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PETER CORETTO + VERSTÄRKER - Bandentreffen

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Artist PETER CORETTO + VERSTÄRKER
Title Bandentreffen
Homepage PETER CORETTO + VERSTÄRKER
Label MILCHMANN RECORDS
Leserbewertung
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5.5/10 (2 Bewertungen)

Da produzieren zwei Bands ein Splitwerk und nennen das „Bandentreffen“. Klasse Titel, drohen mir doch täglich meine beiden Furzknoten, wenn ich als Erziehungsberechtigte mal wieder versagt habe: „Du darfst nicht in unserer Bande mitmachen!“. Das hat was von „Wir-gegen-den-Rest-der-Welt“ und ist mir vorbehaltlos sympathisch. Das Ergebnis vom Bandentreffen PETER CORETTO und VERSTÄRKER bekommt man gleichzeitig auf Vinyl und CD dargeboten. Los geht es mit 5 Stücken von PETER CORETTO, den es in persona wohl gar nicht gibt. Da wären nur zwei Mal Alexander (der eine Gitarre, der andere Schlagzeug), Christoph am Bass, Tim an der Gitarre und Sänger Marco. Das Quintett aus München spielt, so sagen sie selbst, deutschsprachigen Gitarren Trash-Pop als da wäre z.B. der Opener „Alle mit sich in den Abgrund ziehen“: Emotionen, in wenige Schlagwörter gepresst und mehr rausgerotzt und geschrieen, denn gesungen. Skurril-charmante Großstadtlyrik wie auch LEE BUDDAH sie drauf hat, zwischendurch dann Sätze wie ein Manifest. Highlight sicher das „Waffen für Nimmerland“, keine Plattitüden, keine Polemik, stattdessen entwaffnend spontaner Realismus.

Danach schließen sich dann die noisigen Soundfrickeleien von VERSTÄRKER (ebenfalls fünf Jungs aus München) an, die auf die Namen „Naurog“ und „Mogwaii Downer Syndrom“ hören und da lässt sich nun partout gar nichts in irgendeine Kiste stecken, auch hier trifft es die eigen-gewählte Bezeichnung „Indie-Klangräume“ am besten. „Naurog“ hat von mittelalterlich anmutenden Tanztakten über eine eingängige Gesangslinie bis zu wildestem Knöpfchengedrehe alles an Bord. „Mogwaii downer syndrom“ ein experimentelles Instrumentalstück in 4 Teilen beginnt mit Blubbern und Fiepen, als wäre man noch auf der Suche nach dem richtigen Radiosender, um sich ab dem zweiten Akt mit sanften Gitarrenklängen zu erden. Musik wie die Taxifahrt durch eine Großstadt morgens um vier, wenn der Pulsschlag des Molochs für einen Moment zur Ruhe kommt. Leuchtreklamen ziehen vorbei, vermischen sich mit dem eigenen Kopfkino. Alles gleitet dahin, je schwerer die Glieder werden, desto leichter werden die Gedanken. Zwischendurch holt einen ein Martinshorn wieder ins Hier und Jetzt, doch gleich darauf will man sich wieder dem Schwebezustand zwischen Wirklichkeit und Traum hingeben. Leise lullt einen das Piano ein, unaufdringlich arbeiten sich die Drums von einem kleinen Höhepunkt zum nächsten und mit etwas Glück hat man zwischen zwei Herzschlägen den Frieden mit sich und der Welt gefunden.

So unterschiedlich die Musik auch klingt, eins haben beide Projekte gemeinsam: Sie sind eigenwillig, eigenständig und kompromisslos. Wer den Jungs mit mehr Chart- und Umsatztauglichkeit kommt, wird eine selbstbewusste Antwort hören: „Du darfst nicht in unserer Bande mitmachen!“ Wie ich das finde, habe ich ja schon gleich am Anfang gesagt: Vorbehaltlos sympathisch!

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