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ROSTIGES RIESENRAD/ AALFANG MIT PFERDEKOPF - Figuren in der Nacht, geführt von der Leuchtspur der Schnecken

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Artist ROSTIGES RIESENRAD/ AALFANG MIT PFERDEKOPF
Title Figuren in der Nacht, geführt von der Leuchtspur der Schnecken
Homepage ROSTIGES RIESENRAD/ AALFANG MIT PFERDEKOPF
Label GROTTENVOLK RUNDFUNK
Leserbewertung
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Neues aus dem Hause Aalfang und diesmal haben sie ihren Freund ROSTIGES RIESENRAD mitgenommen, dessen Tape „Rastlose Schwarze Ströme“ unserer Aufmerksamkeit entgangen ist, der sich aber bereits unter dem Pseudonym ULTOR mit rastlosen schwarzen Tönen auch auf diesen Seiten bemerkbar machte. Das Päckchen vom Postboten enthält diesmal eine Split-CD mit einem Namen, den wir aus Platzgründen nur im Titel drucken können und dem ersten Album des korrodierenden Rundlings, beide nicht bei WOM, sondern nur übers Netz zu bestellen.

Seltsamerweise klingt letztere viel eher wie eine von verschiedenen Künstlern erstellte Veröffentlichung als erstere, doch deutet die Überschrift „Kontrollverlust“ bereits darauf hin, dass wilde Stimmungsumschwünge hier durchaus beabsichtigt, bzw. unumgänglich waren. Zwei halbminütige Miniaturen leiten einen rasanten Reigen aus Industrial Ambient, verstörendem Noise und karikiertem EBM ein, der scheinbar wahllos von einem Stil zum Nächsten springt und mehr wie eine Werkschau denn ein anschauliches Werk anmutet. In den besten Momenten von unwirklicher Schönheit, in den schlechteren eher anstrengend gibt es bei 14 Tracks immerhin eine ganze Menge zu entdecken und wer den Programmierknopf auf seinem CD-Spieler zu bedienen weiß, kann sich aus den Stücken des Puzzles ein persönliches Bild zusammenstellen. Wohingegen RIESENRADs Beiträge auf der Split geradezu beklemmend konzentriert und von beeindruckend einheitlicher Qualität daherkommen. Von der höchsten im Übrigen, denn diese fünf meisterhaft inszenierten Klangexkursionen mit so wunderbaren Titeln wie „Eisentrümmertraum“ und „Manöver bei Nacht“ verschmelzen neonfarbene Akkorde, Melodiefetzen, warm atmende Streicherflächen, fremde Stimmsamples, Klavieretüden, das Klappern von Metall und Wasserplätschern zu einem dichten, hypnotischen Amalgam: Zu einer Hälfte Edgar Varese auf LSD, zur anderen KRAFTWERK im Kohlenkeller.
Auch AALFANG sind wieder einige gelungene Namensgebungen gelungen, doch sind die damit umschriebenen Kompositionen ebenso unscharf fokussiert, wie man es bei „die dicken Frauen aus dem ersten Stock pflegen ihre offenen Wunden“ erwarten darf: Die Musik ist hier das Medium, durch das ungesteuert Gedanken, Assoziationen und Erinnerungen an Klang und Form hindurchfließen. Das ist leider nicht ganz so eindringlich und auf den Punkt wie noch letztens auf ihrem Meisterwerk „Im Schlachthof blühen die Blumen“, doch es soll ja auch Leute geben, die „Pommes Fritz“ für das beste THE ORB-Album halten. Und mit dem besagten „die dicken Frauen…“ und der furchterregenden Geistergeschichtenvorlesestunde „Winterfleisch“ sind dem Kollektiv auch wieder zwei große Würfe gelungen.

Besser kann eine Split wohl kaum sein: Zwei Bands, die gespenstisch gut zueinander passen und sich, wohl eher zufällig, gegenseitig die Bälle zuspielen. Kosten: Sieben Euro. Wer das für zu teuer hält und sich dann für Acht Mäuse plus Popkorn in Troja setzt, kriegt bei mir kein Bier mehr ausgeschenkt.

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