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ROGER TAYLOR - Fun on Earth

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Artist ROGER TAYLOR
Title Fun on Earth
Homepage ROGER TAYLOR
Label VIRGIN/ UNIVERSAL
Leserbewertung
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7.0/10 (2 Bewertungen)

32 Jahre ist es her, seit QUEEN-Drummer ROGER TAYLOR sein erstes Soloalbum „Fun in Space“ vorgelegt hat, jetzt kehrt er aus dem All zurück und bringt sein neues Werk „Fun on Earth“ mit, insgesamt erst sein fünfter Ausflug in Sologefilde, obwohl QUEEN seit Freddie Mercurys Tod so wenig neues Material abgeliefert haben, dass eigentlich genug Zeit für mehr „Music made by Taylor“ gewesen wäre. Ist aber nicht, und so muss man sich mit dem begnügen, was er abliefert.

Was er abliefert, kommt dann allerdings ein bisschen zwiespältig daher. Man merkt dem Album an, dass hier ein Musiker am Werk, der schon lange niemandem mehr irgendetwas beweisen muss, um seine Qualitäten zu untermauern. Da ist kein hektisches Bemühen zu spüren, dass da jemand einen radiotauglichen Hit abliefern muss. Mr. Taylor veröffentlicht eben mal wieder ein paar neue Songs, und das war’s auch schon. Da ist ein Mann mit viel Gelassenheit ins Studio gegangen, aber man könnte Gelassenheit auch als Langeweile umdeuten, denn Experimentierfreude lässt TAYLOR hier vermissen. Jemand wie er könnte es sich leisten, mal etwas wirklich Unverhofftes auf einen Tonträger zu bannen, stattdessen gibt es was aus dem Rock-Fach („One Night Stand“), etwas aus der Abteilung Blues („Be with you“) und auch noch obendrauf ein bisschen Ballade („Quality Street“, mit einer Saxophoneinlage, wie sie vor 20 Jahren obligatorisch und schon damals nervig gewesen wäre) – „I don’t care“ enthält dann noch ein paar Jazz-Zitate. Das zeugt natürlich von Vielseitigkeit, hier wirkt ein Musiker, der in vielen Stilrichtungen zu Hause ist. Aber gerade da kommt der Zwiespalt ins Spiel, denn diese Vielseitigkeit lässt sich auch als Ziellosigkeit deuten, so als hätte TAYLOR einfach alles Mögliche zusammengeworfen, was ihm in den Sinn kam, ganz ohne klare Linie. Da hilft es auch nicht, wenn er sich einmal von Jeff Beck an der Gitarre begleiten lässt.

Ähnlich unausgewogen kommt die lyrische Seite daher. Vielleicht erwartet man automatisch zu viel von dem Mann, der Queen-Perlen wie „Radio Gaga“ geschrieben hat, aber es ist halt ein bisschen problematisch, wenn man zum einen den „Belanglosigkeit des Jahres“-würdigen Song mit dem Titel „One Night Stand“ (der sich darum dreht, dass Mr. Taylor gern einen solchen hätte) hört und andererseits „The Unblinking Eye“ präsentiert bekommt, in dem der vielseitige Drummer sich über die Sinnlosigkeit des Afghanistan-Kriegs und über die launische Haltung der britischen Regierung in Sachen Europapolitik mokiert, bei der er nicht zu sagen vermag, ob das Vereinigte Königreich nun ganz, halb oder gar nicht zu Europa gehören will. Bei Letzterem bekommt man fast das Gefühl, dass ROGER TAYLOR am U2-Weltverbesserersyndrom Morbus Bonoismus leidet, und das will so gar nicht zu dem Album passen, erst recht nicht, wenn dieses den Begriff „Fun“ im Titel trägt. Aber auch wenn eine klare Linie fehlt und der Großteil des Albums recht beliebig wirkt, ist nicht alles schlecht. „Sunny Day“ beispielsweise klingt ganz anders als der Großteil der Songs sehr nach QUEEN, und das so sehr, dass man sich lebhaft vorstellen kann, wie diese Nummer von Freddie Mercury gesungen und von Brian May auf der Gitarre begleitet rübekommen würde. In die gleiche Richtung tendiert auch der letzte der dreizehn Tracks „Smile“ (nicht, dass ich in Deutungswut verfallen möchte, aber könnte das eine Anspielung auf den Bandnamen sein, den QUEEN vor QUEEN trug?), der durchaus eine Demoversion für einen wundervollen, pompösen Mercury-Song sein könnte, vollgepackt mit Harmonien, Satzgesang, vielen, vielen Streichern und einem bombastischen Arrangement.

Das sind die Momente, in denen man sich sehnlichst wünscht, der gute Freddie würde noch unter uns weilen, um solche Stücke mit Leben und Charisma zu erfüllen, wie nur er es konnte. Aber es sind auch die Momente, in denen TAYLORS Talent als Songschreiber am hellsten strahlt, und das entschädigt doch ziemlich für den nicht schlechten, aber doch unterhalb des Potenzials des Künstlers liegenden Rest.

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