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ROVER - s/t

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Artist ROVER
Title s/t
Homepage ROVER
Label CINQ7
Leserbewertung
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1.0/10 (1 Bewertungen)

ROVER ist der Künstlername des Herrn Timothée Réginier. Der Franzose war vor seinem Alleingang Mitglied der Punkband THE NEW GOVERNMENT, welche die Denkweise in Nahost anprangerte. Keine große Überraschung, dass es unter diesem Vorzeichen vor zwei Jahren Visaprobleme gab und der Libanon den weitgereisten Musikus des Landes verwies. Der kehrte nach Frankreich zurück, blieb in einem Haus voller Instrumente in der Bretagne hängen und über den Winter nahmen eigene Kompositionen und Aufnahmen Gestalt an.

Insgesamt 17 Songs haben es auf den selbstbetitelten Erstling geschafft – neben den zwölf regulären auch fünf Bonus-Tracks. Wo genau der Unterschied liegt, vermag ich nicht zu sagen. Okay, „Champagne“ gibt es in zwei verschiedenen Varianten und die Demo-Version, welche obendrauf gepackt wurde, bringt eine Mundharmonika mit ins Spiel, außerdem klingt die Stimme des Franzmanns, der große Teile seiner Kindheit in New York verbracht und dort gemeinsam mit den STROKES das French Lycée besucht hat, in der Rohfassung nicht ganz so stark nach DAVID BOWIE. Hätte dieser jedoch einen gemeinsamen Sohn mit NICK CAVE, könnte der ohne weiteres wie ROVER klingen. Es geht vielleicht nicht so düster zu wie aktuell beim Australier, aber auch sehr intensiv, wie bereits der getragene Opener „Aqualast“ zu verstehen gibt. Der Bowie kommt beim treibenden „Remember“ dann zum ersten Mal so richtig durch – und taucht in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf. Nun wird aber nicht einfach nur kopiert, sondern kreativ umgesetzt und weiterentwickelt, was sich an Einflüssen in den Weg stellte. BRIAN WILSONs BEACH BOYS gehören neben DAVID BOWIE ebenso dazu wie die BEATLES oder INTERPOL. Deshalb darf es wie bei „Tonight“ auch einmal beschwingter zur Sache gehen, ehe das verspielte „Queens of The Fools“ ebenso wie die Klaviernummer „Wedding Bells“ das Tempo drosseln. „Lou“ präsentiert sich melodiös mit geradezu dahin gehauchtem Gesang, ehe mit dem reduzierten „Silver“ Dramatik auf dem Programm steht. Ein wenig verquer kommt wenig später das elektrifizierte „Carry On“ daher – auch hier wird an Theatralik nicht gespart. Monsieur Réginier mag’s halt ein bisschen üppiger und so gestaltet sich sein Debüt gelegentlich wie eine düstere Operette. In diesem Sinne schließen sich „Late Night Love“ und „Full of Grace“ an, bevor das akustische „Joy“ des Musikers Stimme in falsettartige Höhen schraubt. Inzwischen sind wir im Bereich der Bonus-Lieder angekommen, die sich insgesamt etwas reduzierter darstellen. Genannt sei hier „Father I Can’t Explain“ oder das schrammelnde „Lonely Man“. „Silence To Navigate“ und „Berenice“ beenden den musikalischen Ausflug mit ROVER dann noch einmal mit dezentem Drama.

Auf dem Cover seines ersten Solo-Albums macht ROVER durchaus Oscar Wilde Konkurrenz. Ich könnte mir vorstellen, dass der Dandy, würde er heute leben, die Musik des Franzosen gemocht hätte. So viel Tragik, Romantik und Melancholie wie da drin steckt. Ein bisschen Seelen-Striptease ist bestimmt auch mit dabei, glücklicherweise versinken die Songs aber nicht gänzlich in schwerer Depression, sodass beim Hören keine echte Suizidgefahr besteht.

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