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SANGUIS - Infernum Infinitum

VN:F [1.9.22_1171]
Artist SANGUIS
Title Infernum Infinitum
Homepage SANGUIS
Label SUPREME CHAOS RECORDS
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
10.0/10 (1 Bewertungen)

Das Auge hört mit. Die Plattenfirmen scheinen begriffen zu haben, dass das Booklet eine wichtige Rolle in der Entscheidung zwischen Brennen und Bezahlen spielt. Doch den Unterschied zwischen einem von einer Marketingagentur zusammengezimmerten Büchlein und einem mit Herzensblut unterschriebenen Kunstwerk erkennt der Fan sofort. Ein solches Kunstwerk hat Nadja Tafferner für „Infernum Infinitum“ abgeliefert: Surreal, suggestiv und gespenstisch bauen die Bilder eine Spannung auf, die in der Musik ihren Widerklang finden soll. Und genau das tut sie.

SANGUIS kommen aus Österreich, doch sollte man sie nicht vorschnell in eine Reihe mit ihren dortigen Kollegen stellen. Obwohl auch sie nicht auf das obligatorische Corpsepaint verzichten, fällt ihr Ansatz deutlich songorientierter und weniger strukturell aus als zum Beispiel bei den im letzten Jahr mit einem starken Debüt auf den Plan getretenen ASMODEUS. Das wird auch in den Songtexten erkennbar, die sich nicht mit Mystik oder Legenden beschäftigen, sondern mit der direkten Konfrontation mit dem Bösen. Bandkopf Sturm glaubt (im Gegensatz zu BOB DYLAN), dass der Tod das Ende ist, der Mensch fast zwangsläufig der Versuchung erliegen muss und bezeichnet Schmerzen als ein „wahrlich ehrliches Vergnügen“. Darüber ließe sich wohl trefflich streiten, denn der Unterschied zwischen Pein und Glück liegt wohl weniger in Ehrlichkeit, als in der Unausweichlichkeit. Spannend ist der ungeschönte und vor allem persönliche Blick in seine Gedankenwelt allemal; vor allem weil in ihr das Paradox aus Misanthropie und Stolz erhobenen Hauptes die Fahne schwingt. Diese Dychotomie – Härte und Harmonie – bestimmt maßgeblich und in allen Aspekten den Charakter des Albums: Die brachial aufspielende Band scheint sich mit jeder angeschlagenen Saite, mit jedem Hieb aufs Drumgestell gängigen Konventionen zu entziehen, doch die Stücke werden streng nach dem Strophe-Refrain Schema durchexerziert. Zudem wechseln sich aggressive und eingängigere Passagen ab. Im Chorus springen die Vocals von hohem Kreischen zu tiefen Death-Grunts, was ihnen zusätzliche Kraft und Energie verleiht. Während Bass und Schlagzeug über weite Strecken recht unkompliziert (aber mit mörderischem Tempo!) zu Werke gehen, glänzt „The Serpent-Kiss“ mit gekonnten Breaks und unerwarteten Rhythmusverschiebungen. In die gelegentlich verschnörkelten Gitarrenlinien hat sich auch ein Quentchen Gothic eingeschlichen, was die Farbe der Platte von Schwarz etwas ins Graue, Zwielichtige verschiebt. Und Filmfreunde sowie Liebhaber von Exotischem können sich schon mal auf die Suche nach der Erkennungsmelodie der BBC Serie „Dr. Who“ machen, die in einem der Songs eingebaut wurde.

SANGUIS haben somit alles daran gesetzt, ein mehrdimensionales Werk zu erschaffen, das krass und zugänglich zugleich ist. Da alle Stücke aber ausnahmslos zwischen fünf und sieben Minuten lang sind, ist das Album zwar was den Ablauf angeht in sich geschlossen, aber auch ein wenig vorhersehbar geraten. Das ist aber das Einzige, was man „Infernum Infinitum“ vorwerfen kann, das ansonsten eine eisenstarke Einheit aus Optik und Musik bildet.

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