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PILORI - Until The Day Dawn

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Artist PILORI
Title Until The Day Dawn
Homepage PILORI
Label TRISOL
Leserbewertung
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3.5/10 (2 Bewertungen)

Es gibt eine ganz spezielle Art von Bands, die man in so ziemlich jeder erdenklichen Sparte der Musikwelt wiederfindet. Bands, die einfach „da“ sind, über Jahre hinweg CDs veröffentlichen und trotzdem immer knapp am großen öffentlichen Interesse vorbeischrammen, ohne es jedoch zu schaffen, sich als Liebhaber-Objekt nerdiger Musikfetischisten zu etablieren.

Auch wenn sich heute nahezu der klägliche Rest der weiterverwertbaren Neofolk-Landschaft genau so darstellt – Vorreiter dieses Trends waren PILORI. Es geschah meist unvorbereitet, man ging auf irgendein Konzert, war angesichts Auslage der anwesenden Plattenhändler etwas unentschlossen und just in diesem Moment taucht ein Freund und/ oder Bekannter auf, der einem die jeweils aktuelle PILORI in die Hand drückt, sagt „die ist echt nett und besser als die letzte“ und schon hat man eine weitere PILORI-CD im Schrank. Immer und immer wieder dieselben Abläufe: Man hoffte darauf, dass endlich mal so etwas wie ein „kleiner Hit“ unter den vielen Nummern ist, der für sich selbst steht. Doch PILORI machten einem immer wieder aufs Neue einen Strich durch die Rechnung, immer wieder tauchten neue Möglichkeiten auf, zumindest konzeptionell geniale Songs in Richtung Mittelklasse zurückzudreschen.

Ähnlich geraten ist nun auch „Until The Day Dawn“, das nett ist und sicherlich wieder einmal besser als das letzte Album, mit dem Unterschied, dass es sich hierbei um DAS letzte Album handelt. Ein finales „Adieu“, welches wieder so viele Chancen ungenutzt lässt. Nicht nur über ihren Langzeit-Kumpel Tony Wakeford, sondern auch durch die eigene Musik kann man PILORI ein bisschen in Richtung dessen rücken, was man gerne als „World-Serpent-Sound“ innerhalb des Neofolk-Genres bezeichnet. Hin und wieder fühlt man sich aber auch an IN MY ROSARY (z.b. „Love’s Labour’s Lost“) oder OSTARA („The Iconoclast“) erinnert. Parallelen zu aktuelleren Bands wie TONAL Y NAGUAL lassen sich aber ebenfalls nicht abstreiten. Die Produktion ist gewohnt gut geraten, die Stimme von Marion Musch an den nötigen Stellen gelegentlich (nicht immer) leider etwas zu dünn, das Artwork ist ok, das Englisch immer noch ein wenig zu „deutsch“ aber eher zweckdienlich als tragendes Element. Die andere Seite von „Until The Day Dawn“ sind virtuos gespielte Instrumente und all jene guten Songideen, die leider nie konsequent durchgezogen werden.

Wer jetzt denkt, dass ich PILORI nicht mögen oder „Until The Day Dawn“ mies finden würde, der irrt. Ich betrauere höchstens den Umstand, dass zu einem großen, knalligen Abgang von der Bühne an vielen Stellen nur ein klein wenig gefehlt hat. Im direkten Vergleich mit bis zum Erbrechen gehypten Bands wie :GOLGATHA:, deren mit Vorschusslorbeeren bedachtes, aber letztendlich völlig enttäuschendes „Tales Of Transgressions & Sacrifice“ als wohl größter Fehlgriff in die Geschichte meiner Plattensammlung einging, spielen PILORI in einer völlig anderen Liga. Und um auf Herrn Wakeford zurückzukommen: „Until The Day Dawn“ steckt auch dessen jüngere Ergüsse (einmal von THE TRIPLE TREE abgesehen) absolut in den Schatten. Auch „15“, der letzte Streich von IN MY ROSARY wirkt im Vergleich etwas blass.

„Until The Day Dawn“ ist also alles andere als ein schlechtes Album, sondern ganz im Gegenteil gute Kost, die sich leider selbst im Weg zu etwas wirklich Großem im Weg steht. Immer wenn das Tempo hochgeht, alles zu stimmen scheint, stellen sich PILORI selbst ein Bein. Aber gerade dafür mag ich sie, stelle „Until The Day Dawn“ neben die anderen Veröffentlichungen. Schade, dass die deutsche Neofolk-Szene um eine kleine, leider oft unbemerkte Band ärmer wird und immer mehr Pappnasen das Bild prägen.

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