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PLACEBO - Battle for the Sun

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Artist PLACEBO
Title Battle for the Sun
Homepage PLACEBO
Label PIAS
Leserbewertung
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9.5/10 (6 Bewertungen)

Vorab wurde in den einschlägigen Kanälen gemutmasst, das neue (sechste) PLACEBO-Album würde deutlich weniger melancholisch klingen als seine Vorgänger. Wenn ich mir nun Brian Molkos neue Frisur zu Gemüte führe, die an eine Mischung aus Dave Gahan und Ville Valo erinnert, werde ich doch ziemlich melancholisch… Man verzeihe mir diesen humoresken Einstieg mangels intellektueller Alternativen.

Kurz das Wichtigste, ohne das keine Rezi zu „Battle for the Sun“ auskommen wird. Mit Steve Forrest ein neuer Schlagzeuger an Bord – jung, dynamisch und heftigst tättowiert. Als Drummer der kalifornischen Punk Formation EVALINE durfte er PLACEBO unlängst supporten, da sage noch jemand, dass sich derlei Gigs nicht lohnen. Mit PIAS ein neues Plattenlabel nach endlos vielen Jahren beim Major Virgin. Man habe sich gefühlt, wie ein kleines Rädchen in einem Multikonzern, gibt die Band auf der Bonus-DVD der Limited Edition zu Protokoll. Mit David Bottrill ein neuer Produzent, der u.a. auf Erfahrungen mit TOOL und MUSE zurückblicken kann. Zudem mit Amerika ein neuer Studiostandort: Leben im Hotel, Fokussierung auf den Aufnahmeprozess, neue Herangehensweisen etc etc. Kurzum, man sieht sich wieder als BAND nicht als BRAND wie am Ende der „Meds“-Tour. Und diese Energie macht sich auch in der durchaus positiveren Grundstimmung von „BFTS“ bemerkbar. Die 13 Songs wirken kraftvoller und „heller“ als der 2006er Output, der mit „Song to Say Goodbye“ oder „Follow the Cops back home“ einige sehr depressive Momente enthielt.

Aber natürlich sind PLACEBO immer noch PLACEBO, die Stimme markant, die Gesangslinien und der Gitarrensound unverwechselbar. Die Mischung aus Rock und Wave, aus Agressivität und Weltschmerz bleibt bestehen. Und doch ist da ein deutliches Plus an Power, der Kampf um die Sonne ist noch nicht entschieden. Da wären z.B. die angedeuteten Crew Shouts im Refrain von „Ashtray Heart“ (natürlich eine Anspielung auf eine Textzeile von „This Picture) oder die druckvollen Riffs bei „The Never-Ending Why“ (wieder ein schöner Titel für die Poesiealben der weiblichen Molko-Fans). Dieser Song ist übrigens auch mein persönlicher Favorit auf einer Scheibe, die durchweg gutes bis hohes Niveau bietet, aber der ganz großen Highlights entbehrt. Aber sie wächst bei jedem Durchlauf und viele Details wie beispielsweise der Einsatz von Bläsern oder ein Uralt Drumcomputer zu Beginn von „Julien“ werden positiv zur Kenntnis genommen. Interessant in diesem Zusammenhang ist die wirklich unterhaltsame Studiodoku, die einen immerhin 40 minütigen Einblick in die Arbeitsweise gewährt und beispielsweise preisgibt, dass man sich von WHAM habe inspirieren lassen…

PLACEBO haben sich nicht neu erfunden, aber definitiv ihren Akku aufgeladen und mit dem neuen Mann an der Schiessbude (und der neuen Frisur…) dürften live auch ältere Songs einen deutlich härteren Groove erfahren. Die dunkle Seite der Sonne kann so unterhaltsam sein…

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