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QNTAL - VI – Translucida

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Artist QNTAL
Title VI – Translucida
Homepage QNTAL
Label DRAKKAR/ SONYBMG
Leserbewertung
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8.5/10 (2 Bewertungen)

„Translucida“ ist die sechste Scheibe von QNTAL. Sigrid Hausen, Michael Popp und Philipp Groth haben sich wieder ins Studio begeben und getüftelt. Genauso klingt das Ergebnis – nach Meditation, Arbeit, Askese. „Translucida“ könnte aber ein wenig mehr Bissfestigkeit vertragen. Die elektronische Seite wird als Gegenstück zur Vorgänger-CD „Silver Swan“ diesmal betont, die mittelalterlichen Klänge werden durch den Synthesizer gedreht. Heraus kommt eine etwas entkräftete Platte. Es gibt keinen Chorgesang mehr, die Lieder sind absolut auf Sigrid Hausens ohne Zweifel ausgereifte, vielschichtige und interessante Stimme zugeschnitten. Aber wie kommt es dann, dass man das Album durchhören und nebenbei noch den Abwasch erledigen kann, ohne auf großartige klangliche Unterschiede zu stoßen? Die Pressemitteilung nennt das „durchsichtige Arrangements“, die wie ein Fenster zwischen Mittelalter und Moderne stünden. Hm. Das bedeutet aber auch, sich als ewigen Mittler, als Zwischenstück, als nicht Fisch, nicht Fleisch zu definieren, statt Fisch und Fleisch gleichzeitig zu sein.

Es ist irgendwie entlarvend, dass das neue Album mit „Sleeping“, also gleich mit einem Schlaflied anfängt, das durchaus konsequent wie eines klingt. Ein elegant-unterkühltes, französisches Tanz-und-wiege-dich-Liedchen steht an zweiter Stelle. Super, um den neugekauften Reifrock geübt gelangweilt und selbstversunken auf der Tanzfläche zu präsentieren. Aber das rockt nicht wirklich. Bei der 3 säuselt Hansen, die sich nun auch Syrah nennt, statt zu singen. Eingängige Melodien muss man mit der Lupe suchen. Das alles ist sehr nett, aber langsam könnte etwas Temperament durchscheinen. Vor 10 Jahren hätte ich diese Scheibe vermutlich total toll gefunden. Dieses historisch gefühlige, das mystisch-gehauchte, die Hoffnungslosigkeit, die Kompatibilität mit Schaumvollbädern im Kerzenlicht. Gruftie-Wellness fürs Ohr. Track 4, „Translucida“ selbst, besitzt deutlichere Konturen, klingt etwas nachdrücklicher. Es ist ja auch der namensgebende Song. Wer dazu tanzen kann, ohne einzuschlafen, hat trotzdem meinen Respekt. Live sollte man sich wohl ein Buch mitnehmen. „La Froidor“ rauscht komplett an mir vorbei, ohne irgendwo hängen zu bleiben. Ich habe es nach dem Hören sofort spontan vergessen. Lied Nummer Sechs, „Glacies“, ist das erste Stück auf dem Album, das sich Beats erlaubt, in dem Hausen etwas schneller singt und endlich nicht mehr so säuselt. Das Lied steht genau in der Mitte der Scheibe, weckt also leise Hoffnung auf die zweite Hälfte. Das scheint nicht unbegründet zu sein, „Worlds of Light“ macht ein Hörerzugeständnis und erlaubt uns die bis dahin weitgehend vermissten Melodien – ein schönes, schwermütiges Lied mit Herz, das man auch gerne mehrmals hören mag. Anspieltipp! Und auch „Obscure“ auf Platz 8 ist durchaus von dieser Welt, wird aber von „Sumer“ übertroffen. Das neunte Lied hat eine tanzbare Struktur und, wie reaktionär, einen Refrain! Geradezu erlösend nach all der Meditation. „Amorous Desir“ kühlt das Ganze wieder herunter, reiht sich etwas zu widerstandslos in den üblichen „transzendenten“ QNTAL-Klang ein. „Ludus“ auf Platz 11 verfügt erneut über einen deutlich wahrnehmbaren Rhythmus, weckt aber dennoch nicht gerade Partystimmung. Nach zwei Minuten gebe ich es auf und klicke zum letzten Song namens „Passacaglia“. Sphärenklänge vom Feinsten, inszenierte Erhabenheit. Ein Rausschmeißer klingt anders.

Schade eigentlich!

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