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SCAR SYMMETRY - Dark Matter Dimensions

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Artist SCAR SYMMETRY
Title Dark Matter Dimensions
Homepage SCAR SYMMETRY
Label NUCLEAR BLAST
Leserbewertung
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8.2/10 (6 Bewertungen)

Ich gestehe es gerne und auch ohne großes Zögern: Das Schlagwort und Subgenre Melodic Death Metal war mir seit jeher und eigentlich seit dem SOILWORK Durchbruch „Figure Number Five“ absolut verhasst. Stets bezeichnete es einen kapitalen Kategoriefehler: Zwar waren im Genre die Refrains mit ihren Zuckermelodien und ihrem zuckercleanen Gesang stets tatsächlich „melodic“, jedoch gab es nie wirklich eine Verbindung zum Death Metal abseits der gegrunzten Vocals. Sollte es aber irgendwann einmal irgend jemandem gelingen, mich davon zu überzeugen, dass es zwischen der Zuckerwatte, wie sie von IN FLAMES oder SOILWORK oder von ihren unzähligen überflüssigen Klonen ausgegeben wird, hin zur pechschwarzen Negativität der frühen OBITUARY, den unvergessenen DEATH, den heutigen wunderbaren Tulpenschlächtern VOMITORY oder wie sie alle heißen mögen, eine echte Verbindung gibt, werde ich mich notgedrungen eventuell von meiner geliebten Heavy Metal Sammlung trennen.

Nach diesem entspannenden 69-Wörter Satz komme ich zur Hauptattraktion dieser Rezi: SCAR SYMMETRY sind endlich eine Band, die diesem Genre eine Lebensberechtigung erteilt. Zumindest eine, die über „Dabei können Metaller wunderbar ihre weiblichen Metaller ganz doll lieb haben“ hinausgeht. Alles, was es dazu braucht, ist ein gerüttelt Maß an Kreativität und Musikalität. Schließlich haben einige Bands bereits vorgemacht, dass die vokale Mischung aus Grunzen und echtem Singen aufgehen kann: Es sei nur an FEAR FACTORY oder auch an die unglaublichen und phantastischen INTO ETERNITY erinnert. Es hat die großen Bands noch stets ausgezeichnet, dass sie bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Stücke es doch immer schaffen, dass ihre Alben sich wie aus einem Guss anhören. Sollte dies die Hürde sein, gelingt es den sechs Schweden hier recht lässig, diese zu überspringen. Auf der anderen Seite steht die (natürlich etwas marktschreierische) Angabe aus der Presseinfo, dass die Band mit jedem neuen Stück die eigenen Grenzen verschiebt. Das ist zwar nun ein wenig übertrieben, wer denkt, dass SCAR SYMMETRY jetzt auch Weltmusik und Free Jazz mit einbauen, täuscht sich doch gewaltig. Jedoch ziehen die elf neuen Songs so viele Register, dass die Band schon mit einigem Stolz die eigene Offenheit betonen darf. Und tatsächlich bleibt der rote Faden stets erhalten, was wohl nicht nur mir großen Respekt abnötigt.

So ist es ein mitreißender und fordernder Ritt durch die harschen progressiven Metalllandschaften geworden, vor allem die ersten zehn Stücke verlangen viel Geduld und Aufmerksamkeit. Stellvertretend sei hier mein derzeitiger Lieblingstrack herausgehoben: „Sculpture Void“. Balladesk mit akustischen Gitarren und sehr ruhigem Gesang beginnend, könnte es soweit auch aus der OPETH oder PORCUPINE TREE Welt stammen. Danach geht es in einen harschen Death Metal Part, der jedoch von eher rockigem Gesang und einem kleinen, aber feinen Gitarrenlead begleitet wird. Durch dann folgenden extrem aggressiven Death Metal „Gesang“ wird die Dynamik des Songs nochmals gesteigert, bevor die Stimmung durch einen absoluten Hammer Refrain wieder in friedlichere Gefilde gelenkt wird. Dabei seien besonders die PSYCHOTIC WALTZ Gedenkgitarren hervorgehoben, die dem Altfan schon eine Gänsehaut herbeizaubern. Dies alles klotzt einem die Band in knappen 100 Sekunden vor die Füße. Gottlob muss man sich danach nicht mehr groß mit weiteren Songparts herumschlagen, lediglich ein sehr schönes Gitarrensolo sowie ein melodischer Ausklang reizen die wunden Ohren des Hörers noch weiter.

Solche und ähnliche Abfahrten erwarten den neugierigen Hörer hier an jeder akustischen Ecke. Lediglich ganz zum Schluss scheinen SCAR SYMMETRY sich selbst noch einmal einfangen zu wollen und präsentieren mit „Radiant Strain“ ein gebundenes Paket ihres musikalischen Spektrums in einer „hittauglichen“ Form, wie man es vielleicht auf viel mehr Songs erwartet hätte. Beginnend mit einer ganz reizenden Gitarrenharmonie (natürlich doppelläufig!) geht es plötzlich und rasant in bombastisch-aggressiven Death Metal über mit einfachen Riffs, die schön in die Hüften einfahren. Darauf schließt sich ein schnuckeliger Chorus mit (aber sicher) Cleanvocals. So entsteht ein echter „Melodic Death Metal“ Song, der hier aber wie szeneironisch hingeknallt wirkt. SCAR SYMMETRY scheinen uns diesen Song förmlich mit dem Grinsen vor die Füße zu knallen, das sie vorher zehn Songs lang gezeigt haben, was ja aber auch in dem Genre steckt, in dem sie mit „Dark Matter Dimensions“ spätestens an die Spitze ziehen würden, wenn, ja wenn die Welt so gerecht wäre, den Proggies die Weltherrschaft zu überlassen. Viel Spass beim Hören und hoffentlich auch beim Kaufen!

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