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SCHWEFELGELB - Alt und Neu

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Artist SCHWEFELGELB
Title Alt und Neu
Homepage SCHWEFELGELB
Label TAPETE RECORDS
Leserbewertung
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6.0/10 (13 Bewertungen)

Was lange dauert, das währet gut. Endlich kommt von der unglaublich talentierten Berliner Band SCHWEFELGELB das Debüt Album auf den Markt, wobei man den Herren ja wahrlich keine Untätigkeit vorwerfen kann. Nach ihrem großen Hit „Pornoshow“ auf dem Septic Sampler versuchten die Jungs das digitale Zeitalter zu nutzen, indem sie selbstgefertigte Exemplare der EP „Im Galopp“ vertickten, auf der auch der Hit „Mund zu voll“ enthalten war. Danach folgte noch eine weitere EP namens „Zehn Schuss, kein Treffer“ (ein kleiner Teil der 6 enthaltenen Lieder befindet sich nun auch auf dem Longplayer) und den Rest – digitaler Download oder Vinyl – lasse ich jetzt mal außen vor, denn durch diese Diskographie kann man sich schon eine Vorstellung davon machen, wie umtriebig SG waren. Wenn man dann auch noch die vielen Liveauftritte dazuzählt, fragt man sich schon, wann man die Zeit hatte, überhaupt ein ganzes Album aufzunehmen, das jetzt wenigstens offiziell bei Tapete erschienen ist.

Von der Musik war ich bis heute begeistert, dies liegt auch an meiner Affinität zur Neuen Deutschen Welle, denn bisher waren die Hauptstädter für mich die einzigen 100-Prozentigen Neuzeit-Vertreter dieser Musiksparte. Der Titel „Alt und Neu“ vom neuen Album trifft die Sache ganz gut, in erster Linie vertritt man die NDW Fraktion und ist somit „alt“, aber trotz aller Retro-Elemente ist die Qualität absolut auf dem aktuellen Stand der Zeit und man wählte musikalisch analog raue Elemente der elektronisch tanzbaren Sparte. Die Fusion klappt meisterlich, natürlich erinnert der Gesang vor allem an die alten deutsche Disko-Ära, man fühlt sich ständig von UNITED BALLS („Pogo in Togo“), GRAUZONE („Eisbär“), DAF („Der Mussolini“) oder HUBERT KAH („Sternenhimmel“) „umzingelt“, wobei mich Talent und Kreativität am ehesten noch an den Letztgenannten erinnert, dessen Musikalität war ja auch unbestritten einmalig. Gemein haben sie auch die Tanzbarkeit und die Vielfältigkeit der Kompositionen, mal verspielt, mal aggressiv und hart, und dann auch heiter und beschwingt. Alles wird mit einer gewissen Partyenergie abgefeuert, man kommt sich vor wie bei einem Konzert mit lauter Stimmungshits. Über allem schwebt ein Touch 80er, denn abgesehen von typischen analogen Sequenzerbassspielereien („Dann ist das gut“) oder dem EBM Stil der alten Schule („Stein auf Stein“), fand ich besonders das „Ich hab dich gesehen“ beeindruckend, denn so passend habe ich noch nie eine Vermischung von NDW mit 80er Popspielereien wie CHAKA KHAN gehört, wirklich ungewöhnlich und fantastisch. Wenn wir jetzt noch einen Schritt weiter gehen, dann kann man auch Ähnlichkeiten zu aktuellen Bands wie WIR SIND HELDEN oder GROSSSTADTGEFLÜSTER sehen, d.h. man lebt mit der Musik mehr in der Gegenwart als man vielleicht anfangs vermutet.

Nun fallen mir nur noch die Worte „Fan Fan Fanatisch“ ein, „Alt und Neu“ ist definitiv (m)ein Highlight des Jahres, musikalisch gesehen empfinde ich es sogar als Meilenstein in der Kategorie der „besten Alben ever“. Es wird nie langweilig, man verfolgt fasziniert jeden Ton und am liebsten würde man vor lauter überschüssiger Energie seine eigene Wohnung in Trümmer legen. Nicht jeder mag NDW, aber wer sich in irgendeiner Form bei der Beschreibung angesprochen fühlt, sollte sich unbedingt das Teil zulegen, denn wenn es jemand verdient hat, dann die Jungs von SCHWEFELGELB. Nur die Harten kommen in den Garten, und in diesem Sinne: Lasst es richtig krachen.

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