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REDCRAVING - Lethargic, Way Too Late

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Artist REDCRAVING
Title Lethargic, Way Too Late
Homepage REDCRAVING
Label MIDSUMMER RECORDS
Leserbewertung
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10.0/10 (5 Bewertungen)

Alles andere als lethargisch präsentiert sich das junge Hauptstadt-Quintett REDCRAVING mit seinem Mix aus Post-Hardcore und Metal, der öfters auch mal in die chaotische/ elektronische Ecke ausschweift. Vergleichbar ist der Stil am ehesten mit nationalen Bands wie AN EARLY CASCADE, die ja zugleich auch Label-Kollegen der Berliner sind, PARACHUTES und anderen Genre-Vertretern, wobei die verschiedenen Einflüsse, die auf „Lethargic, Way Too Late“ zum Ausdruck kommen, auch noch Raum für Eigenständigkeit lassen.

Nach einem interessanten Retro-Sample als Intro liefert man mit „We Sleep In Silence“ einen groovigen Rock-Einstieg in die insgesamt sieben Tracks. Neben dem Screamo-Geschrei von Fronter Maximilian driften die melodischen Leads und Hardcore-Breaks in ein leicht sickes Gefrickel ab, wie man es aktuell bei Chaoten wie IWRESTLEDABEARONCE staunend verfolgt. Hier fällt das zwar nicht ganz so “überkrank” aus, dafür entfernt sich das Stück mehr und mehr vom typisch emotionalen Gerüst und bewahrt dabei glücklicherweise seine Individualität. Mit den folgenden beiden Werken „Delete“ und „The Delayed“ wendet man sich doch eindeutiger dem Post-Hardcore zu, wobei man die Struktur mit kleinen Extras auflockert. Letzteres besticht durch seinen Hang zum Metal(-core) – Solo und Breakdown-Wände inklusive – und beim Erstgenannten greift man im Mittelteil in die Sample-Kiste, kreiert somit ein einwandfreies, melodisches Break, ohne das Stück zu weit ausufern zu lassen. Stimmlich verzichtet man vorerst gänzlich auf klaren Gesang und baut nur zwischenzeitlich ein paar gesprochene Zeilen ein. Shouter Max erinnert mich dabei stellenweise an CALIBANs Andy Dörner, der ja bekanntlich mit seiner Truppe die nationale Speerspitze bildet. Mit „…His Queen As Well“ kommt schließlich das Maximum an elektronischen Klängen zum Vorschein. Nach knappen 70 Sekunden erfährt der Hörer eine einzige Nintendo-Hardcore-Klangwand und ein fieser Breakdown am Schluss setzt dem Stück die Krone auf. ENTER SHIKARI made in Germany! Diesem Ausflug folgt ein kleines Interlude und die Platte wird mit dem eindeutig längsten Track zum Ende geführt. „The Gorge“ verpackt mit siebeneinhalb Minuten nochmal sämtliche Elemente zu einem progressiveren Stück. Es wird emotionaler, endlich kommen auch cleane Vocals zum Einsatz. Gewechselt wird von deftigem Screamo mit Metal-Einschlag über instrumentale Sphären, welche die Band unglaublich gut in Szene setzt, ohne dabei im Emo-Kitsch zu versinken, hin zu abrupten Breaks, die den Song zu einem gelungenen und ansprechendem Wechselbad formen.

Mit diesem Silberling wandern REDCRAVING definitiv in Richtung erste Liga. Selten klang in letzter Zeit eine Post Hardcore-/ Screamo-Formation so authentisch und versiert wie diese Jungs hier, selbst wenn man das Rad nicht neu erfunden hat. Dass sowas auch hierzulande ohne Schminke und Szene-Hype möglich ist, erfreut mich umsomehr. Erfreulich ist auch die multikulturelle Besetzung der Band, da das gemeinsame Auftreten als Formation der alternativen Musik das leider häufig von Vorurteilen verzerrte Allgemeinbild der Kultur unserer Hauptstadt in Frage stellt. Für mich hat die Gruppe damit auf jeden Fall gewonnen!

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