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PHILM - Fire from the Evening Sun

VN:F [1.9.22_1171]
Artist PHILM
Title Fire from the Evening Sun
Homepage PHILM
Label UDR/ RYKODISC/ WARNER
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
9.0/10 (1 Bewertungen)

DAVE LOMBARDO auf Schlingerkurs zwischen den Stilen: Wer in dieses prominent besetzte Taxi eingestiegen ist und sich auf eine rohe und schnelle Thrash-Metal-Abfahrt eingestellt hat, stößt sich wahrscheinlich in der ersten Runde ein paar Mal gehörig den Schädel an der Eigenwilligkeit des Fahrers. Der „Godfather of Doublebass“ hat auf dem zweiten Album seines Projekts wieder einen wahren Höllentrip zusammengestellt, der erst mal verdaut werden muss. Dabei hat er nicht unbedingt an Härte, sondern an Sperrigkeit und Variabilität nochmal einen drauf gelegt.

Wie ein Befreiungsschlag aus der altbekannten SLAYER-Welt eröffnet sich LOMNARDO mit „Fire from the Evening Sun“ einen ganzen Kosmos aus progressiven Noiserock-Alternativwegen mit vertrackten Rhythmen und komplizierten Abzweigungen. Gemeinsam mit Gerry Nestler (CIVIL DEFIANCE) und Pancho Tomaselli (WAR) groovt und peitscht und hallt es an jeder Ecke unterschiedlich. LOMBARDO sieht das Album als Resultat der gegenwärtigen Verfassung der Projektmitglieder: „“I believe this album has a daring, callous temperament about it that really sums up our mindset right now. No improvising, no fluff. It’s heavy and in your face from start to finish!” Weniger spontan und wesentlich ausgefeilter als noch auf “Harmonic” präsentiert das Trio seine Interpretation von harter Rockmusik. Von der skizzenhaften Rohheit des Vorgängers ist kaum noch etwas übrig geblieben. Alles wirkt zu jeder Zeit perfekt austariert.

Konkret bedeutet das 52 Minuten atemberaubende Minuten durch zwölf zum Teil geradezu bösartig wuchernde Soundlandschaften, die ihr Erscheinungsbild mehrfach wechseln: düster, doomig, gleißend hell, psychedelisch langsam und knackig schnell. Dabei behält selbst die abschließende Klavierballade „Corner Girl“ zu jeder Zeit eine unberechenbare Gefährlichkeit. Man erwartet, dass einem jeden Augenblick die Metalwalze aus irgendeinem Hinterhalt in den Nacken springt und das Genick bricht. Das Finale Furioso kommt dann auch schließlich erwartet unerwartet in Form von Trompeten und Bongotrommeln. Das Kreieren von Atmosphären spielt eine ganz entscheidende Rolle auf „Fire from the Evening Sun“ und trägt Album Nummer zwei noch einmal ein ganzes Stück höher als das Debüt. Haben sich die Synapsen nämlich erst einmal auf den Stop-and-Go-Flow des Albums eingestellt, tritt auch unmittelbar ein Suchteffekt ein. Erleichtert wird der Einstieg durch spontan mitreißende Riffpassagen, die den Hörer immer wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurückholen. „Fanboy“ liegt hier wohl am nächsten am Sound von Lombardos Ursprungsband und sei als Einstieg empfohlen.

Album Nummer drei wird momentan bereits zusammengeschweißt. LOMBARDO kündigt bereits jetzt an, dass er noch Schwergewichtigeres auf Lager hat und PHILM ein weiteres Mal in komplett neue Richtungen aufbrechen werden. Nichts anderes war zu erwarten gewesen.

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