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PATRICK RICHARDT - Soll die Zeit doch vergehen

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Artist PATRICK RICHARDT
Title Soll die Zeit doch vergehen
Homepage PATRICK RICHARDT
Label GRAND HOTEL VAN CLEEF
Leserbewertung
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8.5/10 (2 Bewertungen)

In Krefeld ist PATRICK RICHARDT daheim, doch im April wird er nicht so oft zuhause sein, denn dann wird er quer durch die Republik reisen, um sein zweites Album „Soll die Zeit doch vergehen“ live zu präsentieren. Bereits vor vier Jahren hat der jetzt 28-jährige, der als ein musikalischer Mix aus GISBERT ZU KNYPHAUSEN, MAX PROSA und PHILIPP POISEL eingeordnet werden könnte, sein Debüt „So, wie nach Kriegen“ veröffentlicht, es folgten mitreißende Auftritte auf der eigenen Clubtour und als Support für die SPORTFREUNDE STILLER, THEES UHLMANN und KETTCAR. Dann wurde es still um Patrick; Angstzustände und Depressionen machten dem jungen Liedermacher zu schaffen. Oder wie er selbst sagt: „Ich hing’ ne Weile lang durch und hab wenig bis gar nichts auf die Kette gekriegt. Ist wieder besser jetzt.“ Das ist gut so und man hört auch „Soll die Zeit doch vergehen“ an, dass Herr Richardt jetzt durchaus wieder was auf die Kette bekommt!

Dazu passt, dass der Opener „Euphorie“ heißt und mit durchaus lebensbejahendem Drive daherkommt. In diesem Sinne übernimmt auch das temperamentvolle „Rotterdam“ und wenn der Titeltrack „ Soll die Zeit doch vergehen“ rotzig aus den Boxen schallt, kommt man nicht umher, an RIO REISER und TOCOTRONICs „Kapitulation“ zu denken, bevor „I.D.E.A.L“ im besten Indie-Sehnsuchts-Modus aus dem Hause Grand Hotel van Cleef daherkommt. In der „Wüste Sahara“ oder auch „Zu dir, zu uns, zurück“ geht es deutlich reduzierter zur Sache und diese schwermütigen Lieder könnten zweifellos auch aus der Feder von GISBERT ZU KNYPHAUSEN stammen. Zu „Hand aufs Herz“ und „Sag’ mir Bescheid“ darf aber durchaus auch getanzt werden! Ein Titel wie „Tanzen gehen“ lässt zunächst vermuten, dass wir es hier ebenfalls mit einen Dancefloorfiller zu tun haben, aber weit gefehlt: PATRICK RICHARDT frönt hier mit wohligen Melodien und einem Hauch Melancholie einer Lebensfreude, die manchmal erst mit Umwegen ins flackernde Discolicht findet. „König Alkohol“ hat bei dem blonden Barden eine beschwingte Hymne erhalten und das „Panikherz“ holpert ganz schön zwischen wilden Gitarren und Lo-Fi-Verzerrern, um im Anschluss mit „ Wie weit“ erneut in ruhigere Gefilde zurückzufinden. „Alte Dame, weite Welt“ ist ein schwungvoller Feelgood-Song mit dezentem Gebläse und der Erkenntnis, dass das Leben doch sehr schön ist. Mit dem finalen „In leiser Hoffnung“ setzt Patrick dann einen düsteren Schlusspunkt, der melancholisch-schön daran erinnert, dass es eben auch dunkle Stunden gibt.

Ja, PATRICK RICHARDT muss sich auch bei seiner zweiten Platte den Vergleich mit GISBERT ZU KNYPHAUSEN gefallen lassen. Dafür ähneln sich die Stimmen der beiden einfach zu sehr und auch stilistisch sind sie bisweilen recht nah beieinander. Das macht aber nichts, da der Kollege Richardt sehr wohl über eine eigene Handschrift verfügt und sich mit seinen 14 Liedern keineswegs verstecken muss. Deshalb ist „Soll die Zeit doch vergehen“ auch viel mehr als ein Lückenfüller bis man von dem adeligen Winzerssohn etwas Neues hört, sondern das absolut hörenswertes Album eines begabten Musikers, der mit viel Herzblut bei der Sache ist.

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