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QUEENSRŸCHE - Operation: Mindcrime II

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Artist QUEENSRŸCHE
Title Operation: Mindcrime II
Homepage QUEENSRŸCHE
Label WARNER
Leserbewertung
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8.5/10 (2 Bewertungen)

Das können die nicht ernst meinen! War mein erster Gedanke, als ich zum ersten Mal davon Wind bekam, dass die Herren von QUEENSRŸCHE doch tatsächlich einen 2. Mindcrime-Teil fabrizieren wollen. Was wurde da nicht alles schon drüber philosophiert im Vorfeld der Veröffentlichung. Und es ist schon schwer fragwürdig, weshalb ausgerechnet jetzt, knapp 20 Jahre nach dem Jahrtausendwerk, ein zweiter Teil her musste. Zumal die letzten Alben eigentlich jedes für sich ein weiterer Sargnagel für den Sarkophag der Band waren. Zumindest wenn man mal den Maßstab an die herausragenden und einzigartigen Scheiben bis zur „Empire“ ansetzt, und daran müssen sich QUEENSRŸCHE einfach messen lassen. Ob sie nun wollen oder nicht. Und mit der vorliegenden CD erst recht! Die ist auch optisch gleich mal so aufgemacht, wie der erste Teil. Was ja schon mal zu begrüßen ist, da ja auch die Story textlich nahtlos an den ersten Teil anschließt. Kommen wir zur Musik…

Und da grauste es mir schon vor den ersten Takten. Das kann einfach nicht gut gehen bei einem solch übermächtigen Vorgänger. Tut es auch nicht. Trotzdem blitzt endlich wieder die Genialität der Mannen um Geoff Tate auf, wenn auch nur phasenweise. Und wir haben es hier mit der besten Scheibe seit „Empire“ zu tun! Dieses Ding hätte direkt danach rauskommen sollen. Wir hätten garantiert ein weiteres Jahrtausendwerk in den Händen gehalten, und das Teil hätte sich verkauft wie blöd. So bleibt jetzt natürlich der Beigeschmack des kühlen kommerziellen Kalküls und der Versuch, der Band ein letztes Mal Leben einzuhauchen. Was dann sogar gelingt! Mit dem dramatisch beginnenden Doppelintro „Freiheit Ouvertüre“ (1:35)/ “Convict“ (0:08) steigt man gleich a la „Mindcrime 1“ ein. Das fängt ja sehr fein an! „I’m American“ beginnt auch mit einem schönen klassischen Gitarrensolo, der Song rockt auch gut los und der Chorus packt gleich. Jedoch ist der Sound dann doch arg modern gehalten. Die letzten Platten und 15 Jahre sind halt doch nicht komplett ausgeschaltet worden. So verkommt Part 2 aber auch nicht zu einem kompletten Rip-Off des ersten Teils. „One Foot in Hell“ hätte allerdings auch auf Part 1 einen Platz verdient gehabt. Klasse Gesang, auch wenn Geoff die Einmaligkeit des 88er-Werks natürlich nicht mehr erreicht. Auch die Produktion von Jason Slater ist nicht so glasklar, wie auf Teil 1, dafür erdiger. In dem Track zeigt sich die Genialität, die die Band vor nahezu 2 Jahrzehnten ausgezeichnet hat. Geile Soli, dezente Streichereinlagen, progressive Parts… so wollen wir das hören! Fängt ja richtig klasse an die Scheibe und weiß sogar zu begeistern! Das folgende „Hostage“ groovt dann zwar schön, könnte aber auch von einer x-beliebigen modernen Rockcombo stammen. Auch wenn das Ende des Tracks eine schöne Reminiszenz an den unvergleichlichen 1.Teil darstellt. Und genau so beginnt auch „The Hands“, die erste Single. Man wähnt sich schon in der 88er-Scheibe, bevor der crunchige Gitarrensound diese Illusion ein wenig zerstört. Der Chorus reißt es allerdings heraus. Das ist das Songwriting, welches die Band nach „Empire“ vermissen ließ. Bis zum heutigen Tage.

Auch wenn Chris DeGarmo natürlich an etlichen Ecken fehlt, die Gitarrenfraktion Michael Wilton/ Mike Stone schüttelt doch etliche Klasse Licks aus dem Ärmel. „Speed of Light“ mit seinem schweren Led Zep-Klau-Riff haut einen nicht gerade vom Hocker und bei dem uptempo-Rocker „Signs Say Go“ merkt man, dass Geoff die alte Klasse einfach nicht mehr erreicht. Trotz feinen Backings, geilem Solo und etlich Schmackes erreicht man nicht mal ansatzweise einen vergleichbaren Track wie „Spreading the Disease“. Das durfte man allerdings auch nicht erwarten. Die Klasse der Teil 1-Tracks lässt man dafür in dem folgenden „Re-Arrange You“ los mit fettem Groove, feinen Streichern und einfach packendem Songwriting! In diesen 3:11 Minuten befindet sich der Rezensent /Hörer wieder im Jahr 1988, was in dem folgenden „The Chase“ durch den Einsatz von DIO nur noch verstärkt wird. Der Song ist allerdings sonst eher unspektakulär, und man hätte des Meisters Stimme besser auf einem der stärkeren Tracks verwendet. Auch das auf modern runtergestimmte „Murderer“ haut einen nicht gerade vom Hocker, trotz fetten Bratgitarren und coolem Chorus. Ja geht den Herren etwa nach hinten raus komplett die Luft aus? Mit dem atmosphärischen 3-Minuten-Zwischenspiel „Circles“ bekommt man wieder ein wenig die Kurve und kann den Hörer fesseln. Der Track geht nahtlos in die düstere Ballade „If I could Change it All“ über, in der auch Pamela Moore auftaucht. Löst eine beklemmende Atmosphäre aus und steht im krassen Gegensatz zu Happy-Tracks wie „I’m American“, womit man das Textkonzept auch musikalisch perfekt zu untermalen weiß. Zumindest was die Stimmung der jeweiligen Textpassagen angeht. Der Song klingt mit groß angelegten Chören aus und geht ebenfalls nahtlos in das nächste Intermezzo „An Intentional Confrontation“ über, welches hauptsächlich von Pamela gesungen wird. Großartiges doppelläufiges Gitarren-Solo auch! Das ebenfalls recht getragen dahin schwimmende „A Junkie’s Blues“ enthält dann am Ende wieder ein schönes Zitat von Teil 1, welches allerdings eher dazu verleitet, zum unzähligsten Mal eben jenen einzulegen, anstatt auf Replay zu drücken. Das fix pumpende „Fear City Slide“ und der akustik-düstere Abschlußtrack „All the Promises“ wissen zwar noch mal zu punkten, können aber nicht einmal ansatzweise gegen den Überabschlußtrack „Eyes of a Stranger“ von „Mindcrime 1“ anstinken.

Sollen sie vielleicht auch gar nicht. Aber wer sein neues Album nun mal derart nach dem übermächtigen ersten Teil ausrichtet, der muss damit rechnen, auch genau daran gemessen zu werden! Und genau DAS sollte man NICHT tun! Denn dann kann man nur enttäuscht werden. „Operation: Mindcrime 1“ wird es auf ewige Zeiten nur ein einziges Mal geben in diesem Universum. Oder kennt Ihr ein zweites „Reign in Blood“, „Images and Words“, „Back in Black“, „Master of Puppets“ oder „Left Hand Path“? Eben! Und wenn man „Operation: Mindcrime 2“ losgelöst von diesen unerreichbaren Vorgaben bewertet, wird man feststellen, das QUEENSRŸCHE endlich wieder Arsch haben und das beste Album seit „Empire“ rausgehauen haben! Ja, sie erreichen sogar phasenweise die Magie des ersten Teils, woran ja nun niemand mehr ernsthaft geglaubt hat. Auch ich nicht. Jetzt darf man natürlich auf die geplante Live-Umsetzung der gesamten Story gespannt sein!

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