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POTENTIA ANIMI - Psalm II

VN:F [1.9.22_1171]
Artist POTENTIA ANIMI
Title Psalm II
Homepage POTENTIA ANIMI
Label STAUPA MUSICA
Veröffentlichung 28.04.2006
Leserbewertung
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8.6/10 (5 Bewertungen)

„Warum toben die Heiden und murren die Völker so vergeblich? Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren halten Rat miteinander wider den HERRN und seinen Gesalbten: ‚Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!‘“ So beginnt der zweite Psalm. In „Psalm II“, dem vorliegenden Album der obskuren Formation POTENTIA ANIMI, scheint der biblische Befund auf den Kopf gestellt zu sein: Hier toben die Mönche, und kaum jemand murrt. Sie singen und tanzen lustvoll und lasterhaft mit den Heiden im Chor, die nicht im Geringsten daran denken, die Fallstricke ihrer Seele abzuschütteln… „Potentia Animi“ heißt zu deutsch „Die Kraft der Seele“. Hinter diesem Namen verbergen sich Bruder Nachtfraß (Mario Gericke: Gesang, Cister), Bruder Liebe (Titus Jany: Schlagwerk, Gesang), Bruder Schaft (Phaedro T. Fedrowitz: Sackpfeife, Harmonium, Gesang), Bruder Schlaf (Bass, Gesang) und Schnabausus Rex (Violine). Das Projekt wurde vom ehemaligen Schlagzeuger Titus Jany von THE INCHTABOKATABLES und Gericke im Jahr des Herrn 2002 aus der Taufe gehoben. Nach „Das erste Gebet“ kamen die musizierenden Mannen Gottes nun mit „Psalm II“ zum zweiten Mal mit einem Longplayer nieder, und siehe: Es ward erquicklich.

Spaß, nicht Mediävistik, ist, wonach diese Bruderschaft strebt. Die schwierige Kunst des gregorianischen Gesanges wurde hier mehr als grober Anhaltspunkt denn als unumstößliches Gebot betrachtet. Altertümliche und moderne Instrumente, eigene und traditionelle Texte, Humor und Geschichtsfledderei vereinen sich zu einer wenig intellektuellen, aber explosiven kritischen Masse. Vorab: Wer hier nach den INCHTABOKATABLES sucht, wird weitgehend eher enttäuscht werden. Zwar sind die Gitarrenparts auf heimelige Weise rockig, aber POTENTIA ANIMI hat eine ganz eigene Stimme, einen eigenen Stil, der mit der „am unaussprechlichstens“ Band der deutschen Musikgeschichte nichts zu tun hat. Nach einem Intro aus Glockenläuten startet „Psalm II“ noch vergleichsweise zaghaft mit „Ave Maria“. „Eifersucht“ wartet auf der 2 dann mit einer einprägsamen SUBWAY-TO-SALLY-ähnlichen Headline und metallischem Bang-Rhythmus auf. Allerdings mangelt es mir persönlich bis dahin in der Melodieführung. Sehr vielversprechend beginnt dagegen „Qui per mundum“, Track 3, und hält das mystisch-spannende Flair auch weitgehend aufrecht. Violinensoli machen das Stück abwechslungsreich und interessant. In eine ähnliche Kerbe schlägt „Anima et Animus“ an vierter Stelle. Aber der kindliche Background-Gesang im Refrain stößt mir etwas süßlich auf, auch wenn es ironisch gemeint sein sollte. „Manus Ferens“, Track 5, sollte eigentlich „Manus Ferens Munera“ heißen und entstammt der Carmina Burana. Man darf sich wohl etwas an TANZWUT erinnert fühlen, das Stück reizt den Tanznerv doch zeitweise erheblich. Allerdings sind die Textpassagen nicht zu einfallsreich interpretiert. Es folgt „Drei Ritter“ mit sehr starken Sackpfeifen, die hypnotisch Gefolgschaft einfordern und sich zu diesem Zweck mit den Gitarren verbrüdern. Das ebenfalls in diesem Song hörbare Geierkreischen macht das Ganze noch skurriler, oder besser: individueller, als es ohnehin schon ist.

Mit „Der verlorene Haufen“, Track 7, ist POTENTIA ANIMI allerdings nicht unbedingt ein großer Wurf gelungen; hier verliere ich schnell die Geduld. Kommt auch noch neues Material auf diesem Album? Ja, aber erst beim achten Song, dem „Bettelweib“ von Nicolaus Lenau. Wunderbar trauriges Pfeifensolo, weitgeschwungene Violinenstimme – schluchz! Und endlich, endlich ein melodiöser Refrain, durch den ganz, ganz sachte der Hit „Wer“ von den „Tables“ aus der Versenkung zu flüstern scheint. Gerade dieser Song dürfte länger als die sehr knappen 3.20 Minuten sein. Auf der 9 steht „Rouber“ mit einem Text von Victor Klemperer. Zumindest steht es so auf der CD-Hülle. Aber es scheint, als wären hier Track 9 und Track 10, „Non Major“, vertauscht worden. „Non Major“ ist saft- und kraftlos geraten. Ihm folgt aber „Rouber“, ein Stück, das seinen Vorgänger um Längen schlägt. Song 11 heißt „Ewigkeit“ und startet zart und poppig, baut gekonnt Erwartungen auf und erfüllt diese in einem leichten, mitsingbaren Refrain. Gelungen. Die Rolle des Rausschmeißers hat das elektronische „Viva la More“ übernommen. Ein zunächst irritierender Track, aber er gewinnt bei mehrmaligem Hören enorm und seine genießbare EBM-Gewandung kann sehr gute Laune produzieren.

So kann es insgesamt wegen des omnipräsenten Sprechgesangs zwar ein wenig auf den Magen schlagen, „Psalm II“ an einem Stück zu hören, ganz so, als habe man in einem schwachen Moment den ganzen Messwein alleine ausgetrunken, aber in maßvoller Dosierung ist das Album geeignet, die Geister von Feiernden, Festivalfreunden und anderen Sinnsuchern zu heben und ihre Füße im Veitstanz zucken zu lassen.

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Potentia Animi 'Psalm II' Tracklist
1. Intro [From "Psalm II"]
2. Ave Maria
3. Eifersucht
4. Qui Per Mundum
5. Anima Et Anismus
6. Manus Ferens
7. Drei Reiter
8. Der Verlorene Haufen
9. Bettelweib
10. Räuber
11. Non Major
12. Ewigkeit
13. Viva La More
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