Band Filter

REVOLTING COCKS - Cocked and Loaded

VN:F [1.9.22_1171]
Artist REVOLTING COCKS
Title Cocked and Loaded
Homepage REVOLTING COCKS
Label 13TH PLANET RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
10.0/10 (1 Bewertungen)

„Being a man or being a woman has nothing to do with your genital.“ (REVOLTING COCKS, „Pole grinder“) Dieser Satz würde wohl die Herzen diverser Gender-Studies-Studenten höher schlagen lassen, allerdings traue ich zumindest denjenigen, die ich persönlich kenne, ehrlich gesagt nicht den notwendigen Humor zu, der für den kompletten Konsum des neuesten Outputs der revoltierenden, äh, Hähne von Vorteil wäre.

Mehr als zehn Jahre hat Oberhahn Al Jourgensen, seines Zeichens MINISTRY-Fronter und Labelbesitzer, seine Anhänger auf einen Nachfolger zu „Linger Ficken Good“ (1993) warten lassen. Angefangen hatte alles im Jahre des Herrn 1986, als Jourgensen die REVOLTING COCKS als Ventil gründete, um mit von ihm respektierten und bewunderten Künstlern zusammenzuarbeiten. „Big Sexy Land“ entstand damals zusammen mit Luc Van Acker und Richard 23 (FRONT 242). Opener auf „Cocked and Loaded“ ist „Fire engine“ – Insidern evtl. schon von Iggy-Pop-live-Mitschnitten bekannt, denn der Track ist das Ergebnis der Kollaboration zwischen Jourgensen und Pop. Klingt für mich recht MINISTRY-lastig, wie eigentlich fast die ganze Scheibe, aber das verwundert und stört mich auch nicht weiter, denn hier kommt zusätzlich ein Potpourri von verschiedensten Künstlern zum Einsatz: Jello Biafra (DEAD KENNEDYS), Gibby Haynes (BUTT HOLE SURFERS) und Billy Gibbons (ZZ TOP), um nur mal die Bekanntesten zu nennen. Entsprechend punkig-rockig ist dann auch das Album ausgefallen; um eine umfassendere Vorstellung vom Sound zu erhalten, lasse ich den Meister selbst zu Wort kommen: „It’s the soundtrack to your inner juvenile delinquent.“ Nun, das lasse ich unkommentiert. Schon zitiertes „Pole grinder“ startet ziemlich lässig und erinnert mich von der Gitarrenarbeit her an die Isländer von SINGAPORE SLING. Sprachsamples lockern das lethargisch-monotone Riffing etwas auf, genauso wie der geschriene Refrain. Mit „Calienté (Dark Entries)“ bleiben die COCKS ihrem Faible für Covers treu, denn diesmal hat es BAUHAUS erwischt – Gibby Haynes singt hier übrigens und der Track ist auch auf dem Soundtrack zu „Saw II“ zu finden.

Einen richtigen Favoriten habe ich eigentlich nicht, allerdings gefallen mir gerade die letzten drei Songs des knapp 44minütigen Werks ziemlich gut: „Devil cock“ beginnt natürlich mit irgendeiner Kirchenlitanei und dann scheppern doomig-düstere Grooves los, der Gesang ist unverständlich – dann hutzt typischer MINISTRY-Rhythmus los; wer genau hinhört, kann tatsächlich einen Hahn im Hintergrund krähen hören. „Viagra culture“ fängt mit einem gesellschaftskritischen Monolog an, dessen hysterisches Fazit lautet, „the weapon of mass destruction is us!“ Dafür, dass ich weder MINISTRY und Punk mag (jetzt kann ich’s ja sagen), gefällt mir REVOLTING COCKS sehr gut – besonders das Outro, das wieder völlig aus dem Rahmen fällt: „Revolting cock au lait“ lebt von der animierenden Frauenstimme, die sich Telefonsex-mäßig für’s Zuhören bedankt und dann ihre Begeisterung über im Titel erwähntes Organ verlauten lässt. Dazu ein monoton-stupider (das ist nicht negativ gemeint) Rhythmus, Fanfaren und überhaupt ein ziemlich gewaltiges Ende; sehr cool. Daumen nach oben und „ride on!“

In den Staaten wurde das edle Teil zum Valentinstag (! – sehr cool) veröffentlicht in Deutschland am 3. März, im restlichen Europa am 6. März. Wer sich das Spektakel live geben will, sollte die Augen offen halten: im August, bzw. September diesen Jahres reisen die, äh, Hähne nach Europa.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

REVOLTING COCKS - Weitere Rezensionen

Mehr zu REVOLTING COCKS