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SCALE THE SUMMIT - The Migration

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Artist SCALE THE SUMMIT
Title The Migration
Homepage SCALE THE SUMMIT
Label PROSTHETIC
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Ob ich es nun bereuen soll, erst vor wenigen Wochen das erste Mal von SCALE THE SUMMIT gehört zu haben, oder einfach die glückliche Fügung, kurze Zeit später gleich ein komplettes Album zu erhalten, dankend annehmen sollte – unbestritten ist: diese Band ist eine Bereicherung! Nun haben die Jungs und Mädels bei Prosthetic ja schon mit ANIMALS AS LEADERS einen guten Riecher für instrumentalen Prog-Metal bewiesen, doch was der musikalisch studierte Vierer aus Texas auf seinem mittlerweile vierten Album (in sechs Jahren!) an ausgefeilter Wucht präsentiert, zieht auch noch an den komplexen Werken eines Tosin Abasi vorbei.

Bei gleichem technischem Niveau manövrieren Chris Letchford und Travis Levrier ihre 7-Saiter beinahe „Djent“-los durch eine sämtliche Tempo-, Technik- und Melodie-Sphären beschreibende Landschaft, die mit dem abstrakten, mild gefärbtem Natur-Artwork in perfekte Symbiose tritt. Facettenreich galoppiert schon das einleitende „Odyssey“ los, das träumerisch harmonische „Atlas Novus“ hängt mir mit seinem grandiosen Tapping ohnehin schon längst im Kopf. „The Olive Tree“ progt mit Stop-and-Go-Rhythmik schön treibend nach vorn, und nach den zarten Bass-Flageoletts von „Evergreen“ bemüht „The Dark Horse“ auch mal verstärkt die tieferen Klampfenregionen. Allein die instrumentalen Leistungen sind over the top, der Reichtum an Ideen ist, nun, mehr als reich, doch die wirkliche Stärke von SCALE THE SUMMIT liegt darin, dieses massive Konstrukt in ein allzeit genießbares Endprodukt zu kanalisieren. Zusätzlicher Gesang ist hier wirklich nicht mehr nötig, und so kann man die Entscheidung Letchfords verstehen, nach anfänglichen Überlegungen dieses Gedankenexperiment auch weiterhin unangetastet zu lassen. Dass die beiden Saitenvirtuosen dabei noch so unbekümmert ihre Griffbretter penetrieren können, ist freilich auch ein großer Verdienst der Rhythmusfraktion. Bei ähnlicher musiktheoretischer Narrenfreiheit halten Neu-Bassist Mark Michell und Drummer Pat Skeffington mit akkuratester Präzision den passenden Rahmen, der große Taten und diverse Stimmungen erlaubt, aber frühzeitig vor ausufernden Kompositionsmonstern bewahrt. Selbst das abschließende „The Traveler“ entwickelt sich als längstes Stück der Scheibe von einem anfänglichen Schmunzler zu einem ausgewachsenen, der finalen Abfahrt würdigen Rausschmeißer, und die hier geschöpfte Wanderlust treibt mich gleich unweigerlich zu der nächsten von gefühlten tausend bisherigen Rotationen an.

Da die hier gemachte Erfahrung ohnehin kaum mit Worten zu fassen ist, das kurze Fazit: mit „The Migration“ ist SCALE THE SUMMIT abermals ein nahezu einzigartiges Werk gelungen, das sich zumindest in meiner Jahreswertung mit großer Sicherheit weit oben befinden wird. Intelligent, anspruchsvoll und vertrackt genug, aber nicht zu schwer im Magen liegend – nicht nur für Freunde des modernen Progs wärmstens zu empfehlen!

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