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PTYL - V/ Loki (2-CD)

VN:F [1.9.22_1171]
Artist PTYL
Title V/ Loki (2-CD)
Homepage PTYL
Label DANSE MACABRE
Leserbewertung
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8.5/10 (2 Bewertungen)

2005 erschien PTYLs Debüt „Hell Sounds“ und sorgte damals für ein großes und äußerst positives Echo. Fünf Jahre später liegt nun mit dem rund 2 1/2 stündigen und 38 Tracks starken Doppelalbum „V/ Loki“ das neue Werk des gebürtigen Israelis vor. Passenderweise kann ich im Infomaterial lesen, dass dieses Konzeptalbum nichts für schnelle Skipper sei und soviel schon vorab: Wer sich auf dieses positiv anstrengende Album einlässt, wird mit einer Vielschichtigkeit belohnt, die auch nach dem x-ten Durchlauf neue Aspekte eröffnet. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass, wenngleich ganz klar herauszuhören ist, dass NINE INCH NAILS die Hauptinspirationsquelle darstellt, diese „Kopie“ innovativer und wahnsinniger ist, als das hoch gelobte Vorbild.

Meine Entdeckungsreise startete ich mit „Loki“ und bereits der Opener „War“ scheint für das Leben in Israel mit seiner ständigen Angst vor bzw. den Hass auf die arabischen Nachbarn zu stehen. Es wirkt so, als ob dieser Track der „Soundtrack“ für die Minuten nach einem Selbstmordattentat sein könnte, es herrscht Chaos, wilde Schreie, undefinierbare Geräusche sind zu vernehmen, der vertonte Wahnsinn. Der dann nachfolgende Track „Drag dorks in vampire suits“ stellt eine wahre Sampleorgie dar und enthält das „Who is „Who“ der Szene, mit „Smothered Hope“ von SKINNY PUPPY und „Rhythm of Time“ von FRONT 242 startend, geht es weiter über DEPECHE MODE, RAMMSTEIN, natürlich NINE INCH NAILS und endet mit Sequenzen aus „Soylent Green“ von WUMPSCUT. Was mich an „V/ Loki“ zutiefst beeindruckt hat: Es gibt keinerlei Füllmaterial oder Hänger auf den beiden Scheiben und der Facettenreichtum ist der pure Wahnsinn. Ob es nun wüste, aggressive Soundattacken wie „Hellstream“ sind, Songs, die einen erst auf die falsche Fährte führen wollen und harmlos poppig starten („3 Ticks“) oder fragile, von Klavierklängen getragene Titel à la „Faith“: Es gibt eine Menge zu entdecken. Verschiedenste Ideen und Stimmungen vermittelt dieses Doppelalbum, beinahe belanglos schleicht sich durch die Verwendung alltäglicher und wohl vertrauter Geräusche z.B. „Masochism“ ein. Ein Klopfen an der Tür, ein Klingeln des Telefons, dass Tippen einer Schreibmaschine. Unterlegt von schweren Klavierklängen wirkt das Szenario etwas antiquiert und wie aus einer bekannten, aber längst vergangenen Zeit und dadurch zugleich bedrohlich. Schwermut, aber auch eine gehörige Portion Wut umtreibt „The Method“… und immer wieder Gitarren. Ob nun ordentlich durch den Wolf gedreht („Rise“, das sich sehr stark am Werk von THE YOUNG GODS orientiert) oder akustische Elemente wie bei „Cunts“ – Gitarren gehören zu den tragenden Elementen auf „V/ Loki“. „Motherfucker#“ besticht durch ausgefeilte Startsequenzen und tiefe Bässe, „Another Dragon“ setzt auf Elektro mit Rapelementen. „Hand of our kin“ und „Land of Disgust“ kommen verspielt daher, „Minion“ in seiner Gesamtausstattung wiederum opulent und so geht es weiter und weiter.

Desweiteren gibt es ein limitiertes Set mit einer 300 Seiten starken philosophischen Abhandlung, die sogenannte „Delta Theory“, welche dem Hörer die Albumgeschichte näher bringen soll. „V/ Loki“ präsentiert sich verstörend, brachial, klaustrophobisch, verschachtelt und hätte in der Musikgeschichte einen Platz direkt neben „The Downward Spiral“ und „Pretty Hate Machine“ verdient.

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