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PAUL MCCARTNEY - Ram (Remastered 2012) (2-CD)

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Artist PAUL MCCARTNEY
Title Ram (Remastered 2012) (2-CD)
Homepage PAUL MCCARTNEY
Label UNIVERSAL
Leserbewertung
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10.0/10 (3 Bewertungen)

Als „Ram“ 1971 erschien, sprach der amerikanische Rolling Stone in seiner Kritik vom „Tiefpunkt im Zerfall der Rockmusik“. Das lässt Schlimmes erwarten, aber mit rund dreißig Jahren Abstand betrachtet, macht sich „Ram“ in seiner remasterten Fassung tatsächlich gar nicht mal so schlecht.

Schön, der Einstieg ist ein bisschen unvermittelt, wenn MCCARTNEY nach ein paar harmlosen Gitarrenakkorden in aggressivem Falsett loslegt. Und über die Substanz von Texten über dreibeinige Hunde ließe sich vielleicht auch streiten. Aber im Vergleich zu seinem ersten Soloalbum wartet der Nachfolger, der explizit als Gemeinschaftswerk von Paul und Gattin Linda ausgewiesen wurde, mit deutlich besseren Songs auf, die stilistisch von akustischem Folkblues bis zu Glamrock reichen. „Ram On“ zeichnet sich durch eine dieser traumwandlerischen Melodien aus, für die MCCARTNEY schon immer ein besonderes Händchen hatte, und die Umsetzung als verspielte Nummer irgendwo zwischen Folk und Music-Hall ist ein gewagtes Experiment, das aus heutiger Sicht durchaus aufgeht. Und „Dear Boy“ knüpft tatsächlich ein wenig an die „Sgt. Pepper“-Ideen an, hat aber vor allem wie auch „The Back Seat Of My Car“ einen großartig verschachtelten Harmoniegesang, der schon ein wenig das vorwegnimmt, was QUEEN ein paar Jahre später mit „Bohemian Rhapsody“ perfektionierten. Was MACCA geraucht haben mag, um sich in „Monkberry Moon Delight“ Gedanken über die Geräusche von Tomaten zu machen, wird wohl sein Geheimnis bleiben, aber seine dreckigen Vocals sind ebenso humorig wie gelungen, wenngleich das Endlos-Coda am Schluss ein bisschen langweilig geraten ist. Überflüssiges gibt es auch. Der Glamrock von „Smile Away“ geht leider mehr in Richtung RUBETTES als T. REX, was man heutzutage mit leicht nostalgischer Verklärung allerdings vermutlich besser ertragen kann als Anfang der Siebziger. Aber die Kritiker damals hatten schon recht damit, dass PAUL die Liebe zu LINDA zu ein paar eher peinlichen Liebeserklärungen wie „Long-Haired Lady“ verleitete – ein Song, der übrigens auch noch einmal unter Beweis stellt, dass LINDA selbst als Sängerin wirklich keine Granate war.

Wie schon die vorangegangenen Reissues dieser Reihe kommt auch „Ram“ in einem schön gemachten, plastikfreien Digipak mit schönem Foto-Booklet daher und wird ergänzt um eine Bonus-CD, auf der sich neben dem bekannten „Another Day“ noch eine Reihe von Outtakes finden, über deren Ursprung das besagte Booklet leider wenig verrät, und die musikalisch allenfalls für den Ultrafan genießbar sind. Beim Gesang von „Oh Woman, Oh Why“ kann man nur hoffen, dass er nicht ernst gemeint war, „Hey Diddle“ klingt genauso, wie der Titel schon vermuten lässt, und „Rode All Night“ wäre mit ein bisschen Produktion, anständiger Gitarre und ordentlichem Schlagzeug vielleicht was geworden, holpert so aber über acht Minuten lang auf Schülerbandniveau vor sich hin. Aber trotzdem: Das Originalalbum zeigt viel mehr von MCCARTNEYs Qualitäten als musikalischer Visionär, als die Schreiberzunft bei seinem Erscheinen erkennen wollte, auch wenn die Songs nicht von gleich bleibend guter Qualität sind. „Ram“ ist besser als sein Ruf und bietet offenen Ohren einiges zum Entdecken.

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