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PLACEBO - Never Let Me Go

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Artist PLACEBO
Title Never Let Me Go
Homepage PLACEBO
Label SO RECORDINGS
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PLACEBO melden sich neun Jahre nach dem letzten Studio-Output, dem vergoldeten „Loud Like Love“ mit einem neuen Album zurück! „Never Let Me Go“ heißt der Silberling, der gute Chancen hat, sich nahtlos in die Erfolgsgeschichte der Alternative-Indie-Rocker einzureihen, die 1996 mit dem selbstbetitelten Debüt begann. PLACEBO, das sind der charismatisch-exzentrische Fronter Brian Molko (Gesang, Gitarre & Tasten) und als zweites Gründungsmitglied der Bassist, Gitarrist und Keyboarder Stefan Olsdal. Der Platz hinter der Schießbude ist bei der britischen Kapelle so etwas wie der Schleudersitz der Combo und so haben bereits mehrere Musiker die PLACEBO-Felle bearbeitet. Seit 2015 fungiert Matt Lunn als Live Drummer und auch bei den Aufnahmen zu „Never Let Me Go“ war er neben dem Kollegen Pietro Garrone (HUSKY LOOPS – UK-Support 2017) mit von der Partie. Außerdem mit am Start: Cody Jet Molko, Brians 16-jährige Sohn.

Der singt die Background Vocals beim temperamentvollen „Try Better Next Day“, das sich damit beschäftigt, wie wir unseren Planeten sehenden Auges zerstören und da passt es natürlich ganz hervorragend, auch einem jungen Menschen eine Stimme zu geben. Ob der Filius allerdings die spezielle Gesangsfarbe seines Vaters geerbt hat, lässt sich nicht sagen, da dessen Organ nicht deutlich genug rauszuhören ist. So treibend diese Nummer ist, so energiegeladen startet die Langrille auch mit dem scheppernden „Forever Chemicals“, für dessen Opening Mr. Molko auf seinem iPad einen verzerrten Harfen-Loop kreierte. Die erste Vorab-Single „Beautiful James“ bringt alle beliebten PLACEBO-Skills mit und auch das nachfolgende „Hugz“ frisst sich mit viel Power durch die Gehörgänge. Auffallend ist das ausgewogene Gleichgewicht zwischen Gitarren und Synthies, denn die Tasteninstrumente sind heuer prominent vertreten, allerdings ohne den Saiteninstrumenten die Show zu stehlen (vgl. das an VISAGE erinnernde „Sad White Reggae“ und das flirrende „Chemtrails“). Mit „Happy Birthday In The Sky“ lassen es die begnadeten Songwriter und Soundtüftler ein wenig ruhiger, aber nicht weniger packend angehen und auch die zweite Auskopplung „Surrounded By Spies“ nimmt mit geheimnisvollen Rhythmen direkt gefangen. Derweil empfangen Streicher den geneigten Hörer bei „The Progidal“, während „Twin Demons“ von Schlagzeug und Gitarre getrieben nach vorn drängt. Zurückhaltender und dadurch umso intimer präsentiert sich die eindringliche Piano-Nummer „This Is What You Wanted“, ehe das nicht minder emotionale „Went Missing“ zum gesprochenen Wort greift und „Fix Yourself“ auf kolossale Art und Weise ins Hirn kriecht.

Chapeau die Herren! Mit „Never Let Me Go“ präsentieren sich PLACEBO auf der Höhe ihres Schaffens! War die Fünf-Jahres-Tour, die vom 2013er Longplayer „Loud Like Love“ bis zur Greatest-Hits-Tour 2018 ging, nach eigenem Bekunden für alle Beteiligten zermürbend, haben sich Molko und Olsdal zwischenzeitlich ganz offensichtlich regeneriert und zeigen sich musikalisch wunderbar abwechslungsreich und inhaltlich von einer wütenden Relevanz. Aus der Pandemie heraus blicken sie auf eine Landschaft der Intoleranz, der Spaltung, der technischen Übersättigung und der drohenden Öko-Katastrophe. Dabei waren zu Beginn des ersten Lockdowns schon 85% fertiggestellt und die Veröffentlichung des achten Streiches eigentlich für den Sommer 2020 vorgesehen. Stattdessen beschloss man, das vorliegende Album in Stefs Homestudio nochmals zu überarbeiten. Brian war mit einigen seiner Texte unzufrieden und schrieb die Lyrics für drei Songs sogar komplett neu. Nun weiß ich nicht, was uns ohne diese Nachjustierungen erwartet hätte, an dem, was jetzt das Licht der Plattenläden erblickt hat, gibt es jedenfalls nichts auszusetzen. Und im Herbst wollen PLACEBO auch wieder auf Tour gehen!

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