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PANZER AG - This is my Battlefield

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Artist PANZER AG
Title This is my Battlefield
Homepage PANZER AG
Label ACCESSION RECORDS
Leserbewertung
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7.8/10 (4 Bewertungen)

Andy LaPlegua: Tausendsassa! Neben seiner hauptamtlichen Tätigkeit als Frauenschwarm bei ICON OF COIL bringt er mit der PANZER AG nun schon sein zweites Nebenprojekt (nach COMBICHRIST) auf den Markt, das exzessive Touren nicht zu vergessen. Da fragt man sich doch, ob der Norweger sonst keine Hobbys hat bzw. ob er mit so wenig Zeit im Nacken überhaupt Qualität liefern kann. Und – Er kann durchaus! Mit der PANZER AG bringt der gute Mann seine düstere Seite voll auf den Punkt, immer nur seichter Future Pop scheint ihm definitiv zu wenig zu sein. Aber warum dann nicht eine zweite VÖ unter dem Namen COMBICHRIST, wo man ja auch ein ganzes Stück deftiger zur Sache geht? Mit der „Aktiengesellschaft“ gibt er sich wesentlich vielschichtiger, und auch apokalyptischer. Geblieben ist seine offensichtliche Abneigung gegenüber Kirche und Religion, neu die Affinität zu „deutschen“ Begriffen. Vorsichtshalber hat man gleich eine eventuelle faschistische Tendenz auf dem Cover verneint, die ewige Kritik an FEINDFLUG war da wohl ein mahnendes Beispiel.

Die 15 Tracks seiner neuen Spielwiese geben dabei kein homogenes Bild ab, denn der gute Andy pickt sich aus diversen Genres ein paar Rosinen heraus, um damit einen wohlmundenden elektronischen Kuchen zu kreieren. Zu nennen wären da Industrial, EBM, Military, Noise, Ambient, das alles mit einem gehörigen Schuss Bombast. Kritiker könnten da monieren, dass die Scheibe uneinheitlich ausfällt, aber wer seine Scheuklappen mal ein Stück zur Seite legt, wird ein kompositorisch größtenteils sehr anspruchsvolles Werk genießen können. Gehen wir mal auf ein paar Highlights ein: Der eigentliche Opener „Filth God“ überzeugt mit einem bombastischen, sehr effektvollen Refrain, ein Elektro-Monster von fast „klassischen“ Ausmaßen. Andy LaPlegua, der Carl Orff der heutigen Synthie-Szene? Daneben gibt es bei „Bereit“ Minimalismus mit sehr gut gesetzten Samples auf die Ohren, scheinbar wahllos ausgewählte deutsche Begriffe – von einer weiblichen Stimme emotionslos aufgesagt – verstärken die düstere Brutalität dieses Tracks. Bei dem Quasi-Titelstück „Panzer“ wird ein Sample vom De Niro-Sprecher Thomas Danneberg verwendet, der unaufhörlich über „Deutsche Panzer“ schwadroniert. Dazu kommt mit „Totale Luftherrschaft“ ein Song, welcher am ehesten in Richtung hypnotischer Minimalismus tendiert, so wie es die Vorbilder (?) FEINDFLUG so wunderbar vorexerzieren. Gegen Ende der Scheibe geht zum einen etwas die Luft aus (verzeihlich), zum anderen werden jetzt plötzlich Gitarren eingesetzt, welche in Verbindung mit Break Beats ein wenig THE PRODIGY-Feeling aufkommen lassen („Behind a Gasmask“). Bisweilen singt LaPlegua auch einfach nur wie in seiner Stammband, was dem einen oder anderen IOC-Fan eine Kaufempfehlung Wert sein sollte. Zum Gott am Mikro wird er allerdings in diesem Leben nicht mehr werden…

Wie schon gesagt: Eine ungemein vielschichtige Scheibe mit einem durchgehenden roten lyrischen Faden, wider gesellschaftliche Institutionen und pro-Vokation. Teilweise nett, teilweise aggressiv, teilweise bombastisch, teilweise bedrohlich. Bei mir zuhause hat schon lange keine Elektroscheibe mehr so unterhaltsam auf dem Teller rotiert. Allerdings nichts für reine Futurepopper, die schon beim ersten Militärbegriff in den Knien schlottern. Dieses Projekt würde ich auch sehr gerne mal live erleben, am besten inmitten einer Kraterlandschaft…

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