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PAT HOLDEN - Awaydays (DVD)

VN:F [1.9.22_1171]
Artist PAT HOLDEN
Title Awaydays (DVD)
Homepage PAT HOLDEN
Label ARTHAUS/ KINOWELT
Leserbewertung
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Dies ist nun Part Deux meines Reviews über die zweite 11-Freunde-Edition von Kinowelt/ Arthaus. Ich möchte mich nach KUSTURICAs Beitrag mit einem komplett anderen Film auseinandersetzen. Es handelt sich um einen recht neuen Steifen aus der Gattung des Hooligan-Films (so wird er zumindest vom Verleih angepriesen) aus dem Jahre 2009, der hierzulande nur als DVD-Premiere erscheint. Nach Sichtung des Films möchte ich ihn per-sönlich allerdings innerhalb einer anderen Kategorie/ innerhalb eines anderen Genres ein-ordnen. Dazu aber später mehr.

In den letzten Jahren gab es eine kleine Schwemme von Hooligan-Filmen, deren promi-nenteste Vertreter NICK LOVEs („Outlaw“) „The Football Factory“ (Danny Dyers internati-onaler Karrierestart) und „Hooligans“ (Elijah Woods Versuch vom Frodo-Image loszukom-men) von LEXI ALEXANDER („Punisher – War Zone“) sind. Losgetreten hat diese Welle sicherlich NICK LOVEs Film. Es folgten Beiträge mit Titeln wie „Liverpool Gangster“, „Cass“ oder „Footsoldier“ (der allerdings am Ende eine ganz andere Richtung einschlägt). Nun liegt also PAT HOLDENs Werk zur Rezension vor. Von diesem Regisseur kannte ich bislang nur den Teenie-Klamauk „Mein verschärftes Wochenende“, den ich aber (trotz al-ler Schmährufe anderer Kritiker) überraschend witzig und besser als Nervtöter wie „Ameri-can Pie“ fand. HOLDEN liefert nun also einen ernsthaften Beitrag zum Hooligan-Film ab. Ich war also gespannt.

Zu sehen bekam ich m.E. aber eine ganz andere Gattung von Film, bei der die Hooligan-Thematik eher beiläufig behandelt wurde. Es handelt sich eher um eine Art Szene-Portrait bzw. ein Soziogramm der Working-Class aus Nord-Liverpool. Es geht um Halbwüchsige, welche in den ausklingenden 70er-Jahren in dieser Gegend aufwachsen und das Lebens-gefühl der beginnenden 80er-Jahre atmen. Ein in kalten und kargen Farbgebungen ge-tauchtes Wiederauferstehen der Musik, Kleidung und Haltung der jugendlichen bis mittel-alten Hooligangs (um mal ein Wortspiel zu benutzen), welche sich bevorzugt am Wochenende nach dem Spiel Ihrer favorisierten Teams auf die Pirsch nach den gegneri-schen Fans machen, um sich mit ihnen zu messen. Die Handlung konzentriert sich weit-gehend auf Carty, der nach und nach in das Gefüge einer Bande von der Merseyside im Liverpooler Norden hineinwächst und sich nach oben kämpft. Schnell freundet er sich mit dem (vermeintlichen) örtlichen Gangleader Elvis (!) an und versucht sich von nun an, in dessen Gang zu behaupten. Elvis allerdings ist vom Leben in Liverpool ermüdet und will eigentlich nur noch mit (seinem zwischenzeitlich zum besten Freund mutierten) Carty die Insel verlassen und nach Berlin zu gehen.

Überhaupt erinnert Elvis sehr stark an Ian Curtis von JOY DIVISION (er hat sogar einen Strick in seinem Zimmer von der Decke baumeln). Carty hingegen fällt es mit der Zeit im-mer schwerer, dem Teufelskreis von Samstagsgewalt und Fußballschlachten zu widerste-hen. Der Film endet schließlich tragisch. Großartig fand ich den eigentlich immer gut auf-gelegten Stephen Graham. Er spielt den eigentlichen Rädelsführer der Gang und hat in der letzten Zeit (nach seiner treudoofen Rolle in „Snatch“) immer den Pitbull und Psycho-pathen gegeben (in Michael Manns „Public Enemies“ spielte er Babyface Nelson) Ansons-ten hatte ich von Handlung und den Akteuren eher einen eiskalten bzw. kühlen Eindruck. Der Film verfällt niemals in Hektik, so als ob er sich fest vorgenommen hat, sich nicht aus dem Rhythmus bringen zu lassen.

Die Stärken des Films liegen ganz klar in der Vermittlung des Lebensgefühls der damali-gen Zeit. Von der Kleidung (inklusive der Frisuren – an denen bemerkt man, oft wie echt und lebensnah ein Film ist, der sich „authentisch“ gibt), der Umgebung (welche nach Aus-kunft der Macher im Making of seit 30 Jahren unverändert ist) und des zentralen Ele-ments, der Musik, ist alles wirklich sehr lebensecht und authentisch inszeniert. Die virtuos auf die jeweilige Situation abgestimmte Musik (wir hören Stücke von ULTRAVOX, ECHO & THE BUNNYMEN, SIMPLE MINDS etc.) trägt den Film auf eine ruhige und irgendwie stimmige Art und Weise.

Ich bin in froher Erwartung eines weiteren Kapitels von „Football Factory“ oder „Hooligans“ an diesen Film gegangen und wurde leider diesbezüglich enttäuscht. Der Film hat weder die Leichtigkeit von „Football Factory“, noch die überkandidelte Emphase eines „Hooli-gans“. Warum er dann im Rahmen der 11-Freunde-Edition erscheint, ist mir eher schleier-haft. Fußball wird hier so gut wie gar nicht thematisiert (man bekommt auch keine Spiel-szenen zu sehen). Zu welchen Clubs die Gangs tendieren, kann man sich höchstens an der Farbe der mitgeführten Fanschals zusammenreinem. Der Film ist zudem eher ein Co-ming of age-Drama zwischen 2 Halbwüchsigen, angesiedelt in der Hooligan-Szene. Beide Figuren haben ein eher homoerotisches Verhältnis zueinander. Von Minute zu Minute ha-be ich mich gefragt, wann beide sich endlich küssen. Dies traf dann aber doch nicht ein. Zusätzlich wird im Film immer wieder auf den (Ende der 70er/ Anfang der 80er) aufkom-menden Kleidungsstil der Football-Casuals (ich empfehle die Netzrecherche in England thematisiert. Die eigentlichen Prügelszenen geraten da schon eher zur Nebensache.

Die DVD präsentiert den Film wahlweise in deutschen oder englischen Dolby Digital 5.1, Extras gibt es auch: Interviews mit Regisseur Pat Holden und den Darstellern Nicky Bell und Liam Boyle, Featurettes „The Birth of the Casuals“ und „Am Set mit Autor Kevin Sampson und Produzent David Hughes“, Castings, Trailer, Wendecover.

Fazit: Für Liebhaber der englischen Subkultur eine kleine Entdeckung; ganz nett zum Konsum zwischendurch, gut und/ aber glatt. Echte Unterhaltung oder gar Vergnügen sollte man eher nicht im Überfluss erwarten.

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