| Artist | SARAH LESCH |
| Title | Gute Nachrichten |
| Homepage | SARAH LESCH |
| Label | MEADOW LAKE MUSIC |
| Leserbewertung |
„Gute Nachrichten“ ist bereits das sechste Album von SARAH LESCH aus Leipzig. Die 38-jährige, die bereits mit 17 Mutter wurde, machte vor allem mit dem sechsminütigen Song „Testament“, den sie für ihren Sohn geschrieben hat, von sich reden. Das lag insbesondere daran, dass die Nummer, die das Kind auf eine ungewisse Zukunft vorbereiten sollte, von rechtspopulistischen Websites und rechtsextremen Gruppierungen im Internet verbreitet wurde. Von dieser Vereinnahmung hat sich SARAH LESCH ausdrücklich distanziert und nennt sich selbst links, queer und feministisch.
Mit ist sie erstmals mit ihrem dritten Longplayer „Da draußen“ untergekommen. Stilistisch war sie damals im Singer-Songwriter-Kosmos unterwegs, von diesem Genre hat sich Sarah mit „Gute Nachrichten“ jedoch ein gutes Stück entfernt, stattdessen geht es in klassischer Bandbesetzung gleichermaßen punkig, rockig und bluesig zur Sache. Mit viel Schmackes versucht sie sich mit dem „Kapitalismus“ anzufreunden und sinniert mit jeder Menge Groove über „Die Spaltung der Gesellschaft“, ehe das beatlastige „Wo ist die Disco“ auf den Dancefloor bittet – eindeutig mein Favorit der Platte! „Dey“ wurde bereits als Single ausgekoppelt und fordert gut gelaunt und ohne erhobenen Zeigefinger zum Gendern auf. „Was soll ich sagen?“ beschreibt mit straighten Rocksounds die Sprachlosigkeit eines Beziehungsende, während „Wenn er nicht trinkt“ mit leisen Klängen vom Alkohol-Problem eines geliebten Menschen erzählt. „Bitte nicht anfassen“ übernimmt mit munteren Rockmelodien, wohingegen Lesch bei „Dopamin“ zu getragenen Tonfolgen greift und sich mithilfe diverser Hormone und jaulender Gitarren den Liebeskummer von der Seele singt. „Holzofenpunker Pierre“ präsentiert sich recht hemdsärmelig, „Mein Manager“ punkig und „Der letzte Faschist“ ist ein Wunschtraum, der vermittels eines Banjos bluesgeschwängert zelebriert wird. Leider sind wir noch weit vom letzten Fascho entfernt und deshalb ist ein Song wie das finale „Nie wieder“ leider immer noch – oder gerade jetzt – absolut nötig.
„Gute Nachrichten“ markiert für SARAH LESCH einen Befreiungsschlag; im Vorfeld trennte sie sich konsequent von ihrem bisherigen Umfeld und wagte mit ihrem neuen Team (zur Band gehört der Drummer und Perkussionist Dominique „Gaga“ Ehlert, Tasten, Saiten und Produktion hat Norman Dassler übernommen, Sebastian Gieck zupft den Bass und Sascha Stehler haut in die Tasten von Keyboard und Piano) einen Aufbruch in eine neue Autonomie, die musikalisch mit zwölf abwechslungsreichen, druckvollen und hoffnungsvollen Tracks gefeiert wird. Die Texte sind immer empathisch, manchmal ironisch und auch schon mal leicht zynisch, jedoch immer absolut hörenswert.

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