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POWERWOLF - Bible of the Beast

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Artist POWERWOLF
Title Bible of the Beast
Homepage POWERWOLF
Label METAL BLADE
Leserbewertung
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9.8/10 (6 Bewertungen)

Das Spielen mit liebgewonnenen Klischees ist eine Sache, die unsere Szene aus macht, denn Heavy Metal liebt und lebt seine urtypischen Vorurteile wie kaum ein anderes musikalisches Genre. Die Kunst dabei ist es allerdings, diese Klischees respektvoll einzusetzen und dennoch einen leicht selbstironischen Zugang dazu zu haben. Bands wie MANOWAR oder HAMMERFALL versagen da immer wieder auf ganzer Linie, wohingegen ein Ronnie James DIO, CANNIBAL CORPSE oder auch KING DIAMOND diesen Spagat bestens beherrschen. POWERWOLF tun dies ebenfalls! Was die Jungs auf „Bible of the Beast“ an textlichen und stilistischen Klischees auffahren, ist einfach unglaublich – und es macht verdammt viel Spaß.

Es gibt Alben, die haben einen Übersong, einen Track, der das restliche Songmaterial in den Schatten stellt und somit zum Synonym für die Band bzw. das entsprechende Album wird. Bei DREAM THEATER war es „Pull Me Under“, bei ICED EARTH „Melancholy“, „Paranoid“ bei BLACK SABBATH und HYPOCRISY kommen ohne “Fractured Millenium” von keiner Konzertbühne… Die Reihe ließe sich noch beliebig fortführen. POWERWOLF haben nun auch einen solchen Übersong, nämlich „Panic In The Pentagram“, der zwar ganz extrem bei IRON MAIDENs „Fear Of The Dark“ angelehnt ist, aber dennoch (oder gerade deswegen) einer der besten Heavy Metal-Songs ist, die ich kenne. Verdammt, diese Nummer lässt mich nicht mehr los. Selten gab es einen so hymnischen, mitreißenden Song, der das Gefühl, das Heavy Metal vermittelt, so sehr ausdrückt, dabei extrem am Kitsch vorbeischrammelt und ganz frech MAIDEN und HELLOWEEN (und ansatzweise auch HAMMERFALL) kopiert. Hier findet sich einfach alles, was ein guter Metal Titel braucht. Ein Chorus, den man nicht wieder los wird, eine Gitarrenmelodie, die sich direkt ins Hirn sägt, herrliche Chöre – ach, was sage ich: Einfach toll, traumhaft, fantastisch! Dieses Stück sorgt dafür, dass sich das Album derzeit täglich mehrfach in meinem Player befindet und wertet es erheblich auf. Leider fallen die zum Teil auch sehr starken anderen Kompositionen des Albums dagegen ein wenig ab.

„BOTB“ enthält zwölf urtypische Metal Kreationen, bei deren Lyrics man aus dem Grinsen nicht mehr herauskommt. Was hier an Kitsch aufgefahren wird, ist einfach nur eine Freude. Wer bei Songtiteln wie „Catholic In The Morning… Satanist At Night“ nicht Tränen lacht, dem ist nicht mehr zu helfen. Ich weiß nicht, ob Metalheads unter 30 sich hier so amüsieren können wie alte Säcke (zu denen ich mich zähle), aber diese CD führt einen direkt zurück in die Achtziger, in denen das Genre ein einziges Klischee war. POWERWOLF gehen mit soviel Freude und Inbrunst daran, alles zu verarbeiten, was irgendwie Hard Rock-Kitsch ist und werden dabei nicht peinlich, weil sie sich mit Respekt der Materie nähern, Freude daran haben, augenzwinkernd ihre „Message“ verbreiten und dabei einfach geile Musik abliefern.

POWERWOLF klauen zwar ohne Ende bei allem, was im True Metal Rang und Namen hat, besonders bei RUNNING WILD, wie der Opener „Raise Your Fist, Evangelist“ unter Beweis stellt und haben sogar bei den Schlagerkönigen Dschingis Khan ein typisches „Uh-Ah!“ mitgehen lassen (siehe Track #7 „Werewolves of Armenia“), aber sie bereiten einfach eine Menge Spaß. Jeder ernsthafte (?) Metalhead braucht diese saucoole Spaßgranate. Vergesst HAMMERFALL – POWERWOLF sind Metal!

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