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SCHELMISH - Die hässlichen Kinder

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Artist SCHELMISH
Title Die hässlichen Kinder
Homepage SCHELMISH
Label NAPALM RECORDS
Leserbewertung
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8.3/10 (7 Bewertungen)

Die Neunte – zwar nicht von BEETHOVEN, aber – von SCHELMISH ist da. Seit zehn Jahren kann man diese verrückt liebevolle Truppe aus Bonn auf Festivals, Märkten, Stadtfesten und Konzerten musizieren sehen. Dabei kommt ihnen der Schelm immer wieder aus den Poren heraus, nicht zuletzt dann, wenn sie sich selbst als fett, hässlich und asozial bezeichnen, wie mal wieder in dem Lied „Boulevard“ auf dem neuesten Silberling. Mittlerweile sind sie eine der angesagtesten Bands der Mittelalterszene, die durch ihre schnellen Rhythmen und frech-frivolen, aber auch nachdenklich machenden Texte die Fans in ihren Bann zieht. Erwachsen wollen sie dabei auf keinen Fall werden, was der Name des Albums verrät. Die Gelöstheit und Hemmungslosigkeit eines Kindes wollen sie sich bewahren. Manch ein Liedtext („Bist Du bereit“) mag nicht von einer unbeschwerten Kindheit überzeugen. Das heißt nun aber mitnichten, dass es schlecht wäre, erwachsen zu sein. Im Gegenteil, das Erwachsenwerden dieser Formation, von denen noch die Gründungsmitglieder DesDemonia, Dextro und Rimsbold an Bord sind, hat sich musikalisch ausgezahlt.

Ein großer Teil der Tracks präsentiert sich als schnelle, metallene und rockige Rhythmen. Hierzu gehören Songs wie „1212“, „Überladen“, „Mosaik“, „Blähsucht“ und die beiden in englischer Sprache gesungenen Titel „Too Late“ sowie „Strangers“. Das rockige „Too Late“ bietet einen Refrain, bei dem die mittelalterlichen Instrumente verstärkt ins Geschehen eingreifen, einen stimmigen Rhythmus und eingängige Worte, so dass der Zuhörer auf Anhieb mitsingen kann. Obwohl bei „Überladen“ häufig die Schalmei den Ton angibt, setzen sich immer wieder die Staccati der hämmernden Gitarren durch. Diese haben auch den Track „Mosaik“ in der Hand, begleitet von einem nimmermüden rasanten Schlagwerk und skizzenhaft eingeworfenen Flöten, Pfeifen, Schalmeien und Dudelsäcken. Begleitet von dröhnenden Gitarren wird in „1212“ von der Verführung und dem Missbrauch der Menschen durch „falsche Propheten“ erzählt. Sanften, melodischen Rock, zum Teil balladesk, bieten der erste Titel des Albums, „Bist Du bereit“, der durch seinen Sprechgesang einen kleinen Hauch Hip Hop versprüht, sowie „Sag nur ein Wort“, das im Refrain lauter und explosiver wird. Dann wäre da noch der an die 70er Jahre erinnernde Aussteigertitel „Sommer“, bei dem man ein Feuerzeug in die Hand nehmen möchte, um es gesellig durch die Luft zu schwenken. Das „La La La La“ ist nicht ganz unschuldig daran. „For The Clansmen“ und „Goresh“ kommen ohne Gesang aus und sorgen allein durch ihre schnellen Rhythmen dafür, den Hörer zum Tanzen zu bewegen. Während der durch Trommeln eingeleitete Titel „For The Clansmen“ ein schneller keltischer Folksong mit Dudelsäcken ist, bei dem die E-Gitarre kurz vor Schluss noch eine Gastrolle gibt, ist „Goresh“ ein Ausflug in die Welt der Elektrobeats mit an- und abschwellender Lautstärke, garniert mit Schalmei und Dudelsack, bei dem kaum jemand still stehen kann. In einer vierten und letzten Gruppe von Liedern wären „Boulevard“, „Die hässlichen Kinder“ und „Für Euch“ einzuordnen. Allesamt mit einer recht hohen Taktfrequenz und einem von den einschlägigen) Radiosendern und Clubs akzeptierten Melodie. Der Titelsong gleicht einer Hymne und appelliert an die Fans und Hörer, sich die Träume zu bewahren und keinen falschen Idolen nachzulaufen. „Boulevard“ hingegen versetzt die Hörer in die 80er Jahre zurück, es lassen FRL. MENKE und HUBERT KAH und die gesamte NDW grüßen, eingängiger Rock n Roll, bei dem auch die metallenen Gitarren nicht zu kurz kommen. Der letzte Song schließlich ist die Danksagung an die Fans, denen die Band die Sterne vom Himmel holen möchte.

Die neue Scheibe, die Ende Oktober nach gut zwei Jahren Studiopause in die Läden kommen wird, enthält überwiegend deutsche Texte. Für die Instrumentierung wurde ein buntes Feuerwerk aus mittelalterlichen Instrumenten und aktuellen Stromgeräten eingesetzt, mit denen am besten gezeigt werden kann, wie Punk mit sangesfreudigen Refrains und hämmernden Gitarren dargeboten werden kann. Dem selbstgeprägten Begriff des „Heavy-Bagpipe-Punk“ wird alle Ehre gemacht – eine ausgewogene Mischung aus Punk, klassischem Mittelalterrock, Metal und rockigen Balladen, die sich problemlos auf jeder Party durchsetzen wid. Ein Erfolg dieses Albums in den alternativen Charts scheint unumgänglich.

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