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R.E.M. - Unplugged 1991/ 2001 – The Complete Sessions (2-CD)

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Artist R.E.M.
Title Unplugged 1991/ 2001 – The Complete Sessions (2-CD)
Label RHINO
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Zwischen Wiedervereinigung und 9/11: Sinn ergibt diese doppelte Veröffentlichung vor allem durch die Zeit, die zwischen den beiden Sessions liegt. An deren Enden sitzt jeweils eine ganz andere Band auf der Bühne und spiegelt sich eindrucksvoll in den Höhen und Tiefen der Zeitgeschichte. Es waren vor allem Grunge-Größen wie NIRVANA, ALICE IN CHAINS oder PEARL JAM, die mit ihren Unplugged-Sessions für Furore sorgten. Und damit sind wir mitten drin in den Neunziger Jahren, in deren Verlauf der endgültige Aufstieg R.E.M.s zur Supergroup zunächst vollzogen wurde und gegen Ende des Jahrzehnts wieder etwas an Glanz verlor. Trotz ihrer Erfolge behielt die Band aus Athens stets eine Sonderstellung hinsichtlich künstlerischer Glaubwürdigkeit. „Out of Time“ hatte die Band 1991 gerade erst in alle Kanäle katapultiert. So bildeten Songs wie „Losing my Religion“, „Low“, „Radio Song“, „Half a World away“ das Fundament einer Unplugged-Session, die mit ihrem Orgel- und Bongo-Einsatz auch heute noch eine geradezu intime Lagerfeuerromantik verströmt. In diesem Fall allerdings kein großes Kunststück, da das präsentierte Album ebenfalls vor allem akustisch orientierte Stücke enthielt. Besonderes Kennzeichen: die Troggs-Coverversion „Love is all around“ – drei Jahre bevor WET WET WET den Song durch den Schmalztopf ziehen und damit diskreditieren sollten.

Zehn Jahre später spielten R.E.M. in etwas anderer Besetzung ein Set, das retrospektiv wie ein zaghaft-melancholischer Blick zurück wirkt. In der Zwischenzeit folgten dem allseits gefeierten Meisterwerk „Automatic for the People“ mit „Monster“, „New Adventures in Hi-Fi“ und „Up“ drei von Publikum und Kritikern eher gemischt aufgenommene Alben. Letzterem wurden die meisten Songs für die vorliegende Session entnommen, mit der R.E.M. auch bereits in eine Zukunft blickten, die ungewisser und komplizierter denn je erschien. Insbesondere „Sad Professor“ hallt als tragischer Abschluss lange nach und stellt ein düsteres Zwischenstück zwischen Vergangenheit und Zukunft dar. Vier Monate nach dem Konzert sollte sich die Welt radikal verändern:

„Late afternoon, the house is hot.
I started, I jumped up.
Everyone hates a sad professor.
I hate where I wound up.“

Über die Live-Qualitäten von R.E.M. muss nicht diskutiert werden. Beide Konzerte sind großartige Performances, die allenfalls hinsichtlich ihrer jeweiligen Songauswahl nicht zum spannendsten Zeitpunkt aufgenommen wurden. Der Sprung von „Half a World away“ bis zu „Sad Professor“ ist dabei ein gewaltiger und markiert eine Dekade voller Ängste und Hoffnungen. Wenn die die beiden Unplugged-Sessions auch nicht unbedingt Pflichtkäufe darstellen, so sind sie doch sich gegenseitig ergänzende Zeitdokumente, durch deren Gegenüberstellung Aufstieg und Wandel einer Band eindrucksvoll dokumentiert werden. Zusammen also doch irgendwie Pflichtkäufe.

Anlässlich des Record Store Days 2014 wurden die beiden vorliegenden Konzerte als Boxset mit Vierfach-Vinyl veröffentlicht. Wer nicht so tief in die Tasche greifen wollte oder keine ergattern konnte, hat nun die Möglichkeit auf die vorliegende Doppel-CD zurückzugreifen. Alle Formate beinhalten elf zusätzliche Stücke, die damals nicht gesendet wurden.

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