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PEARL JAM - Backspacer

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Artist PEARL JAM
Title Backspacer
Homepage PEARL JAM
Label ISLAND/ UNIVERSAL
Leserbewertung
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9.7/10 (3 Bewertungen)

Teil eines großen Hypes gewesen zu sein, macht es einer Band nicht einfach. Man hat Fans mit nahezu überdimensionalen Erwartungen, und einen lebenslangen Stempel bekommt man auch gleich aufgedrückt. Nun ist die Grunge-Ära mittlerweile ja schon längst vorbei. Was macht man dann als eine ihrer meistgefeierten Bands? Im Falle von PEARL JAM ist die Antwort recht einfach: Man entwickelt sich weiter.

Zunächst wurden die kultigen Jungs relativ politisch und taten ihre Meinung schon während des Wahlkampfes Bush gegen Kerry zugunsten der Demokraten laut kund. Dass sie etwas zu sagen hatten, merkte man auch schon an Kooperationen mit Künstlern wie NEIL YOUNG. Weniger auf dem Herzen haben PEARL JAM jetzt auch nicht. Allerdings kommt das neue Werk „Backspacer“ unerwartet leicht und unkompliziert daher. Auf gewisse Art und Weise haben PEARL JAM ihre eigene Dynamik neu erfunden. Zwar merkt man ihnen die mittlerweile 18 Jahre Album-Erfahrung an: Sie gehören längst in die Reihen der Ikonen, der alten Hasen. Wie der bereits erwähnte NEIL YOUNG schaffen sie es, zwischen Alternative und Kommerztauglichkeit zu balancieren, ohne sich dabei von Irgendjemandem festlegen zu lassen. Aber ebenso schaffen sie es, mit einer Sensibilität wie man sie eher vom „Boss“ SPRINGSTEEN kennt, ruhige Songs zu schreiben, die Herz und Seele berühren, aber den Kitsch nicht einmal mit der Wurstzange anfassen. Gute Beispiele dafür: „Just Breathe“ und „Unthought Known“. Wobei wir schon beim Thema Kontrast wären: Denn „Backspacer“ klingt unerwartet direkt, geradlinig und knackig, vor allem aber überraschend unverlebt. PEARL JAM überzeugen mit einer Energie, wie man sie von „alten Hasen“ kaum erwartet. Die Musik ist vielleicht etwas gesetzter, gleichzeitig ist aber auch mehr Rock & Roll und Punk drin, als man glauben mag. Bereits der Opener „Gonna See My Friend“ bläst einem ganz gut Wind um die Ohren, altmodisch und ohne verschnörkelte Effekte. „Supersonic“ hingegen zeigt, dass sich die Seattle-Ikonen mit weitaus mehr beschäftigt haben als nur mit Grunge. Da ist schon fast eine Spur bluesige Schmuddeligkeit, gepaart mit viel Hoffnung, neuem Mut, Tempo und guter Laune.

So kontrastreich „Backspacer“ sein mag: Es ist eine sehr harmonische Scheibe geworden, die vollkommen in sich ruht. Mein Fazit also: Wer hören will, wie eine einst gehypte Band das drölfste Best Of-Album zu Geld macht, der sollte sich einfach gleich die alten Werke kaufen, die sind auch heute noch hörenswert. Sollte man allerdings Lust auf interessante Musiker haben, und willig sein, zu sehen, was passiert, wenn der Hype vorbei und der politische Nemesis aus dem Amt sind, der ist mit dieser Platte bestens bedient.

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