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POETS OF THE FALL - Twilight Theater

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Artist POETS OF THE FALL
Title Twilight Theater
Homepage POETS OF THE FALL
Label INSOMNIAC
Leserbewertung
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7.3/10 (13 Bewertungen)

So richtig bekannt ist das poetische Sextett in Deutschland noch immer nicht. Was vielleicht auf schlecht organisiertes Überseemarketing zurückzuführen ist, oder vielleicht auch darauf, dass sie sich darum nicht all zu viele Gedanken machen. Die Rede ist von POETS OF THE FALL. In Finnland sind sie, ja ich denke man kann es schon so nennen, Superstars. Ihr drittes Album „Twilight Theater“ erreichte schon in der ersten Woche Goldstatus. Aber was ist das Geheimnis der Poeten? Im Grunde sind es drei! Markus Captain Kaarlonen (Keyboard), Ollie Tukiainen Lead-Gitarre) und Sänger Marko Saaresto. Live werden sie unterstützt von Jaakko Makinen (Gitarre), Jani Snellman (Bass) und Jaro Salminen (Drums). Ich würde Marko als grammatikalischen Künstler bezeichnen, aber dazu etwas später. POETS OF THE FALL heben sich seit dem ersten Album von anderen Bands ab, auch wenn ihre Kompositionen beim ersten Hören als Mainstream erscheinen. Aber eben nur beim ersten Hören. Das gilt nicht nur für das Debütalbum „Sings of Life“ und den Nachfolger „Carnival of Rust“, sondern eben auch und vielleicht noch mehr für das neue Werk „Twilight Theater“. Der Titel ist in unserer vampirüberfluteten Zeit vielleicht etwas unpassend gewählt. Auch der Schriftzug auf dem Cover erinnert zwangsläufig an Edward Cullen und Bella Swan, besser bekannt als das Liebespaar aus „Twilight“. Ein Vampir ziert das Cover allerdings nicht. Ein wahnsinniger (?) Harlekin soll den Käufer erheitern. Tut er irgendwie auch. Bei genauerem Hinsehen fällt dem Fan aber auf: Der Harlekin ist Herr Saaresto – wenn auch etwas… sagen wir „entstellt“. Leider! Vom Optischen aber jetzt zum Akustischen!

Als Opener haben die Poeten ihre aktuelle Single „Dreaming wide awake“ gewählt. Obwohl der Song im finnischen Radio rauf und runter dudelt, eine gute Wahl. Denn es braucht schon eine lange Zeit, bis man genug davon hat. Fängt der Song doch relativ hart an, weicht er bereits in der Strophe auf. Nicht alltägliche Gitarrenriffs umschmeicheln Saarestos Stimme auf eine Weise, wie es nur die POETS schaffen. Ja, das ist eine subjektive Meinung, aber ich überzeuge mich davon immer wieder aufs Neue. Textlich kommt man noch nicht sonderlich kompliziert um die Ecke. Saaresto schmachtet scheinbar einer verstorbenen Liebe nach. Aber seine Texte sind durchaus mannigfaltig interpretierbar. Das zeichnet Lyrics, die aus seiner meist märchenhaften Feder stammen, im Allgemeinen aus und er selbst betont dies immer wieder. Ein sehr melodischer Refrain formt den Song zu einem gelungenen Einstieg. Weiter geht es mit „War“. Einsamer Krieger auf dem Battlefield, der sich daran erinnert, warum er in den Kampf zog und dem dann auffällt, dass er nie allein war. Was Marko damit meint… ja, dass weiß niemand so genau und welcher Kampf denn überhaupt? Musikalisch ist es in jedem Fall eine Ballade. Schönes Picking in der Strophe und im Refrain unterstützt von Streichern… pure Dramatik und ziemlich ergreifend, wie ich finde. Veränderung bringt (sic) „Change“ mit sich. Schöne, ruhig getragene Melodie und Markos Stimme entführt einen auf eine emotionale Bootsfahrt. Generell sind die Akzente immer sehr gut gewählt. Aufkommende Gefühle werden durch akustische Besonderheiten unterstützt. Definitiv ein Lied zum Träumen und Gedanken fliegen lassen. Saarestos Stimme gleichmäßig und mit einem Hauch von Sehnsucht. Das Zwischenspiel von Tukiainens Gitarre lässt ein wenig irisches Flair einziehen. Schön! Wer jetzt aus dem Ausflug ins Wunderland aufwachen möchte, ist hier falsch. Die Poeten beharren auf der Reise durch ihre Welt und man kann mit „15min Flame“ höchstens ein Abenteuer erleben. Irgendwie hat man das Gefühl, als wenn man durch eine Fantasiewelt läuft und hinter jeder Ecke wartet etwas wunderliches, auf jeden Fall etwas, das man nicht erwartet hat. „Given and Denied“ macht auch keinen Unterschied. Was ich aber als sehr ansprechend empfinde. Dem einen oder anderen könnte dieser Zustand aber bald langweilig werden! Hab ich doch was zu meckern gefunden (Freude!). Aber POETS OF THE FALL sind im Grunde eine Rockband und deswegen fehlt auch der rockige Part nicht auf der Scheibe. Auch wenn man damit, im Vergleich zu den anderen beiden Alben, eher sparsam umgeht. Aber, „Dying to Live“ klingt ausgereift. Einfallsreiche Zwischenspiele und harmonische Melodie, etwas härter als bisher auch Saarestos Gesang. Bevor wir uns jetzt auf den Weg zum Ende machen und die Realität uns wieder einholt, steht noch „You are still here“ vor der Tür. Ich würde das Lied als absolutes Aushängeschild bezeichnen. Mit Rock hat es zwar so gut wie gar nichts mehr zu tun und fällt eher in den Singer/ Songwriter Bereich, aber textlich und musikalisch spiegelt es die Poetenwelt perfekt wieder. Ich denke an Mary Poppins, tanzend mit ihrem Schirm, oder an Alice im Wunderland. Einfach gnadenlos schön. (oder für die Rocker unter euch langweilig…) Es kommt auch nichts Hartes mehr auf uns zu. Das Schlusslicht bilden „Smoke and Mirrors“ und „Heal my wounds“, die sich einfach einreihen!

Ich glaube als Fazit lässt sich sagen, dass man sich auf die Herren Poeten einfach einlassen muss. Man sollte seine eigenen Gedanken und Gefühle frei und sich in die Songs fallen lassen. Zum feiern, hüpfen und kreischen ist das gewiss nichts, Aber es ist dennoch etwas Besonderes. Ich kann schlecht eine Empfehlung geben, den POETS OF THE FALL machen keine „einfache“ Musik. Wenn man sich aber von Marko und Kollegen an die Hand nehmen lässt und gerne träumt, dann kann man mit dieser Scheibe nur alles richtig machen.

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