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POISON THE WELL - Versions

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Artist POISON THE WELL
Title Versions
Homepage POISON THE WELL
Label FERRET MUSIC
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Vier Jahre hat man nichts mehr von ihnen gehört, ein neues Label stärkt den Rücken und auf dem Bandfoto sind sie nur noch zu dritt – scheinbar hat sich viel getan bei POISON THE WELL. Eines hat sich im Vergleich zum Vorgänger „You come before you“ jedoch nicht geändert, man ist wieder nach Schweden gereist, um mit Pelle Henricsson und Eskil Lovstro am Nachfolger „Versions“ zu arbeiten. Der Weggang von Bandmitgliedern hat scheinbar auch die Experimentierfreude verstärkt – „Versions“ ist nicht mehr nur straighter, wütender Emo- und Metalcore wie in der Vergangenheit. Wenn man genau hinhört, bekommt der aufmerksame Hörer hinter den gefühlt kilometerdicken Riffwänden und schwingenden Abrissbirnendrums nun auch Mandoline, Banjo und ein paar Bläser zu hören.

Früher in einem Atemzug mit CURSIVE, THE PROMISE RING oder HATEBREED genannt wenden sich POISON THE WELL jetzt immer mehr ihrem eigenen Verständnis von Prog-Hardcore zu. Zugute kommt ihnen auch der Gesang von Jeffrey Moreira, dessen Einsatz desöfteren an den von Chino Moreno (DEFTONES) erinnert. Furchtlos stellt er sich den brausenden Instrumenten entgegen und intoniert dramatische Gesangsarien, welche sowohl in melodischen Ohrschmeichlern als auch Gänsehauterzeugenden Growls enden. Wenn „The notches that create your headboard“ im wahnsinnigen Bassgrollen speedend die Kopfhörer auf Belastungsgrenze bringt und dabei noch ein filigran gniedelndes Gitarrensolo die Hochtöner zum Quäken zwingt, wird „Versions“ zum Trip – und der Advisor personifiziert sich als Shouter mit gewaltigem Potenzial. Es ist die gewaltige Intensität, mit der Moreira & Co ihre Gefühle vertonen, wütend emotional in Shoutarien und adrenalinsteigernder Core-Instrumentierung oder morbid balladesk im blutigen Banjotaumel von „Slow Good Morning“. Auch die Verbindung von beiden Stilelementen im schizophrenen „Prematurito El Baby“ schaffen Sie mehr oder weniger gelungen. Wirklich den Saft presst aber „You will not be welcomed“ aus. Theatralisch träge beginnend, prophezeien die schwer stampfenden Drums das drohende Unheil, das in Moreiras tiefgrabenden Growls endet.

Keine Frage, „Versions“ ist ein Erlebnis, welches die wachsenden Grenzen von Hardcore/ Emocore zu sprengen vermag, dementsprechend auch viel Experimentierfreude mit sich bringt. Und auf diese muss man sich als Hörer erst mal einlassen – herausfordernd sind diese 12 vertonten Gefühlstrips auf jeden Fall. Wer auf wilde Achterbahnfahrten und leere linke Autobahnspuren steht, das Licht ausmacht, um im Dunklen beim Hören der Musik durch die Wohnung zu wildern oder Russisch-Finger-Roulette mit dem Bürotacker spielt, ist bei diesem Album bestens aufgehoben. Alle anderen ebenso.

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