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REVEREND BIZARRE - Harbinger of Metal

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Artist REVEREND BIZARRE
Title Harbinger of Metal
Homepage REVEREND BIZARRE
Label SPIKEFARM
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Dafür, dass ein gewisser Chris Barnes aus dem uns nicht einmal vom Hören bekannten amerikanischen Magazin Hellride Music “In the rectory of the bizarre reverend” als das beste Doom Album seit BLACK SABBATH bezeichnete, können REVEREND BIZARRE nichts. Dafür, dass manche sie für „besser als CATHEDRAL“ halten, auch nicht. Doch in einer Musiklandschaft, die sich zunehmend über bequeme Vergleiche mit der glorreichen Vergangenheit definieren muss, macht dieser in den Ring geworfene Fehdehandschuh ausnahmsweise Sinn. Nicht nur hat sich der Sänger von REVEREND BIZARRE nach einem Song der englischen Schwergewichte benannt („Witchfinder“). Zudem liegen die Wurzeln und Vorbilder des finnischen Trios eindeutig in den Siebzigern, im Blues und im psychedelischen Hard Rock. Und damit bei Lee Dorrians Kapelle.

Dass die Truppe mit „Harbinger of Metal“ einen deutlichen Schritt nach vorne machen wird, steht allerdings bereits schon fest, ehe man auch nur einen Ton gehört hat. Erschien Album Nummer eins noch bei dem eher nur Eingeweihten bekannten Sinister Figure-Label, prangt auf dem Backcover der neusten Veröffentlichung stolz der Name Spikefarm. Deren Promo- und Marketingabteilung hat für das Presseinfo schon einmal ganze Arbeit geleistet, wenngleich man die Bezeichnung der immerhin 74 Minuten langen Scheibe als „EP“ wohl eher als Scherz verbuchen muss – oder warten demnächst eine dreiviertelstundelange Single und ein auf vier CDs verteiltes Album auf uns? Man kann es beinahe mit der Angst bekommen bei soviel vorfeldlichem Lob und auch das Instrumental „Into the realms of magickal (sic!) entertainment“ weiß einen mit seiner unwirklichen Atmosphäre zu verstören, doch ist die Band genau dann am besten, wenn sie den Dogmen der Furcht abschwört. „Don’t be afraid/ Even though it’s late“ beruhigt einen „Strange Horizon“, statt auf das traditionelle Vokabular von “lost”, “In vain” und “pain” zurückzugreifen. Dass man diesen Worten nicht trauen kann, wird einem ohnehin recht schnell klar. „From the Void“ ist, als Epizentrum angelegt, das große Nichts, in welches das Album fällt, um erst nach geschlagenen zwanzig Minuten wieder aufzutauchen. Das eingestreute Drum-Solo klingt selbst in dem vergleichsweise flotten Tempo freundlich gesagt wenig virtuos, doch obwohl die Töne deutlich kürzer aushallen dürfen als z.B. bei SKEPTICISM lassen einem die Bassfrequenzen Hose und Hemd flattern. Witchhunter singt, flüstert, heult und krächzt dazu in „Dunkelheit“ wie eine Krähe. Seine Stimme, stark und zerbrechlich zugleich, gleicht weniger der ausgewählter Metaldompteure, sondern der eines ewig Unterschätzten und zwischen Wahn und Sinn verloren gegangenen: LOUIS TILLET. Ein Voodoomeister ist er, sticht seine Nadeln instinktiv und wohlwissend genau dorthin, wo es am meisten weh tut und spricht ruhig, doch mit kalter Berechnung seine Formeln – man kann die weit aufgerissenen Augen förmlich sehen. Trotzdem bleibt er ein Mensch, nicht eine Schimäre, kein Schatten und kein Geist.

Die zur Verfügung stehende Spielzeit einer CD wurde beinahe voll ausgenutzt – ein Fehler vielleicht. Solche Kundenbedienungsmaßnahmen mögen in Rezessionszeiten ein spendabler Zug sein, doch vergrößern sie die schwächeren Momente wie eine Lupe. Diese sind auf „Harbinger of Metal“ zwar selten, doch weil die Stücke weniger als findungsreich verknüpfte Flickenteppeiche denn als sich unveränderlich bis zur Ziellinie schleppende Unmutsepen funktionieren, sind Ermüdungserscheinungen unvermeidbar. Wohl eher kein Machtwechsel an der Spitze des Doom, doch kündet dieses Album von Großem. Noch Tage nach dem ersten Hördurchgang geistert diese Musik im Kopf herum, lässt einen immer wieder zu ihr zurückkehren. Das können nur wenige.

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