| Artist | PHAL:ANGST |
| Title | Minor Tremors |
| Homepage | PHAL:ANGST |
| Label | NOISE APPEAL RECORDS |
| Leserbewertung |
Mit „Minor Tremors“ veröffentlichen PHAL:ANGST ihr sechstes Studioalbum. Die Wiener Kapelle hat sich 2006 auf der Bühne des Rhiz gegründet und dort wird es passender Weise auch ein Albumreleasekonzert geben. Wer sich in der Wiener Szene nicht auskennt: das Rhiz ist ein Laden, in dem oft elektronische Livemusik stattfindet, aber auch DJs der Wiener Eletcro-Szene legen dort auf, es finden zudem auch andere Events wie experimentelle Film- und Videovorstellungen in der Bar statt. Da sich PHAL:ANGST ebenfalls der elektronischen Musik verschrieben haben, ist der Ort des Geschehens zweifellos gut gewählt. Auch beim jüngsten Studio-Output darf die geneigte Hörerschaft sich wieder auf einen Mix aus elektronischem Industrial und analogem Post-Rock freuen – irgendwo zwischen MOGWAI, NINE INCH NAILS und GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR! beheimatet.
Fünf Tracks umfasst „Minor Tremors“ und Gute-Laune-Mucke sollte man von ph (Gesang, Harfe & Xylofon), al (Gitarre & Gesang), angst (Electronics) und Nina (seit März 2026 am Bass) besser nicht erwarten. Stattdessen gibt es Düstermucke vom Feinsten auf die Ohren. Bereits der Opener „All Will Be Grey“ zeigt eindrucksvoll, wohin die Reise geht. Analoge Post-Rock-Gitarrenriffs und Tremolos treffen auf digitale Electronica, Spoken-Word-Samples, tiefe Industrial-Drones und eine geheimnisvolle Coldwave-Melodik. Dazu gesellen sich futuristisch anmutende Progrock-Elemente, die dem Stück zusätzliche Tiefe verleihen. „In Orbit“ führt diese Stimmung konsequent weiter und entwirft eine musikalische Dystopie, die vor allem durch ihre dramatische Wirkung überzeugt. Mit „A Bug, Not a Feature“ öffnet sich der Klangkosmos kurz für einen Hoffnungsschimmer. Hypnotische Ambientflächen bestimmen zunächst das Geschehen, bevor die Komposition zunehmend an Dynamik gewinnt. Der Titelsong „Minor Tremors“ setzt anschließend stärker auf Spoken Words und schleppende, rhythmisch prägnante Industrial-Strukturen. „Gravity of Two“ beschließt das Album schließlich mit einer Vielzahl elektronischer Details und sorgt damit für einen abwechslungsreichen, wenn auch keineswegs versöhnlichen Ausklang.
Dass eine Band wie PHAL:ANGST in Wien beheimatet ist, wirkt beinahe folgerichtig. Die Stadt besitzt schließlich selbst eine gewisse Affinität zum Morbiden, Abgründigen und Experimentellen. Mit „Minor Tremors“ machen die Wiener diesen Hang einmal mehr hörbar. Das Album ist dunkel, schwer und stellenweise beklemmend – aber keineswegs destruktiv. Denn trotz aller Düsternis entwickelt die Musik eine eigentümlich faszinierende Sogwirkung. „Minor Tremors“ lädt weniger zum Untergang als zum Abtauchen ein: in einen intensiven Parallelkosmos aus Elektronik, Industrial, Post-Rock und atmosphärischen Klanglandschaften. Einen Ort, an dem die Außenwelt für knapp 40 Minuten in den Hintergrund rückt und reichlich Raum bleibt, den eigenen Gedanken nachzuspüren.

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