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ROSEWATER - Motor Medicine

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Artist ROSEWATER
Title Motor Medicine
Homepage ROSEWATER
Label STURMMANDAT
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Viel zu oft blickt man bei der Suche nach neuen, interessanten Acts in die ewig gleichen Fleischtöpfe, so dass man die interessanten Dinge, die sich am Rande auftun, oft gar nicht bemerkt. Eine Bekannte aus Estland machte mich auf eine lettische Elektro-Formation aufmerksam, die im baltischen Raum schon lange nicht mehr zu den Geheimtipps gehört. Und sie sollten noch dazu ein wenig nach FEINDFLUG klingen! Neugierig öffnete ich das Päckchen, um eine vollkommen professionell gefertigte CD im noblen Digi Pack vorzufinden. Kurz zur Bandgeschichte: ROSEWATER entstanden 1997 aus einer ehemaligen Grunge bzw. Punkband, die sich zwangsweise den synthetischen Klängen zuwenden musste, als ihr Drummer in die USA verschwand (womit die Amis mal wieder unbewusst etwas Gutes vollbracht haben). 2000 brachte man beim baltischen Label „Sturmmandat“ das Debüt „Kursk“ heraus, wurde im Laufe der Zeit gleichsam immer härter und das Ergebnis aller Anstrengungen ist das vorzüglich gelungene Zweitwerk „Motor Medicine“.

Ein hypnotisches, sich stetig steigerndes Intro leitet das Elektro-Inferno ein, welches meistenteils avokal erfolgt, will sagen es gibt nur selten Gesang, und wenn, dann ist er stark verzerrt („Condomat“, „The Same“) und erklingt somit wie ein weiteres Instrument neben den Keys. Die Stücken fallen allesamt hart, aber sehr rhythmisch und oft auch tanzbar aus, zumindest für eine gewisse Klientel. Ständige Wiederholungen der Hauptthemen nehmen den Hörer unweigerlich gefangen in einer Welt voller industrieller Kälte. Überraschend fallen viele kleine aber feine Elemente am Rande aus, so werden des öfteren Breakbeats verwendet und eine gewisse Vorliebe für 80er Minimal-Elektrosounds lässt sich auch nicht leugnen. Gleich Track Nr. 2 – „Plastic Minute“ – enthält so einen Melodiefetzen mit Casio-Klang, der einem nicht mehr aus den Ohren weicht, ein absoluter Hammertrack. Was die angesprochene Verwandtschaft mit FEINDFLUG angeht, so findet man gewisse Parallelen beim Härtegrad, der künstlerischen Attitüde und dem monoton impulsiven Aufbau. Dennoch ist den Letten hier etwas sehr Eigenständiges und extrem Hochwertiges gelungen.

Für Fans von „harschem EBM“ abseits aller Trends dürfte ROSEWATER mehr als ein Geheimtipp sein und allen deutschen Labels sei die Lizenzierung wärmstens empfohlen (besonders NoiTekk sollte sich hier angesprochen fühlen!), das Produkt ist bereits in seine jetzigen Form absolut konkurrenzfähig. Und da auch der visuelle Aspekt durchdacht ist bis in Detail und die Balten live ein Inferno veranstalten sollen, gibt es hier aber auch mal gar nichts zu meckern.

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