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RECOIL - Subhuman

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Artist RECOIL
Title Subhuman
Homepage RECOIL
Label MUTE
Leserbewertung
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5.5/10 (4 Bewertungen)

Nach fast siebenjähriger künstlerischer Abstinenz meldet sich der Soundtüftler Alan Wilder (Ex-DEPECHE MODE) mit seinem neuesten Streich zurück. Einige werden aufschreien und sagen: „Muss der nächste von DM sein Soloding starten?“ Aber das wäre nicht richtig, Alan war seinerzeit der erste von den vieren, der sein Nebenprojekt in Gang brachte. Seine ersten Outputs Mitte der 80er – „1+2“ und „Hydrology“ – waren im Gegensatz zum vorliegenden Werk rein instrumental und enthielten im wesentlichen Samples von DEPECHE MODE. Am Rande bemerkt war „Hydrology“ mein Einstieg ins digitale Zeitalter. Das heißt, das Teil war die erste CD, die ich mir gekauft habe. Dann folgte 1992 das Album „Bloodline“ und Mr. Wilder arbeitete jetzt mit Gastsängern wie Toni Halliday (CURVE), MOBY oder Douglas Mccarthy (NITZER EBB) zusammen. Die erste Single, das Alex Harvey Cover „Faith Healer“ wurde prompt ein Szene Hit, was er allerdings auch schon vorher war, dank den BOLLOCK BROTHERS, die sich den Song auch schon vorgenommen hatten. Mitte des Jahres 95 quittierte Wilder seinen Dienst bei der Synthie Truppe und legte von da an sein Hauptaugenmerk auf RECOIL. In seinem eigenen „The Thin Line“ Studio entstanden von da an die folgenden Alben „Unsound Methods“ und „Liquid“. So auch der vorliegende Silberling.

Eigentlich wollte sich Mr. Wilder nach dem 2000er Album nur ein paar Monate eine Auszeit gönnen, aber es wurden Jahre daraus. Der Wieder-Einstieg war gar nicht so einfach. Laut einem Interview musste er sich wieder in die Studioarbeit reinfinden, mit all der neuen Technologie. Und auf der Suche nach geeigneten Sänger/ innen ist er schließlich auch wieder fündig geworden. So reiste er nach Texas, um mit Joe Richardson, einem Singer/ Songwriter, aufzunehmen. Gefunden hat ihn der Engländer ganz einfach durch das Internet beim Googlen. Einfach „Bluessänger/ Songwriter“ eingegeben und fertig war die Kiste. Von da an war auch klar, in welche Richtung der Stil von RECOIL gehen würde. Und schon der Opener „Prey“, der auch gleichzeitig die erste Single ist, haut einem vom Hocker. Während man sich den elektronischen Schwingungen, die RECOIL im Grunde ausmachen, hingibt, zerreißt die Stimme von Mr. Richardson wie ein Tsunami die friedliche Atmosphäre. Sein markanter, predigender, fast klagender Gesangsstil ist gerade in Verbindung mit elektronischer Musik sehr gewöhnungsbedürftig. Auch „5000 Years“ tendiert eher in Richtung Gospel. Schon das Vorgänger Album war sehr Blues und Jazz-angehaucht, siehe u.a. „Strange Hours“ mit DIAMANDA GALAS, deshalb ist die Überraschung bei der jetzigen Produktion nicht allzu groß. Auch bei der weiblichen Stimme hat er mit Carla Trevaskis einen weiteren Glücksgriff getan. Mit ihrem mystischen, fast engelsgleichen Gesang ist sie genau das Gegenteil von Joe. Eindrucksvoll beweißt sie das in den Stücken „Allelujah“ und „Intruders“, einem Duett mit Joe. Wobei ersterer Track nur von ihrer Stimme getragen wird, ähnlich wie bei Lisa Gerrard (DEAD CAN DANCE). Ich habe lange nachgedacht, um zu beschreiben wem sie ähnlich klingen könnte. Ich würde sagen, so zwischen Kate Bush, Toni Halliday, Elizabeth Fraser (COCTEAU TWINS) und der oben angesprochenen Lisa Gerrard bewegt sich ihr Gesang. Um die Stücke organischer erscheinen zu lassen, rekrutierte Alan kurzerhand Joes Mitstreiter aus dessenr Band JOE RICHARDSON EXPRESS Richard Lamm (Drums) und John Wolfe (Bass). Der Frontman selbst steuerte neben seinen Gesang noch die Mundharmonika und die Gitarre bei.

In nur 7 Songs reflektiert RECOIL seine düstere Sichtweise der Menschheit, wobei der kürzeste Track gerade Mal etwas über 6 Minuten lang ist. Und diese abgründige Thematik zieht sich wie ein roter Faden durch alle bisherigen Alben von RECOIL. Einige Soundstrukturen von „5000 Years“ erinnern einen an die „Hydrology“ und beim Instrumentalteil von „Intruders“ kommen mir alte Krautrockcombos wie CAN, AMON DÜÜL II oder BIRTH CONTROL in den Sinn. Auch sie haben so ellenlange Sessions der Instrumente zelebriert.

„Subhuman“ erscheint in mehreren Formaten, neben der Standart CD gibt es eine Enhanced-Edition, bestehend aus einer Audio CD und einer DVD mit der 5.1 Abmischung und der Ambient Version des Albums. Desweitern befindet sich auf der DVD alle bisherigen RECOIL Videos u.a. „Faith Healer“, „Drifting“ und „Stalker“. Für Vinyl Liebhaber ist die aktuelle Produktion von Allan Wilder auch als Doppel LP erhältlich.

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