Band Filter

REIZSTROM - Zettel am Zeh

VN:F [1.9.22_1171]
Artist REIZSTROM
Title Zettel am Zeh
Homepage REIZSTROM
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.0/10 (10 Bewertungen)

Es ist immer wieder erfrischend, wie aktiv doch die Electro-Underground-Szene ist. So gibt es mit REIZSTROM wieder ein neues Projekt, welches mit „Zettel am Zeh“ sein Debutalbum vorlegt. Dabei sind die beiden Künstgler ME und SKIP INTRO beileibe keine Neulinge in der Szene, sondern mit Projekten wie MENSCHLICHE ENERGIE, COLD-BIT oder NOREEN bereits sehr produktiv gewesen. Ohne sich in eine Schublade pressen lassen zu wollen, haben die Beiden ein Werk gebastelt, das sicher grob im Bereich EBM einzuordnen ist, dabei jedoch auch artverwandte Genres bis hin zum Minimal Electro streift.

Mit dem flotten „And you came“ startet man einen tanzbaren und gelungenen Opener. Dabei fällt bereits hier auf, dass der Sänger tatsächlich eine sehr markante Stimme hat, die sich durch einen hohen Wiedererkennungswert und gutes Timing auszeichnet. Etwas sphärischer in Richtung Synthi-Pop bewegt sich „Hello“. Ein erstes Highlight bietet der 3. Song, auf den ich persönlich besonders gespannt war. So haben REIZSTROM den absoluten Evergreen „Wütendes Glas“ von der Schweizer Wave-Legende GRAUZONE gecovert. Bei Coverversionen bin ich generell immer misstrauisch, aber hier habe ich nichts zu meckern. Man hat dem Song seinen Charakter gelassen, diesen jedoch mit eigenen Elementen zu einer gelungenen Neuinterpretation werden lassen. Der sich im Songverlauf steigernde „Deep Breath“ präsentiert REIZSTROM aus einer düster-experimentellen, vom Wave beeinflussten Perspektive. Zusammen mit LEAETHERSTRIP entstand „24 Hours“, den ich mir sehr gut auf der Tanzfläche vorstellen kann. Mein absoluter Favorit folgt mit „March of the Jerks“, der ordentlich Ohrwurmqualität besitzt und ebenfalls klar in die Clubs gehört. Mit „Dynamo“ beweisen die Beiden, dass sie auch Humor in Ihrem Sound verarbeiten können – Zitat gefällig: „Ich wechsle den Strom – das ist billiger !“ „Forward“ orientiert sich wieder mehr in Richtung Synthi-Pop, der hier auch deutliche 80er Jahre Einflüsse heraushören lässt. Nachdenklicher und ruhiger ist „Helpless“. „Humanity Killer“ erinnert mich vom Stil her ein wenig an DEPECHE MODE oder auch FAD GADGET, ohne diese aber zu kopieren. Richtig cooler, harter EBM folgt wieder mit „Built on Stone“, der zusammen mit KLANGSTABIL entstand. Nach „March of the Jerks“ mein zweiter Tipp dieser Scheibe. Mit „Second Choice“ kommt wieder ein flotter Song, dem der sehr rhythmische und erneut experimentelle Track „Strom Aus“ folgt und den eigentlichen Teil des Albums beendet. Als Bonus folgen noch drei Remixe. So haben SPARKS aus „Forward“ einen EBM-Kracher geschmiedet. STAHLFREQUENZ haben sich „Dynamo“ vorgenommen und ebenfalls den EBM-Faktor etwas nach oben geschraubt. GLOBAL CITIZEN transportieren „Hello“ vom Synthi- mehr in Richtung Future-Pop. Ebenfalls sehr gelungen.

REIZSTROM merkt man deutlich an, dass sie Spaß an der Sache haben und auch nicht erst seit gestern Musik machen. „Zettel am Zeh“ bietet dem Musikkonsumenten ein abwechslungsreiches Album, das von EBM, Synthi- und Future-Pop bis hin zum Minimal Electro alles beinhaltet. Auch die Coverversion von GRAUZONE und die Zusammenarbeit mit LEAETHERSTRIP und KLANGSTABIL sowie die drei Remixe unterstützen diesen Eindruck noch einmal. In Kombination mit dem einprägsamen Gesang von ME und den durchweg tanzbaren Stücken ist so ein absolut gelungenes und empfehlenswertes Album entstanden. Ich bin mir sicher, dass man von REIZSTROM noch einiges hören wird.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

REIZSTROM - Weitere Rezensionen

Mehr zu REIZSTROM