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PLASTIC NOISE EXPERIENCE - Reiz und Reaktion

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Artist PLASTIC NOISE EXPERIENCE
Title Reiz und Reaktion
Homepage PLASTIC NOISE EXPERIENCE
Label ALFA MATRIX
Leserbewertung
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7.3/10 (4 Bewertungen)

Als kleiner Fratz von 18 Jahren sah ich PNE das allererste Mal in Bielefeld bei einem Festival, ich mochte die Musik natürlich, aber es war nicht meine bevorzugte Band des Abends. Und dann kam Claus Kruse auf die Bühne und meine Welt änderte sich schlagartig, denn ich habe noch nie (und seitdem eigentlich auch nie mehr) so eine Präsenz eines Menschen auf der Bühne gesehen wie an diesem Abend. Ach Gott, seitdem ist ganz schön viel passiert, man ist nun älter, PNE haben seltsame Sachen veröffentlicht und Claus entdeckte seinen Hang zum deutschen Gesang. Die Rückkehr war in den 2000ern eng mit Alfa Matrix verbunden, bestand aber zum größten Teil aus eher unbedeutender/ seichter Elektromucke und beim Gesang konnte man allerhöchstens erahnen, dass es sich um die Altherren von PNE handelte.

Im Jahre 2008 erwartet man wirklich nichts mehr Besonderes, alleine schon die Titel auf der neuen CD „Reiz und Reaktion“ weisen darauf hin, dass es nur noch „deutsch“ voran geht, und meiner Meinung nach war das nie eine Stärke von PNE, wobei ich auch in diesem Bereich viele schlechtere Bands kenne. Und so dachte ich bei mir, einfach die Musik abspielen und die Daumen drücken. Die erste Überraschung war schon der Opener „Zu nah“, denn es wird mit Oldschool-EBM-Basslinien angefangen, wie ich sie früher bei dem Projekt liebte, zum ersten mal seit seeehr langer Zeit habe ich das Gefühl, die Band zu hören, die ich einst verehrte. Na ja, gut, den dreckigen und düsteren Charme von damals besitzt es nicht, der Gesang hat auch nicht mehr die Intensität, aber trotzdem kann ich diesen Track mit neuzeitlichem Charakter mehr als akzeptieren. Sehr positiv vernehme ich auch die folgenden Songs, deren Typus mit dem gleichen Grundaufbau weitermachen, zwar Synthpop-lastiger à la BEBORN BETON, aber immerhin verspüre ich den leichten Zauber der damaligen Genialität. Ab „Viel zu viel“ wird es richtig überdimensional interessant, denn seit dem ersten Album „Transmission“ habe ich nicht mehr so einen guten tanzbaren Track gehört, eine schlichte, einfache Basslinie, die sowohl den Rhythmus als auch die Melodie vorgibt, bebt vor sich hin. Nach dem Adrenalinschub lassen die folgenden Kompositionen einen auch nicht mehr los, es wirkt so, als wäre Claus endlich wieder auf den Geschmack gekommen und fröne endlich wieder dem kompromisslosen und minimalen Stil, der einen einfach mitreißt. Trotz aller Begeisterung darf man auch nicht vergessen, aus der „Trance“ aufzuwachen, denn im Gegensatz zu „Transmission“ fehlt die stimmungsvolle Atmosphäre, es wirkt zu „clean“, sowohl Sound als auch Stimme schaffen es nicht, einen in die beklemmende und düstere Welt des jungen Claus Kruse zu ziehen, auch besitzt die Musik eher den Charme einer DEMO-CD.

Somit bin ich hin und her gerissen, einerseits freue ich mich über das beste PNE Album seit 14 Jahren, aber anderseits ärgere ich mich, was man aus diesem Rohdiamanten hätte machen können. Dank der Remixe von LEAETHER STRIP, SUICIDE COMMANDO, TECHNOIR und SERPENTS kann man erahnen bzw. sogar tatsächlich hören, was man mit einer angemessenen Qualität erreichen hätte können, was sich auch sehr stark am Gesang ablesen lässt. Wie es nun letztendlich dazu kam, kann ich nicht sagen, aber ein gutgemeinter Tipp an Herrn Kruse: Bitte entdecken Sie die Möglichkeiten, der Weg ist allemal der Richtige. Wie auch immer, empfehlen kann ich das Album trotzdem, es ist auch so viel Potenzial auf diesem Album, dass das eine oder andere Lied bestimmt in einigen Tanztempeln gespielt wird.

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