| Artist | PICASTRO |
| Title | You |
| Homepage | PICASTRO |
| Label | EIGENPRODUKTION |
| Leserbewertung |
Wenn es draußen kalt ist, kann das schon merkwürdige Einflüsse auf die Musik haben. Das gilt für ganz Skandinavien, für Russland erst recht und auf der anderen Seite der Welt sieht es nicht anders aus. So benennen PICASTRO aus Toronto beispielsweise russische Folklore, Field Recordings, griechische Rembetika, FACES und BLACK SABBATH als Einflüsse für ihre Musik. Hören tut man davon jedoch nichts.
Stattdessen bastelt die kanadische Indie Rock Band um Sängerin Liz Hysen ihren ganz eigenen starken Soundscape-Cocktail aus säuselndem, hypnotischem, verstörendem (um nur einige Facetten zu nennen) Gesang, viel Akustikgitarre (die häufig an Neofolk erinnert), Streichern und einer enormen Bandbreite an Dissonanzen. Wenn ich hier also von Indie Rock schreibe, dann ist das sehr fragmentarisch gemeint und verdient ein riesengroß geschriebenes „experimentell“ davor. PICASTRO machen das schon seit 1998 so und haben es bisher auf sechs Alben gebracht (darunter eine Split mit dem Drone-Projekt NADJA). Man kann also sagen (und hört es auch), dass sie ihre Musik beherrschen, und jeder scheinbar schräge Ton punktgenau sitzt. Denn am Ende bieten die insgesamt zehn Stücke von „You“ ein unglaublich harmonisch unharmonisches Kunstwerk aus zarten Balladen und kraftvollen Ausbrüchen, während bei den meisten anderen Experimental-Musikern am Ende nur Schrott rauskommt.
Leicht Kost zum Einschlafen oder Nebenbeihören sind PICASTRO keinesfalls. Stattdessen sollte man sich auf „You“ einlassen und den musikalischen Visionen der Kanadier Zeit zum entfalten geben und das tut die Musik mit jedem Hören mehr. Polarisieren werden PICASTRO auf jeden Fall. Aber wie sagte Arnold Schönberg so schön: „Wenn es Kunst ist, ist es nicht für alle. Wenn es für alle ist, ist es keine Kunst.“ Und PICASTRO ist große Kunst, vielleicht auch erst auf den zweiten Blick. Aber das sind NURSE WITH WOUND auch, die mir die ganze Zeit schon im Kopf schwirren… und vielleicht die heimliche Inspiration der Band sind.
„You“ erscheint in Eigenproduktion auf CD, Vinyl und der guten alten Kassette. Alle Medien sind sehr schick gestaltet und mit viel Handarbeit versehen. Wer es mit starren Strukturen in der Musik nicht ernst nimmt, sollte dieses Album in seiner Sammlung haben.

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