu werden oder doch wenigstens die Schauplätze des Geschehens gemeinsam mit PAATOS zu besuchen. So geschehen bei „Your Misery“, das sich regelrecht nach Morgengrauen anhört. Unbemerkt folgt „Falling“, das mit bezaubernden harmonischen Abwärtsbewegungen daherkommt. „Still Standing“ verwirrt anfangs durch hypnotische Stimm- und Klangeffekte, um dann Auf- und Erlösung im Einsatz der Saiteninstrumente von Stefan Dimle (Bass) und Peter Nylander (Gitarre) sowie der Keys von Johann Wallen zu finden. Zu diesem Zeitpunkt gewinnen die härteren Gitarrenklänge mehr an Bedeutung, was sich im folgenden „Is That All?“ weiter fortsetzt. Im Verhältnis zu den übrigen sehr getragenen Titeln, wirkt der Refrain direkt ein wenig aufbegehrend. Natürlich ist mit diesem Stück noch nicht Schluss. PAATOS sind mit ihrer Reise durch die düsteren Welten, die sich in den Köpfen ihrer Mitglieder befinden, noch nicht fertig und so erwartet uns u.a. noch „Not A Sound“, das am stärksten schwermütige Folk-Harmonien mit der geheimnisvollen Stimme der Sängerin verbindet, um am Ende in ein düsteres Finale aus Streichern, Gitarren- und Synthiewänden einzutauchen. Den Schlusspunkt setzt der Titelsong „Silence of another Kind“. Und wie wahr:

PAATOS haben hier tatsächlich eine Scheibe geschaffen, die eine Stille der anderen Art präsentiert. Wer den Suizid schon länger plant, wird ihn vielleicht nach dem Hören der Platte auch ausführen, aber bestimmt nicht, bevor die letzten Töne verklungen sind. Alle anderen werden auch nach häufigem Hören immer wieder neue Facetten entdecken, die sich beim ersten Mal noch gar nicht erschlossen haben. Hier sind wirklich begnadete Musiker am Werke, deren breit gefächerter musikalischer Background (Zusammenarbeit u.a. mit COVENANT, RAMMSTEIN, Vertonung des Stummfilmes Nosferatu, Jazzprojekte usw.) man wohltuend in der Musik wiederfindet, ohne dass irgendein Bestandteil aufdringlich wirkt. Ein sehr ruhiges, aber niemals langweiliges Album für jeden, der gern mal seinen Gedanken nachhängt und BJÖRK, THE GATHERING oder auch PORTISHEAD schätzt.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

PAATOS - Weitere Rezensionen

Mehr zu PAATOS