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POST MORTEM PHOTOGRAPHS - s/t

VN:F [1.9.22_1171]
Artist POST MORTEM PHOTOGRAPHS
Title s/t
Homepage POST MORTEM PHOTOGRAPHS
Label LA MANUFACTURE DE BRUIT
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
5.5/10 (4 Bewertungen)

Post Mortem Photographie war zu viktorianischen Zeiten etwas sehr übliches. Verstorbene Familienmitglieder wurden ein letztes Mal für ein Portrait hergerichtet, um dann entweder allein oder auch im Kreis ihrer Lieben für die Ewigkeit festgehalten zu werden. Damals half dies den Angehörigen, mit dem Tod ihrer Liebsten umzugehen, und diese Fotos waren oft direkt neben anderen Familienfotos zu sehen. Heutzutage erscheint uns dieser Brauch eher düster und morbide. Genauso düster, gespenstisch und morbide wie diese Photos wirkt auch die Formation POST MORTEM PHOTOGRAPHS. Mit besonderer Betonung auf gespenstisch.

Der Output von Stèphane F. und David Vallèe gehört definitiv zu den depressivsten und dunkelsten Werken, die ich seit langem gehört habe. Warum sie ihr Projekt und somit auch ihr Album nach einer Form des Gedenkens benannt haben, die schon längst nicht mehr praktiziert wird, kann ich nicht wirklich sagen. Aber eines wird beim Hören sehr eindeutig: Ein Verhältnis zum Tod zu haben, ist verdammt anstrengend. Und diese CD auch. Damit will ich nicht sagen dass sie nicht gut wäre: Der düstere Ambient-Sound besitzt viele ausgezeichnete Qualitäten und klingt auch wirklich beeindruckend. Fürs Erste. Nach 18 Songs aber hat sich die Musik mit all ihrer Verzweiflung, all ihrem Tod, all ihrer nagenden Eintönigkeit bereits wie ein schmerzhafter Krebs ins Hirn eingefressen und sich dort breit gemacht. Dort angekommen krallt sie sich erstmal ein paar Nervenstränge zum zerreißen. Zumindest fühlt es sich so an. POST MORTEM PHOTOGRAPHS ist zermürbend, stellt dem Hörer die Nackenhaare auf und krallt sich im Rückgrat fest. Es lässt einen wundern, ob die Geräusche von der CD kommen, oder ob man sich nebst Obst und Brot auch gleich einen Poltergeist vom Einkauf mit nach Hause gebracht hat.

Ob es wirklich die Musik allein ist, die so anstrengend ist, oder das uns anerzogene Widerstreben, mit dem wir den Tod behandeln… So oder so ist POST MORTEM PHOTOGRAPHS ein Nischenprodukt dunkelster Art. Dafür ist die Nische hübsch eingerichtet, mit Stimmen, die klingen wie aus dem Jenseits, mit diversen nur stellenweise und für den Effekt eingesetzten Instrumenten, mit Verzerrungen – und mit einem hübschen Leichenfoto der beiden musikalischen Hauptdarsteller auf der Rückseite der CD.

Zu viel Beschäftigung mit diesem Album kann zu Haare raufen, hysterischem Vor- und Zurückschaukeln sowie Paranoia führen. Aber ich steh ja bekanntlich auf so was. Also eine feine Sache!

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