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PANZER AG - Your World is burning

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Artist PANZER AG
Title Your World is burning
Homepage PANZER AG
Label ACCESSION RECORDS
Leserbewertung
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9.0/10 (2 Bewertungen)

Andy LaPlegua ist die Fleischwerdung einer musikalischen Wundertüte. Ist es schon nicht so einfach zwischen all seinen Projekten die Orientierung zu behalten, überrascht er nun auch „interprojektiv“ mit unvorhersehbaren Klängen. Wer den Vorgänger „This is my Battlefield“ aufgrund seiner harschen (zugegebenermaßen auch schon inhomogenen) Elektronik zu schätzen wusste, wird knapp 2 Jahre später den Mund nicht mehr so schnell zukriegen vor Überraschung. Geblieben ist der (anti-)militärische Gestus, welcher ja auch das Cover-Motiv bestimmt, inhaltlich hat sich aber eine ganze Ecke getan. Gitarren sind das Stichwort, welche den Panzer zu ganz neuen Ufern rollen lassen. Auf der Homepage wird eine Annäherung an die „Pretty Hate Machine“-Ära angesprochen, und das kann man ungefragt so stehen lassen.

So ist der eigentliche Opener „Aenimal“ ein richtig schöner Industrial Metal Song im Stile von MANSON oder den frühen NINE INCH MAILS, kompositorisch deutlich ausgereifter als früherer Werke in Bezug auf „echtes“ Songwriting. Nicht falsch verstehen, Clubgranaten kann der 1975 geborene Norweger sowieso lässig mit der linken Hand zünden. Doch wo hat man in seinem Oeuvre bisher schrebbelige Punk Gitarren à la „Machinegun GoGo“ (potenzieller Club Hit!) finden können? Wobei ihm das Gespür für intelligenten Sarkasmus in den Texten nicht abhanden gekommen ist, hier haben wir zumindest einen thematischen Anknüpfungspunkt zur Prosa des Debüts. Doch er kann noch abgefahrener: Beginnt „Among the New“ wie eine JOHNNY CASH-light-Kantate entwickelt sich der Track durch Violine und weibliche Vocals gar in Richtung Neofolk. Das darauffolgende „Paper Angels“ konzentriert sich dann vornehmlich auf Elektronik und erinnert mit seinen Effekten am ehesten an den Old School Plegua-Panzer. Auch der Pathos des sehr reduziert wirkenden „Moerketid“ ist aus früherer Vergangenheit bekannt. Dazwischen braucht es erst mal wieder einen „verschleppt-hinterhältigen“ MANSON („Monster“) und einen Früh-90er Reznor („Crash N Burn“), beides sehr ordentlich in den AG-Klangkosmos überführt. „Not too late“ lebt dann vom Spannungsverhältnis „Refrain-Strophe“, die übrigen 3 Titel fallen qualitativ ebenso wenig ab, ganz im Gegenteil: Der Rausschmeißer „When I am you“ verwöhnt noch mal mit treibenden, orientalischen Sounds. Schon vorbei? Da muss ich mich erst mal setzen, das muss SICH erst mal setzen…

Jeder, der möglicherweise zunächst leicht verstört vor der heimischen Anlage verharrte, weil er eben keinen Noise, Industrial, Hellectro serviert bekam, wird schon nach wenigen Durchläufen die neuen, zusätzlichen Qualitäten der PANZER AG zu schätzen wissen. Deutlich substanzieller, immer noch sehr abwechslungsreich und vor allem weniger plakativ kommt das neue Werk daher. Und hinter der Fassade lugt eben doch aus allen Ecken und Enden der „Combichrist“ hervor, der sich diebisch darüber freut, sein Repertoire noch mal erweitert zu haben. Wahrscheinlich sogar entscheidend, um die innovative Nase vorne zu behalten!

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