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PROZACK STAPLE - The Calm behind the Chaos

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Artist PROZACK STAPLE
Title The Calm behind the Chaos
Homepage PROZACK STAPLE
Label TWILIGHT
Leserbewertung
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Dieses Album ist wie ein Date: Man muss sich dafür Zeit nehmen, alle anderen Termine absagen, es sich im trauten Heim gemütlich machen. Eine Verabredung mit PROZACK STAPLE: Psycho-Funk-Pop-ArtRock-Progressive-GlamMetal-Crossover mit theatralischer Bühnendarbietung. Entdeckt von Jägermeister. Songs mit Titeln wie „Discovery of Origin“ und „Our glass Vision“. Vergleiche mit INCUBUS, TOOL. Auf Tour mit „vielen bekannten Bands“. Interviews mit „führenden Magazinen“. Ich schütte ein Glas Rotwein ein und lasse mich tief in meinen Sessel gleiten. Bin ich dabei, einen der aufregendsten Abende meines Lebens zu erleben?

Zugegeben, wer bis vor fünf Minuten noch ALEXANDER KLAWS für ein völlig abgedrehtes musikalisches Genie hielt, wird dieses Album für verrückt und kirre halten. Doch jedem, dem der Genuss an einem der besseren Scheiben dieses Jahres, „Orgasm“ von ATTROX, zuteil wurde, wird der beinahe identische Ansatz ins Auge springen, die Ähnlichkeit der eingesetzten Mittel, die Parallelität der Strukturen. Hier wie dort wechseln sich entspannte Passagen mit wildem Metal ab, werden ruhige Ströme zu reißenden Flüssen, idyllische Panoramen zu verzerrten Wahnbildern. Nur dass bei PROZACK STAPLE alles ein wenig hektischer abläuft, gezwungener und gewollter, man möchte fast sagen chaotischer – doch wo ist die Ruhe, die uns dahinter versprochen wurde? Immer dann nämlich, wenn die Gruppe es einfach mal fließen lässt, sind sie am besten, so zum Beispiel auf „Silent Sirens“, dem trefflich benannten ruhigsten Punkt der Platte, obwohl auch hier die Stille stets durch Gebolze unterbrochen wird. Dieses Prinzip wird in der Folge kontinuierlich wiederholt und zieht sich durch alle Kompositionen – langweilig wird einem dabei nie, doch zu wirklich bewegenden Momenten führt es auch nicht. Zum Schluss gibt es noch einen sphärischen 12-minütigen Bonustrack, der in einer schier endlosen pseudo-indischen Raga mündet. Den nimmt man auch noch mit.

Inzwischen ist es draußen dunkel geworden und ein kurzer Blick auf den Wecker verrät, dass es Zeit ist, ins Bett zu gehen. Ich schlafe recht schnell ein, etwas schlapp wegen der angestrengten Konzentration der letzten Stunde, doch ohne ein Gefühl der Reue. Gut gelaunt wandere ich am nächsten Tag ins Büro und ziehe mir den ersten Kaffee. Mein Arbeitskollege Ansgar stellt sich neben mich: Was ich gestern Abend so gemacht habe? Ich kratze mich am Kopf und lege die Stirn in Falten. Es ist wirklich merkwürdig – ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern.

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