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POWDER FOR PIGEONS - s/t

VN:F [1.9.22_1171]
Artist POWDER FOR PIGEONS
Title s/t
Homepage POWDER FOR PIGEONS
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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8.5/10 (4 Bewertungen)

Das australisch-deutsche Duo POWDER FOR PIGEONS, bestehend aus Meike Hindemith (Schlagzeug) und Rhys Jones (Gesang & Gitarre), erweist sich als äußerst fleißig. Erst im Jahr 2012 im westaustralischen Outback gegründet, haben sie Anfang diesen Jahres bereits ihr zweites Album veröffentlicht. Ebenso wie beim von mir letzten Sommer an dieser Stelle bereits gebührend abgefeierten Debüt zeichnet die Band, die mittlerweile von Australien ins Ruhrgebiet übergesiedelt ist, wiederum komplett selbst für Produktion und Vertrieb verantwortlich. Echte Arbeitstiere also, die so ganz nebenbei auch noch quasi ständig europaweit touren.

Die Eigenregie hört man dem Album (im positiven Sinne) definitiv an. Die Aufnahmen klingen roh und unbehandelt (wohlgemerkt nicht dünn oder klirrend!!), wie es sich für ein 2-Piece im Stoner-/Alternative-/ Post Grunge-Metier gehört. Die musikalische Grundausrichtung ist nach wie vor die gleiche wie zuvor, will sagen, es wird direkt und schnörkellos drauf los gerockt, irgendwo in der Schnittmenge von QUEENS OF THE STONE AGE, KYUSS, FOO FIGHTERS und NIRVANA. Auffällig ist im Vergleich zum Vorgänger der dezent, aber spürbar angezogene Härtegrad der 10 knackigen Songs auf dem aktuellen Dreher. Ob hierfür das Ruhrgebiet mit seiner urbanen und im Vergleich zum fünften Kontinent eher beengenden Ausstrahlung verantwortlich ist, sei mal dahin gestellt. Fakt ist, das Martin-o-Meter, das die beiden ganz offensichtlich im Proberaum installiert haben, schlägt unablässig aus und touchiert nicht selten den roten Bereich, der auf akutes Nackenmuskeltraining hinweist. Gleich der Opener „Drive“ ist so ein Brecher, der gleich klar macht, dass es hier nichts für allzu sanftmütige Gemüter gibt. „Lost Our Way“ addiert im Anschluss den Charme der ganz jungen SILVERCHAIR, der im weiteren Verlauf des Albums häufiger auftritt, besonders in den wieder einmal sehr gelungenen Gesangsmelodien, die überwiegend etwas weniger fluffig ausfallen als beim Debüt, sondern statt dessen bissiger wirken und mit einem oftmals lakonischen Unterton aufwarten, auch wenn auch dieses Mal wieder einige leichtfüßige Hymnen wie zum Beispiel das grandiose „Hangin Round“ enthalten sind. Diese zünden ebenso gut wie die etwas Noise-lastigeren Stücke wie z.B. mein persönlicher Favorit „Egg Of Fate“ oder das ebenso grandiose „Wasted Love“, das einerseits eine gewisse Punk-Attitüde versprüht und zum anderen mit seinem dezent verschleppten Groove beinahe ein wenig an HELMET erinnert. „Tangled Web“ schließlich beschließt den knapp halbstündigen Dreher zünftig mit einem weiteren Noise-Kracher, der sich in puncto Harmonien huldvoll vor THE JESUS LIZARD verbeugt und nachdrücklich unterstreicht, dass vielseitige Kreativität und ein eigener Stil sich keineswegs ausschließen müssen.

Als Fazit mag hier der erneute Aufruf an alle Leser und Plattenbosse genügen, sich gefälligst umgehend mit POWDER FOR PIGEONS eingehend zu beschäftigen. Wer einmal erlebt hat, wie die beiden sympathischen Rocker einen ganzen Saal voller unwissender Stoner-Fans zum Staunen und Schwitzen bringen, wie zuletzt beim Desertfest in Berlin, wird wissen, was ich meine.

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