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ROB ZOMBIE - Halloween (DVD)

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Artist ROB ZOMBIE
Title Halloween (DVD)
Homepage ROB ZOMBIE
Label SENATOR/ UNIVERSUM
Leserbewertung
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7.0/10 (1 Bewertungen)

Dass sich ROB ZOMBIE mit seiner Neuverfilmung des Slasherfilm Klassikers von Herrn Carpenter auf ganz dünnes Eis begeben würde, war allen einigermaßen Filminteressierten Menschen von vorneherein klar. Ist doch „Halloween“ der Prototyp eines ganzes Genres, legte Handlungsmotive wie Erzählstrukturen so fest wie in kaum einem anderen cineastischen Bereich. Die subjektive Kamera, die Bestrafung der sexuell Schuldigen, die multiplen Todesarten (ohne freilich expliziten Gore zu zeigen!). Dennoch traute man es dem Ex-Schock Rocker zu, die Geschichte mit Verve und Stil neu zu interpretieren, war doch sein bisheriges filmisches Oeuvre durchaus eindrucksvoll. War das „Haus der 1000 Leichen“ noch ein unterhaltsames Sammelsurium interessanter Horrormotive von Hooper bis Fulci, bannte er mit dem Sequel „The Devil’s Rejects“ aus dem Jahre 2005 ein richtig schön krankes Terror Movie auf die Leinwände, das der amerikanischen Trash Unterschicht ein dickes „Fuck You“ ins blutverkrustete Gesicht schleuderte. Man durfte also gespannt sein, wie der Herr einer fremden/ übermächtigen Vorlage gerecht werden würde.

Um es vorweg zu nehmen, das Ergebnis ist auf alle Fälle zwiespältig zu nennen. Zwar macht der Streifen stilistisch einiges her, was man im Grunde auch erwarten konnte, doch in Punkto Figurenzeichnung und Psychologie schlägt die Grobschlächtigkeit erbarmungslos zu, die man sich eigentlich nur im Gore Bereich gewünscht hat. Michael Myers ist nun der Spross einer dysfunktionalen Familie, die gleich mal direkt aus den beiden oben erwähnten Streifen entlaufen sein könnte. Mutter stripped, Vater ist ein asoziales Arschloch von einem Gewalttäter und die Schwester hat auch nur ihre Schamlippen im Kopf. Kein Wunder, dass Mikey immer maskiert herum läuft, noch dazu mit einem KISS-Shirt bekleidet. Hier bedient Herr Zombie Klischees, die gerade er bei seiner Vita besser umgangen hätte. Immerhin gelingt die Verkörperung durch William Forsythe („Das Leben nach dem Tod in Denver“) und Robs persönliche Muse Sheri Moon einigermaßen angemessen. Wie überhaupt es einer der größten Verdienste dieses Films zu sein scheint, Horror Ikonen vergangener Zeiten wieder zusammen zu führen. Ein dermaßen überbordendes Kontingent an Kult-Schauspielern dürfte relativ einmalig sein, mit den Filmographien allein könnte man Bände füllen: Unser Udo Kier, Narbengesicht Danny Trejo, Clint Howard, Brad Dourif, Richard Lynch (der etwa 20 Jahre älter ausschaut als er ist), Tom Towles („Henry: Portrait of a Serial Killer“), Ken Foree als raubeiniger Trucker („From Beyond“, „Dawn of the Dead“), Dee Wallace Stone und last but not least doch tatsächlich die Österreicherin Sybill Danning in der Rolle einer Krankenschwester. Die Dame war immerhin fast 20 Jahre weg von der Bildfläche, wer erinnert sich nicht an „Chained Heat“ oder den „Tag der Cobra“ an der Seite Franco Neros. Sogar bei einer Derrick-Folge war sie an Bord – doch ich schweife ab. Also Dr. Loomis ersetzt Malcom McDowell den charismatischen Donald Pleasance. Beide nicht gerade die talentiertesten Schauspieler vor dem Herren, doch mit eine Menge Screen Präsenz gesegnet. Kann der gute MMD nach „Clockwork Orange“ und „Caligula“ nun einen weiteren außergewöhnlichen Streifen in seine Filmographie aufnehmen.

Leider wirken insbesondere die Szenen in der Anstalt nicht sonderlich zwingend und tiefenpsychologisch interessant schon mal gar nicht. Die guten Absichten der Modernisierung, etwas mehr Hintergrund der Figur Myers’ aufzudecken, werden zwar erkennbar, aber gerade das ist einer der Kardinalfehler dieser Cover Version. Man will die unheimliche Aura des Killers aber nicht seine konkreten Beweggründe. Spätestens in der 2ten Hälfte aber, wenn es konventionell roh und blutig zugeht, fühlt sich der Regisseur sicherer, wenngleich es hier zu nicht mehr denn einer makaberen Nummernrevue reicht. Dem Genrefan wird es langen und einige Titten sorgen auch für Unterhaltung. Sogar die altbackene Moral wird aufrecht erhalten. Das Ende kommt dann reichlich undurchsichtig daher. Offensichtlich wurde hier nachgedreht, denn die finale Verfolgungsjagd ist nicht nur relativ langweilig in ihrer endlosen Zerstörungsorgie sondern auch mit einem offensichtlich anderen Hauptdarsteller in Szene gesetzt worden. Ein im Internet kursierender Rohschnitt belegt diese These, denn hier wird Myers relativ unspektakulär aber dafür wesentlich glaubwürdiger/ nachhaltiger abgeschossen. War den Testzuschauern offensichtlich nicht spektakulär genug. Die deutsche Kino-Fassung stellt dann auch die ungekürzte R-Rated Fassung mit eben jenem verlängerten Ende dar. Also immerhin schön blutig, wenngleich wir es hier eigentlich mit einer besseren Direct-To-DVD Ware zu tun haben. Doch Horror läuft und verkauft wie verrückt, insofern war der Lichtspiel-Einsatz nachvollziehbar.

Senator/ Universum veröffentlichen „Halloween“ in 2 Fassungen. Einmal die „normale“ R-Rated im 2.35:1 Format, verpackt in eine schöne Steelbox und mit lediglich einem Trailer als Bonus. Dazu dann aber die für den Fan weitaus interessantere Unrated Director’s Cut Doppel-DVD-Version, ca. 11 Minuten länger mit Haufenweise Extras wie Audiokommentar oder Making of. Dieses gute Stück lag mir leider nicht vor, dennoch ist es hier wichtig zu erwähnen, dass es sich NICHT um den bereits erwähnten Workprint handelt, das alternative Ende ist allerdings vermutlich dieser Fassung entlehnt. Technisch gibt es am anamorphen Bild nichts auszuwenden, inhaltlich bleibt dieses im Grunde unnütze Remake zwiespältig. Für Horror Buffs und sogar „Filmstudenten“ ein unterhaltsames Gemetzel mit Schwächen, dürfte die etablierte Filmkritik ebenso wie der Mainstream Zuschauer gleichsam gelangweilt wie angewidert sein. Für die Zukunft sollte sich der gute Rob auf seine Stärken besinnen und der gegenwärtigen amerikanischen Gesellschaft einen grotesken Spiegel vorhalten.

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