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PATCHWORK PROJEKT - Replacing People is easy

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Artist PATCHWORK PROJEKT
Title Replacing People is easy
Homepage PATCHWORK PROJEKT
Label GOODSONGS
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Eine feste Basis ist gut für jede Band. Bietet Schutz in schweren Zeiten. Beherbergt Freunde und Vertraute. Lässt einen nicht abheben. Vor letzterem müssen sich PROJEKT PATCHWORK zwar noch nicht fürchten, doch grenzt ihr Status im Heimatort an dem von Stars. Groß in Peine sozusagen. Wo sich die Gruppe auch aufhält, wenigstens ein Reporter der „Allgemeinen Zeitung“ ist dabei und verfolgt die Musiker auf Schritt und Tritt. Sicherlich wird dabei auch mal der örtliche Plattenladen angesteuert, wo man Sebastian, Micha, Matze und Martin dann beim gründlichen Durchsuchen der Regale beobachten kann und beim Fachsimpeln mit dem Besitzer: „Kid A“ oder „Amnesiac“? „Parachutes“ oder „A rush of blood“? Wo bleibt die neue DREDG?

Man könnte es sich also ganz leicht machen und behaupten: PATCHWORK PROJEKT machen emotionalen Rock im Stile von RADIOHEAD oder COLDPLAY. Das sähe nicht schlecht aus auf einem Pressezettel, auch wenn man damit gewiss nicht der erste wäre. Die einleitende, nach guter alter Umkehrlogik „Outro“ betitelte Miniaturouvertüre lässt eine monotone Computerstimme über einem Klavier in Moll brabbeln – fitter und gesünder fühlt man sich danach nicht gerade. Doch der Rest des Materials ist eigenständiger, mutiger auch. Die Refrains werden, wohl mit Absicht, nicht ganz so deutlich herausgearbeitet wie man das manchmal erwartet (und gelegentlich auch wünschte), doch ist gegen ein Mindestmaß an Pathos-Protection durchaus nichts einzuwenden. „Clear Suspicion“ legt mit einem an ANOUKs „Nobody’s Wife“ gemahnenden Riff los und weiß gleich mit der schönen Textzeile „Simple schedule every day/ Thank you for not being here, just stay away“ zu punkten. „The Maze“ hätte mehr Kraft vertragen können, doch trotz der unnötigen Zurückhaltung: Ein starker Song. Die Produktion verrät, dass hier weder auf Stadionrock, noch auf Experimentalavantgarde gemacht werden soll und dennoch häufen sich mit zunehmender Spieldauer die Indizien, dass die Band mehr möchte, als einfach nur Formeln herunterzuspulen. „Linger“ ist gerade das kleine bisschen zu verquer, um einen nicht sofort zu elektrisieren und gerade das kleine bisschen anders, um sofort aus der grauen Masse herauszustechen. Das Macho-Interludium „Prelude“ misslingt und „Easier said than done“ fasert zu lange aus. Doch der Höllenfunk von „Peperonia“ gemahnt zunächst an „Barbarism begins at home“ von „Meat is Murder“ und geht dann in einen tollen Shaker-Rock Abgehteil über, während „Ignorance is futile“ mit wohliger Akustikatmosphäre, dezenter Geige und einem feinfühligen Instrumentalfinale gefällt.

PATCHWORK PROJEKT haben es sich nicht leicht gemacht. Es ist schade, dass „Replacing People is easy“ im Titel eine so offensichtliche Referenz an den Konzertfilm von Thom Yorke’s Truppe ist, denn die Band kopiert nicht einfach ihre Helden. Das einzige vielmehr, was man mit den Vorbildern gemein hat, ist der absolute Wille, nicht so zu sein wie alle anderen. Und das ist eine feste Basis für eine in künstlerischer und kommerzieller Hinsicht erfolgreiche Karriere.

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