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RABENSCHREY - Unvollkommen

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Artist RABENSCHREY
Title Unvollkommen
Homepage RABENSCHREY
Label FINSTERLAND
Leserbewertung
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6.6/10 (20 Bewertungen)

Bereits mit der vorigen Scheibe hatten es die Mittelalter-Rocker von RABENSCHREY angekündigt: Sie wollten den „großen“ Bands „Auf den Fersen“ bleiben. Mit dem diesjährigen Album sind sie diesem Ziel erneut einen Schritt näher gekommen, dennoch bescheiden sich die Musiker um Donar von Rabenschrey und nennen es schlicht „Unvollkommen“. Stets bemüht, das Beste aus ihren Instrumenten herauszuholen, neue Töne einfließen zu lassen, abwechslungsreiche Kost zu bieten, nicht passgerecht in eine Schublade gesteckt werden zu können, wollen sie mit ihrer Musik immer wieder in Bewegung sein und nicht starr einfrieren. Vollkommen zu sein würde bedeuten, nicht mehr weiter zu können, keine neuen Ziele mehr zu haben. Also bleiben sie lieber unvollkommen.

Mit „Lebe deinen Traum“ wurde ein schneller, rockiger Starter ausgewählt. Elektrogitarren von Gahaed und Ragnar mit dem metallenen Groove, die Flöte als Melodiegeber und teils mehrstimmiger Gesang. Und wie man es auf den Tonträgern von RABENSCHREY sonst selten hört: Keine verzerrte Stimme vom Frontmann Donar. Auch bei „Königreich des Schmerzes“ dominieren die harten Klänge der Gitarren. Die Gruppe klingt metallener und härter denn je, Mittelalterrock scheint passé und kommt lediglich in Form eines deutschen Textes durch. Die Grabesstimme gibt dem ganzen eine düstere Stimmung und zeigt: Ja, das sind RABENSCHREY. Bei „Wodans Wölfe“ gibt das Schlagwerk von Raisclin den schnellen Takt vor, damit sich auch dieser Song in die schwere Liga einreiht. Der hochfrequente eiserne Rhythmus wird den letzten Zuhörer aus der Reserve locken und davon abhalten, mit dem Körper ruhig zu stehen. Erst bei „Der Raben Schrey“ wird Luft zum Atmen gegeben. Der Schlag wird langsamer, der Gesang wieder mehrstimmig, die Stimmung düster. Als Ballade ist dieser Track trotzdem nicht einzuordnen, denn dafür sind die Zwischenparts zu schnell. Verdammt lang her, dass ich zum letzten Mal JETHRO TULL hörte. Bei „Ich will“ ruft die begleitende Flöte diese Stimmung hervor. Sanfter melodischer Rock mit unverzerrtem gut intoniertem Gesang und der im Hintergrund immer umherwuselnden Flöte. Mit „Brennen“ führen die Musiker textlich in das düstere Mittelalter zurück und lassen die lodernden Flammen vor den Augen erscheinen. Die Idee hierzu muss ihnen während ihrer Konzerte gekommen sein, bei denen Flammen vor der Bühne und während der Show nicht gerade eine unwesentliche Rolle spielen. „Finsterland“ kombiniert Streicher und E-Gitarren sowie Grabesstimme zu einer langsamen, finsteren Szenerie. Hämmernde, monotone Bässe bei „Odin“ erinnern an eine unaufhörlich voranrollende Dampflokomotive, der auf Grund der Schwere ihrer Last die weißen Wölkchen aus den Nüstern kommen. Mit dem langsamen „Dunkle Elfen“ wird eine Geschichte um die Geburt des dunklen, spitzohrigen Volkes erzählt, welches sich anschickt, die schöne heile Welt anders aussehen zu lassen. Schwer und erneut düster, dem Titel entsprechend wird dieser Song dargeboten. „Arschkriecher“ ist dann wieder ein Track, bei dem der Körper dem Groove zwangsläufig folgen muss und nur bei einem langsamen Intermezzo davon abgehalten wird. „Schock schwere Not“ gibt einen noch schnelleren Takt vor als der vorhergehende Track und reiht sich in die weniger düsteren, dafür umso rockigeren Titel dieses Albums ein. Ganz auf die Düsterheit verzichtet RABENSCHREY bei „Gib mir“ nur oberflächlich, einem, man höre und staune, Liebeslied. Eigentlich mainstreamtauglich für die Medien hat dieser Titel einen eingängigen Sound, lädt zum Mitsingen und Mitsummen ein. Doch wer dem Text nicht nur oberflächlich zuhört, der erkennt, welche Düsternis sich in diesem Lied verbirgt.

Mit diesem Album scheinen RABENSCHREY einen geraderen Weg in Richtung Heavy Metal einzuschlagen, ohne sich schon ganz von ihren mittelalterlichen Wurzeln zu verabschieden. Aber die Spaßband, als die sie sich auf so manchem Konzert präsentiert, ist sie hier nicht. Wer die fünf Musiker von der Bühne her kennt, weiß, dass sie bisher nicht jeden Song todernst meinten und eine Menge Spaß mit Texten verbreiteten, die bei jeder Party gesungen werden konnten. Solche, wohl auf die Mittelaltermärkte zurückzuführende Musik scheint bei „Unvollkommen“ verbannt, abgesehen vielleicht von „Arschkriecher“. Hinzu kommt der oft eingesetzte mehrstimmige Gesang, der vor allem wegen seiner auffälligen Häufigkeit für frischen Wind sorgt. RABENSCHREY hatten versprochen zu überraschen. Das ist ihnen gelungen. Das Album ist ein Meilenstein in ihrer Geschichte und bringt frischen Wind in die Szene.

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