Band Filter

PANIC LIFT - Witness to our collapse

VN:F [1.9.22_1171]
Artist PANIC LIFT
Title Witness to our collapse
Homepage PANIC LIFT
Label NOITEKK
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.8/10 (8 Bewertungen)

Ich habe ein wenig den Eindruck, dass der Schwung an stetig neuen Harsh Electro Acts allmählich wieder nachlässt. Viele der letzten NoiTekk Emporkömmlinge zum Beispiel stehen stattdessen bereits vor der Schwelle zu ihrem zweiten Album (siehe LIFE CRIED und XENTRIFUGE) oder haben dieses (im Falle von FGFC820) schon hinter sich, andere Lärmkapellen wie DAWN OF ASHES streben gänzlich neue musikalische Betätigungsfelder an und der amerikanische Markt scheint nunmehr weitestgehend abgegrast. Eine der letzten der dortigen Neuverpflichtungen im Hause NoiTekk ist die Band PANIC LIFT, die 2006 von ihrem Mastermind und quasi Alleinherrscher James Francis ins Leben gerufen worden ist. Dessen Homebase liegt wie etwa bei LIFE CRIED und XENTRIFUGE auch in New Jersey, von daher ist es kaum überraschend, dass sein erster Schritt im Musikbiz das Projekt EYE KANDY unter anderem gemeinsam mit Chris von eben LIFE CRIED war.

PANIC LIFT selbst ist erstmalig mit der in Eigenregie veröffentlichten, limitierten EP „Dancing through the ashes” in Erscheinung getreten, für die neben fünf regulären Stücken die heimischen Intimi (s.o.) auch Remixarbeiten abgeliefert haben. „Witness to our collapse“ schließlich ist nun das eigentliche Debütalbum, an dem neben James himself auch noch Dan Platt (Keyboards/Synthesizers) beteiligt ist und das in den US of A schon seit einem halben Jahr erhältlich und ziemlich gut aufgenommen worden ist. Auf positive Resonanz sollten die Amis auch hier in Europa stoßen, denn das Gros der 11 Tracks (plus Intro) lässt sich wahrlich gut an. Die kraftvollen und vielfach clubtauglichen Hymnen weisen einen hohen melodischen Anteil und ein feines Gespür für eingängige Passagen auf (vgl. „Everything I have“ oder „No trace to love“). Nur selten agiert man dabei zu stereotyp und klingt im Gesamtbild – wenn man mal von den verzerrten Vocals absieht – sogar eher „freundlicher“ als bei manch anderen arrivierten Genre-Kollegen. Erkennbar ist ein deutliches, im Ergebnis erfolgreiches Bemühen um Vielschichtigkeit, um nicht nur eines von vielen Harsh oder auch Dark Electro Projekten darzustellen.

Natürlich finden sich unter den Stücken, zu denen auch die fünf EP-Songs gehören, einige recht typische Smasher, so etwa das bereits von der letzten Black Rain Media Group Compilation bekannte „Failsafe“, das extrem kompakt und durchdringend aber punkten kann. Daneben – und das macht den Unterschied zu anderen Interpreten – werden allerdings auch andere Wege eingeschlagen. „Hold on“ geht eher in die Trance-Richtung und überrascht mit cleanen Vocals ganz ohne Effekte. Der Titeltrack hingegen verbreitet unter Gitarreneinsatz Industrial Rock Brachialität, während bei „Seasons change“ sanfte Pianoklänge und ein zerbrechlicher Beat einen melancholisch-balladesken Klangteppich bilden. Auch weil zwischendurch andere Titel immer wieder mal ordentlich auf die Zwölf geben, wirkt „Witness to our collapse“ dennoch wie aus einem Guss und mündet schließlich in „Butterfly wings (My only hope)“, einer bemerkenswerten Nummer, die in der Welt der Rockmusik wohl als Halb-Ballade zu bezeichnen wäre und die herrlich unaufgeregt, organisch und düster arrangiert ist.

Live wird PANIC LIFT unter anderem noch verstärkt von GUS YOO von NEUROPLAGUE, AZRAEL TRIGGER und SYMBIOTIC (wo er ebenfalls zusammen mit James aktiv ist), was uns wieder zu den Anfängen dieser Rezension zurückkehren lässt, nämlich zu der sehr umtriebigen und kollegialen Szene in New Jersey. Diese lässt auf Spaß an der Musik schließen und nur so kann meines Erachtens eine gewisse Qualität erreicht werden, eine Qualität die man benötigt, um sich im ziemlich gesättigten Markt durchzusetzen. PL gelingt dies tadellos mit Dynamik und einem intensiven Hörerlebnis, dass einige Electro-Herzen im Sturm erobern wird.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu PANIC LIFT