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RABENSCHREY - Donnerhall

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Artist RABENSCHREY
Title Donnerhall
Homepage RABENSCHREY
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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6.7/10 (16 Bewertungen)

Es ist eine Schande. Da hat eine Gruppe aus Wermelskirchen, die sich vielversprechend „Kleinkunstzusammenschluss“ nennt und seit sechs Jahren „heidnischen Mittelalterfolk“ produziert, eine schöne Idee, wie sie ihr viertes Album eröffnen könnte. Man nehme ein Intro mit Flöte, mit Gewittergeräuschen – eben dem „Donnerhall“, nach dem das Machwerk dann benannt wird – und eine Prise zurückhaltende Percussions. „Ja“, jauchzen Herz und Ohr, „lasset die Spiele beginnen!“ Und dann? Zwei monotone, humor-, einfalls- und klanglose Männerstimmen setzen ein und leiern einen Text, der zu langweilig und konventionell ist, um irgendwo geklaut worden zu sein, und der auch noch in der Nennung des eigenen Bandnamens gipfelt. Nein! Nein! Das tut doch weh. Schon an dieser Stelle dürften eine ganze Menge Hörer enttäuscht und schlecht gelaunt das Album in die Ecke pfeffern, aber mir ist das nicht gestattet. Also: Vorhang auf für Song 2. „Spielsmannsneid“. Als erstes macht sich die interessante und routinierte Handhabung der Instrumente bemerkbar! Könnte die CD noch zu retten sein? Doch dann kommt, ach weh, der Gesang: „Spielmannsneid, Spielmannsleid, des einen Freud, des anderen Leid“ lautet der Refrain, mit ordentlich männlichem Timbre und rollendem „R“ vorgetragen. Da tröstet es auch nicht, dass die Mannen hier wenigstens den melodischen Gesang für sich entdecken.

Das erste von nur zwei brauchbaren Liedern auf dem ganzen Album, um das mal vorwegzunehmen, findet sich auf Platz 3. „Hey wir sind Heiden“ ist eine Neuinterpretation des Pippi-Langstrumpf-Titelsongs und entstand bei einem Lagerfeuer-Saufgelage. Zwar ist die Blockflöte hier etwas überfordert, aber trotzdem macht der Song Spaß, denn: Er nimmt sich nicht so schrecklich ernst. Endlich Selbstironie und kein pseudomythisches „Wir-tragen-Lederröcke-von-C&A-und-schwingen-bedrohlich-unsere-Wikingeraxt“-Getue. Wieder schöpfe ich Hoffnung für das Album. Track 4, „Auf ewig“, macht diese aber sofort und gründlich wieder zunichte. Warum wollen Männer, die ganz hervorragend mit Trommeln, Lauten, Mandolinen, Harfen und anderem tonproduzierenden Werkzeug umgehen können, auch noch singen? Da liegt kein Segen drauf. Und: Vielleicht hätten sie jemanden fragen sollen, der sich mit so etwas auskennt… Die beiden Herren, die den Refrain gestalten, versuchen offenbar nicht einmal, die Tonhöhe des anderen auch nur annähernd zu treffen. Ähnlich ist der Befund im „Hurenlied“ (Nummer 5) – und dieses Lied klingt nicht mal halbwegs mittelalterlich, sondern erinnert eher an Panflötenindios aus der Fußgängerzone (Gruß an Micha-El Goehre, nebenbei!). „Vagabund“ (Nummer 6) irritiert mich: Lispelt der Sänger? Oder liegt das an der Aufnahme? Sicher ist nur eines: Auf einem Festival oder Konzert würde ich bei diesem Lied die Ohrstöpsel herausholen – und das ganz unabhängig von der Lautstärkeregelung. „Donnerhall“ auf der 7 hat eine potentiell unterhaltsame Rhythmik, die sogar zum Tanzen animieren könnte. Leider nervt der Song nach lediglich 2 Minuten schon so sehr, dass ich zum „Tiefsaiten-Tanz“ weiterschalte. Der ist gut gemacht und, sehr erfreulich, rein instrumental, reißt mich aber trotzdem nicht vom Hocker. Das „Pfaffenlied“ (Song 9) bemüht das Klischee von christlicher Heuchelei, lamentierend verpackt. Auch „Racheschwur“, „Mädelein“, „Ein Jüngling“, „Zaubertrank“, „Nicht alleine“, „Fahre gut“ und „Sehnsucht“ bieten nichts Neues oder Originelles mehr. Oft gute Technik, meistens ziemlich schlimme Texte, immer schlechter Gesang. „Flieg Schäflein“ an 17. Stelle ist das zweite niedliche Liedchen auf „Donnerhall“.

Offensichtlich sollte „Rabenschrey“ öfters am Lagerfeuer saufen und sich Songs dabei ausdenken. Dabei kommen scheinbar bessere Stücke heraus als beim Tüfteln im Studio.

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