Band Filter

RAMMSTEIN - Mein Teil (Single)

VN:F [1.9.22_1171]
Artist RAMMSTEIN
Title Mein Teil (Single)
Homepage RAMMSTEIN
Label UNIVERSAL MUSIC
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.6/10 (8 Bewertungen)

Lange hat es gedauert, bis unsere Megaseller mit einer neuen Veröffentlichung um die Ecke gekrochen sind. Immer wieder wurde der Releasetermin nach hinten geschoben, von künstlerischen Zwistigkeiten mit dem Label war zu lesen, oder einem zu harten Video. Nun ist alles da, und alles ist gut. Schon seit einigen Tagen kann man auf MTVIVA die neueste Ausgeburt dunkeldeutscher Phantasie goutieren. Ein wenig Lynch, ein wenig Pasolini (die grandiose Hunde-Szene), ein wenig kalkulierter Ekel. So gut kalkuliert übrigens, dass der Clip von den Landesmedienanstalten bereits nach einer Woche auf die Zeit nach 23 Uhr verbannt haben. Dass die Idee zu „Mein Teil“ auf der bizarren Kannibalengeschichte in Rothenburg basiert, dürfte mittlerweile fast jeder mitbekommen haben. Armin Meiwes hatte per Internet-Annonce einen willigen Partner gefunden, der sich bei vollem Bewusstsein entmann ließ, nur um gemeinsam mit dem Schlachter „sein Teil“ zu verspeisen. Danach blutete er aus und ward zu Fleisch.

Für eine Formation wie RAMMSTEIN natürlich im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen. Provokation ist heutzutage ein Teil des Marketing-Konzeptes, viel wichtiger sollte die zugrundeliegende Musik sein. Und da schlägt „Mein Teil“ nicht großartig aus der Bandhistorie. Bombastische Produktion (Jacob Hellner – Stockholm/ Spanien), leicht angezerrter Sprechgesang in den Strophen und ein typisch simpler Refrain. Fast zu simpel in meinen Ohren, denn immer nur dieselben Worte zu brüllen entbehrt nicht einer gewissen Spannungslosigkeit. Dafür gefällt die Bridge, und die aggressive Grundhaltung deutet darauf hin, dass es auf dem kompletten Album keineswegs poppiger zugehen wird. Leider befinden sich auf der Single zwar drei weitere Remixe aber kein „neuer“ Song, was man zumindest auf der Limited Edition hätte erwarten können. Dafür bekommt man über eine spezielle Software Zugang zum RAMMSTEIN-Server, wo man dann Exklusives erwarten darf.

Die Remixe sind allerdings nicht von schlechten Eltern, denn „Papa“ sind die PET SHOP BOYS und „Mama“ Arthur Baker. Der New Yorker Dj, der auch bereits an NEW ORDERs „Confusion“ beteiligt war, lässt den Track wesentlich moderner und tanzbarer erscheinen, mit vielen Effekten und über 7 Minuten. Während hier teilweise noch die Gitarren braten, lassen es die PSB auf ihrer 7 Minuten Variante gänzlich „saitenlos“ zugehen. Dafür regieren auch hier Trancebeats und verrückte Sprachsamples. In der „You are what you edit“-Version – ebenfalls von Tennant/ Lowe – vermischen die Engländer ihren typisch relaxed-faszinierenden Sound mit der germanischen Härte. Ergebnis: PAIN-artiger Crossover mit Hervorhebung des Soundeffekts aus Tobe Hoopers „Texas Chainsaw Massacre“.

Das Spannendste an diesem musikalischen Leichenschmaus sind eindeutig die Bearbeitungen, welche sich die meisten „normalverdienenden“ Künstler schon gar nicht leisten könnten. Und mit der fanatischen Fanbasis in der Hinterhand können sich auch RAMMSTEIN mal ein paar Selbstzitate leisten, die reichen nämlich immer noch aus, um einen soliden Tanzflächenknaller draus zu machen. Ob die Substanz auch über die Langstrecke ausreicht, werden wir dann hoffentlich in Bälde feststellen.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

RAMMSTEIN - Weitere Rezensionen

Mehr zu RAMMSTEIN