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RUDE REVELATION - Lost in Entropy

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Artist RUDE REVELATION
Title Lost in Entropy
Homepage RUDE REVELATION
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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10.0/10 (3 Bewertungen)

Mit “Lost in Entropy” legen die luxemburgischen Nachwuchsthrasher RUDE REVELATION ein nahezu sensationelles Debüt vor. Kaum zu glauben, dass die Band erst seit knapp zwei Jahren zusammen musiziert. Es ist der Band bereits jetzt gelungen, einen eigenen Stil und eine erkennbar eigene Handschrift zu entwickeln. Grundlage des Sounds sind Old School Thrash Elemente: Sägende Gitarren, treibender Bass, Double Bass Attacken, wütend bellender Gesang. So weit ist das noch nichts, was direkt zum Nägelkauen verführt. Auch die Tatsache, dass die Luxemburger immer wieder Modern School Thrash aus dem MACHINE HEAD und PANTERA Fundus einbauen, sollte 2009 noch nicht für die ganz gewaltigen Adrenalinschübe sorgen. Weitere Abwechslung gewinnt die Band aus dem sogenannten Melodic Death Metal. Zudem ist zu erwähnen, dass es einige ruhige Passagen mit cleanem Gesang zu hören gibt. Entscheidender als diese Grundzutaten sind jedoch die Songs, die hinten heraus kommen. Und die haben es gewaltig in sich! Billige Aufmerksamkeit erheischt allein die Tatsache, dass die Band eine Sängerin hat, die sehr attraktiv ist. Das lässt einen zunächst misstrauisch werden, schnell drängt sich der Verdacht auf, dass hier eine Combo leichte Prominenz erschleichen will (ARCH ENEMY, ick hör Dir trapsen…).

So wenig es zu beurteilen ist, ob es innerhalb des männlichen RUDE REVELATION Teils solche Überlegungen gegeben hat, so sehr ist hier darauf hinzuweisen, dass die junge Dame namens Noemie Leer in diese Band wie herein gemalt passt. Der Dame gelingt es mit ihrer Performance, sich in die Sabina Claaßen/ Dawn Crosby Hall of Fame zu singen, shouten und zu texten. Den gut komponierten Songs setzt sie die Krone auf. Oft wechselt sie zwischen höchst aggressiven Shouts und klarem Gesang, den sie offensichtlich ebenso souverän beherrscht. Dadurch bleiben die Stücke dynamisch und bauen Spannungsmomente auf. Das zweite große Trumpfass der Newcomer sitzt hinter der Schießbude, hört auf den Namen Andre Millim und verleiht der Band mit seinem ebenso druckvollen wie komplexen Spiel zahlreiche Akzente und spielt sich schlicht den Arsch ab. Sehr gut. Zum Liedgut: Insgesamt zehn vollständige Titel gibt es zu hören, dazu einen Prolog, einen Epilog sowie ein Interludium. Dazwischen wird das Mett geklopft! Die Stücke sind definitiv beseelt vom Spirit des alten Thrash Metal, hier gibt es auf die Ohren und die Texte sind nackte Negativität gegenüber gesellschaftlichen Ordnungseinheiten wie Religion oder Militär.

Es bleibt die Frage nach Highlights und Anspieltipps. Hier ist zunächst der Opener „Defiled 15“ zu nennen, mit dem RUDE REVELATION bereits eine klare Visitenkarte abgeben und zeigen, wo ihre stilistische Reise hingehen soll: Walzender Einstieg im Midtempo, schneller, schneidender Thrash Part, dann eine melancholische Bridge mit bittersüßem Klargesang, die dann wiederum in schädelspaltenden Thrash Metal übergeht. Nebenbei ein Opener, der einfach mal auf einen Chorus verzichtet. Soll ja auch nicht zu einfach werden. Prinzipiell sind damit die Bausteine des typischen RUDE REVELATION Songs durchaus versammelt. Diese werden immer wieder vermischt, mal werden die Lieder dankenswerter Weise mit Refrains ausgestattet, generell aber gilt: Das Zuhören ist hier auch mit eigener Anstrengung verbunden und das ist gut so! Des weiteren dringend zu nennen „This Eternal Quest (Rejected Remains of Oblivion)“, eine hasserfüllte Abrechnung mit der Mutter, die ihr Kind adoptieren ließ und ihre Identität nie Preis gab. Musikalisch gibt es auch hier das volle Programm: hartes Riffing in der Tradition frühe METALLICA/ ewige SLAYER, eine Passage mit PANTERA/ MACHINE HEAD Arschtritt, schließlich vernichtende Blast Beats. Hätte die Nummer noch einen echten Chorus, die Band hätte sich vermutlich bereits jetzt einen Alltime Thrashhit ans Revers heften können. Bitte checkt diesen Song, viel besser geht harter Metal einfach nicht. Auch das abschließende „Waiting“ hält ganz hohes Niveau.

Das Fazit fällt mir angesichts der dargebotenen Klasse leicht: Wer den heißesten Newcomer im Thrash Metal hören will, braucht nicht EVILE, nicht MUNICIPAL WASTE und auch nicht GAMA BOMB. Die wichtigste Nummer kommt aus Luxemburg und hört auf den Namen RUDE REVELATION! Also Jungs und Mädchen, schenkt der Szene ein paar Refrains mehr und Euch gehören bald schon die großen Bühnen.

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