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PARRALOX - Recovery

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Artist PARRALOX
Title Recovery
Homepage PARRALOX
Label CONZOOM
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Reine Cover-Alben besitzen ja oft einen „zugigen“ Charakter – mal eben auf jenen aufspringen, den weit bekanntere Künstler schon vor langer Zeit ins Rollen gebracht haben. Vor allem, wenn man selbst eher ein kleines, irrlichterndes Genre-Partikelchen ist. Man denke an so gruselige Sachen wie den DEPECHE MODE-Tribute einer damals noch unbedeutenden Formation namens UNHEILIG. HEINOs Versuche im Vorjahr besaßen ja immerhin einen unterhaltsamen Trash Faktor. Nun sind die Australier PARRALOX, namentlich Amii Jackson und John von Ahlen, bis dato durch durchaus gelungene Veröffentlichungen und vor allem einen extremen Willen hinsichtlich Stil und Artwork aufgefallen. Neugierde ist also angebracht. Auf gut 70 Minuten covert man sich durch 14 mehr oder weniger bekannte Tracks aus überwiegend elektronischen Gefilden der seligen 80er.

Dabei muss man den Aussis zugute halten, dass ihre Auswahl sehr gelungen ist, nur in etwa der Hälfte aller Fälle hat man sich an offensichtlichen Hits der Originale versucht, häufiger sind es auch eher unbekannte, kleinere Perlen. Siehe den Einstieg „In the Night“, damals der Opener von PET SHOP BOYS‘ Dance Remix Album „Disco“. 1986 zeigte der Kalender an und die Platte ist bis heute mein Eigen, von daher alles richtig gemacht. Auch wird schnell deutlich, dass das Sound Design und die – Achtung Anglizismen – Production Values richtig gut sind. „Recovery“ (netter Titel) klingt kristallklar und professionell, was ja im Elektro Bereich nicht gerade selbstverständlich ist, wo sich doch einige Stümper tummeln. Das folgende „Eye in the Sky“ ist nicht nur das kommerziell erfolgreichste Stück von ALAN PARSONS PROJECT, sondern auch ein hochaktueller Song hinsichtlich der allgegenwärtigen Überwachungsproblematik. Musikalisch verträumt, sphärisch und sehr 80er-verhaftet, dazu wirklich gut gesungen Herr von Ahlen! Aus der Groove-Granate „Headhunter“ (FRONT 242) wird down under treibender Synthie Pop bester Prägung. Amii darf sich dann das erste Mal an NEW ORDERs „Touched by the hand of god“ versuchen, das mir bereits im Original nicht sonderlich zusagte. Spannend wird es bei den „Kebabträume“n, Johns interessanter Akzent sorgt für zusätzliche Würze dieses hypnotisch-monotonen Stücks. Wir sind die Australier von morgen? THE CUREs „A Forest“ ist fast ein wenig zu ausgelutscht, hier erreicht man auch nicht ganz die Qualität von beispielsweise WALTARIs altehrwürdigem Cover aus dem Jahre 1994. Mit DEPECHE MODE und ABBA folgen weitere Legenden auf dem Fuße. „Somebody“ war damals ein von Martin Gore vorgetragener Seelenstriptease, dessen Intensität hier nicht erreicht werden kann, „The Day before you came“ wiederum fällt interessant aus, aufgrund der Überschreitung von Genregrenzen und der latenten Melancholie. Es folgen noch so „unbedeutende“ Künstler wie MADONNA, ERASURE oder KRAFTWERK (hier ist die Verwendung von Amiis durch den Vocoder gejagten Stimme interessant), aber ich möchte jetzt nicht zu sehr ins Schwafeln geraten.

Auch wenn ich sonst derlei Alben eher skeptisch gegenüber stehe, hat mich „Recovery“ in seinen Bann gezogen, die Tracklist wirkt trotz der offensichtlich sehr unterschiedlichen Ur-Songs sehr homogen, die musikalische Qualität ist beeindruckend, die künstlerische Umsetzung inklusive eines sehr gelungenen Booklets geschmackvoll. Dabei wird jeder Song mehr oder weniger prägenden Zeitgenossen wie etwa Marlene Dietrich oder Kate Bush gewidmet inkl. einer netten kleinen Anspielung auf MADONNAs Ego. Down Under 10 Points! 2 wurden wegen leichter Schwächen in der B-Note abgezogen…

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