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PETER HEPPNER - Solo

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Artist PETER HEPPNER
Title Solo
Homepage PETER HEPPNER
Label WARNER
Leserbewertung
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7.6/10 (14 Bewertungen)

Peter Heppner mit JOACHIM WITT, Peter Heppner mit SCHILLER, Peter Heppner mit PAUL VAN DYK, Peter Heppner mit Markus Reinhardt als WOLFSHEIM und hinten raus kommen immer Chartplatzierungen, Gold- und Platinauszeichnungen, nicht zu vergessen zwei Echos. Und nun also mal eine von Deutschlands charismatischsten Stimmen „Solo“ – so treffend wie einfallslos auch der Albumtitel. Da schaut WOLFSHEIM-Kollege Reinhardt offensichtlich etwas dumm aus der Wäsche und Textzeilen aus der ersten Single „Alleinesein“ („Heute wird nur das passieren was ich sag’… Heute gibt’s mal ausnahmsweise keinen Kompromiss“) lassen möglicherweise eine ganz eigene Interpretation zu.

Doch die Rechnung geht für meinen Geschmack nicht auf, der erste Hördurchlauf lässt mich enttäuscht und etwas ratlos zurück. Ich hatte mehr Dynamik, mehr Abwechslung, auf jeden Fall auch wenigstens EINEN großen Über-Hit erwartet. Natürlich meckere ich hier auf hohem Niveau. Die Lyrik, mal auf englisch, mal auf deutsch vorgetragen, bietet überwiegend gewohnte Qualität (trotz sehr spontaner Herangehensweise beim Texten) und Heppners Stimme ist sowieso über jede Kritik erhaben. Doch etliche der 10 gebotenen Titel (der Standardausführung, die zur Rezi vorlag) im opulenten Synthiepopsound rauschen konturlos am Ohr vorbei und schaffen nur in Summe das warme Gefühl von drei Glas gutem Rotwein und sanfter Kopfmassage. Nachdem ich der Scheibe Zeit zum Wachsen gelassen habe, gehen „Vorbei“ und „Das geht vorbei…“ sowie „Walter“ für mich als am eindringlichsten und mit den schönsten Hooklines versehen und somit als Favoriten hervor. Vielleicht geht es gerade hier um Dinge, die Herrn Heppner selbst bewegen? Im Fall von „Walter“ auf jeden Fall, verarbeitet er damit doch die Erinnerung an einen guten, viel zu früh verstorbenen Freund.

So komme ich im Ergebnis für mich nur auf ein durchschnittliches Album. Zu viel um Längen Besseres sind wir einfach von Herrn Heppner in all seinen Kollaborationen gewohnt, als das mich dieses oftmals etwas uninspiriert erscheinende, über längere Strecken belanglose Album in große Euphorie verfallen lässt. Zu schön war der Tiefgang mit „Kein zurück“ oder „Die Flut“, als das man jetzt knapp unter der Oberfläche mitschwimmen möchte.

Die Limited Edition enthält zusätzlich noch Bonus Track und DVD mit einem Making Of.
CS

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So ist es doch mit den Rezis wie auch mit dem wahren Leben, die Geschmäcker sind mitunter reichlich konträr zueinander und so empfinde ich die Musik auf HEPPNERs „Solo“ als großartige Unterhaltung. Wem Unterhaltung zu banal klingt und mehr nach Berieselung im Hintergrund denn nach bewusst ausgewählter Beschallung, dem sei gesagt, beides ist möglich. Die 10 Titel auf „Solo“ stören nicht, wenn sie als Background für ein nettes Beisammensein gewählt werden, noch sind sie zu eintönig oder gar langweilig, um unisono dazustehen und das Vergnügen des Musikhörens bestreiten sollen.

Gut und da schließe ich mich meiner Vor-Rezensentin widerspruchslos an, wer „Solo“ mit der Erwartung an neue große und tanzbare Hymnen wie in der Vergangenheit in den Player legt, wird nicht auf seine Kosten kommen, denn die Scheibe ist insgesamt sehr ruhig gehalten und selbst das dynamischste Stück der CD („Alleinesein“), das man bereits seit Wochen in allen Radiosendern unseres Landes vorgespielt bekommt, lädt nicht zu ekstatischen Beinbewegungen ein, sondern eher zum Zuhören und Nachdenken. Mir sprechen jedoch viele der in den Texten ausgedrückten Gefühle und Gedanken aus der Seele! Das in Kombination mit der zerbrechlich markanten Stimme des Meisters und den sehr eingängigen Melodien im gewohnten/ unverkennbaren Stil, macht „Solo“ für mich bereits nach wenigen Hördurchgängen zu einem verlässlichen Begleiter durch kommende musikalische Momente. Brillant gewählt erscheint mir obendrein der Zeitpunkt der VÖ, denn jetzt, da uns der imaginäre Sommer des Jahres 2008 endgültig verlassen hat und der Herbst mit all seinem Unbill Einzug hält, passen die Klänge doppelt gut zu meiner Stimmung und ich denke an dunkle Regentage, schön eingekuschelt bei Kerzenschein und eben schöner warmer Musik wie der von „Solo“.

Dem geneigten Leser wird also die Kaufentscheidung durch meine Meinung nun nicht unbedingt abgenommen. Doch gegensätzliche Auffassungen regen unter anderem dazu an, dass Dritte sich noch eine weitere und eigene bilden möchten. Dazu kann ich nur ermuntern, denn im Falle der vorgestellten Scheibe lohnt es sich unbedingt, sie anzuhören.
IKA

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